Bergstraße

Musik Timo Gross und Adax Dörsam stellen beim FC Finkenbachtal ihr Projekt „Leadbelly Calls“ vor / Naidoo-Gitarrist Alex Auer solo dabei

Drei Gitarrenvirtuosen bei Mini-Festival im Odenwald

Finkenbach.Das traditionsreiche Finkenbach-Festival muss dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie leider ausfallen. Aber so ganz ohne Musik wollen die Macher des FC Finkenbachtal ihre Fans dann doch nicht lassen. Am Samstag, 15. August, treten die beiden Gitarrenvirtuosen Timo Gross und Adax Dörsam mit ihrem neuen Projekt „Leadbelly Calls“ auf. Aber nicht nur sie: Alex Auer ist solo ebenfalls auf der Bühne zu sehen und wird im Schluss-Set das Duo zum Trio machen. Beginn ist um 18 Uhr im Fußballstadion.

„Wir haben schon länger überlegt, etwas zu machen“, schildert der zweite Vorsitzende des FCF, Armin Löffler, die Vorbereitungen. Den Festival-Fans sollte in der ereignislosen Zeit etwas geboten werden. Alle drei Musiker wären sowieso dabei gewesen: Gross und Dörsam mit ihrem Duo, Naidoo-Gitarrist Alex Auer mit seinen „Detroit Blackbirds“, bei denen als Gast wiederum Adax Dörsam mitwirkt.

Das Konzert findet nicht auf dem alten wie sonst, sondern auf dem neuen Sportplatz statt, um Abstands- und Hygieneregeln einhalten zu können. Aktuell wird laut Löffler mit 250 Sitzplätzen geplant, die bereits per E-Mail reserviert werden können. Es wird eine kleine Bühne aufgebaut, der FCF sorgt daneben für die Verpflegung. Das Ganze „in gemütlicher Atmosphäre“, wie der Vereinsfunktionär schmunzelt.

Die Gitarrenkönner huldigen dem stimmgewaltigen Bluessänger Hudson Ledbetter aus Louisiana, besser bekannt als „Leadbelly“. Das Projekt gibt es seit einem Jahr, erzählt Adax Dörsam. Die Idee entstand aus den seit einiger Zeit bestehenden jährlichen Sessions mit Timo Gross. „Wir haben manches direkt live einspielt“, stimmte die Chemie zwischen den beiden. Anderes wurde dann im Studio in Eigenregie gezaubert. Den ersten Auftritt mit diesem Programm gab es bereits – vor kurzem in der Pfalz, Timo Gross‘ Heimat. Dörsam bezeichnet die Musik als „innovativ und gleichzeitig Retro“. Der Odenwälder erkennt sowohl spirituellen Gehalt als auch Tiefe in den Songs, die durch ihre Coverversionen Weltruhm erlangten.

Gleichzeitig ist Leadbellys Lebenslauf ein Abbild der aktuellen Ereignisse in den USA, erklärt der Mörlenbacher. Der lebte von 1885 bis 1949 in Louisiana, Texas und New York. In dieser Zeit schlug der Rassismus erbarmungslos zu, so Dörsam: Leadbelly wurde einige Male verurteilt und saß die Hälfte seines Lebens in Gefängnissen. Als Schwarzer hatte man kaum eine Chance vor Gericht und vor der Polizei – wie sich die Zeiten gleichen.

Die beiden Solisten, Songwriter und Produzenten kreieren auf den Schultern dieses Bluesgiganten eigene, raue Klangwelten. Mit Respekt und Mut transformieren sie sein Erbe ins 21. Jahrhundert. „Leadbelly Calls“ mischen ohne Scheu Ethno-, Elektro- und Bluessounds und spielen mit Erwartungen und Nuancen, um die Hörer zu überraschen. Timo Gross erdiger Gitarrenstil verwebt sich eindrucksvoll mit den ausgefallenen und exotischen Sounds von Adax Dörsam. Das breite Spektrum von „Talking to Huddie Ledbetter“ beginnt bei rohen und ostinaten Blues-Grooves. Zwei Dobros und Stimmen reichen bei „Take this Hammer“, um das verzweifelte Ringen um die Menschenwürde der schwarzen Eisenbahnarbeiter zu beschwören. Ein Highlight ist die Interpretation des Klassikers „Black Betty“, bekannt durch Ram Jam: ein extrem tanzbarer, hypnotischer Groove kontrastiert die klassische türkische Saz.

Leadbelly schrieb Welterfolge wie „Midnight Special“ und „Cottonfields“, interpretiert von Creedence Clearwater Revival, „Good Night Irene“ (Weavers und Eric Clapton) „Where Did You Sleep Tonight“ (Nirvana) oder „The Gallows Pole“ (Led Zeppelin). tom

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