Bergstraße

Katholische Kirche „Maria 2.0“ fordert Gleichbehandlung

Dürfen allein die Gene entscheiden?

Bergstraße.„Das darf uns nicht auseinanderdividieren“: Mit diesem Appell ging jetzt eine Veranstaltung zum Thema „Maria 2.0“ der Ökumenischen Erwachsenenbildung in Heppenheim zu Ende. Die Initiative fordert den Zugang für katholische Frauen zu allen kirchlichen Ämtern. Die Frage nach der Rolle der Frau sei keine rein katholische, sagte Jan Turinski, Leiter des Katholischen Bildungswerks Bergstraße/Odenwald.

Auch in der Evangelischen Kirche setzte sich die Frauenordination erst ab den späten 50er Jahren durch, teilweise erst in den 90er Jahren. Für den katholischen Bereich verwies Turinski auf kirchenrechtlich relevante Dokumente, die der Kirche die Vollmacht absprächen, Frauen zu weihen. Dass diese die Diskussion nicht verhindern, zeigte der Vortrag von Andrea Keber. Die in der Initiative „Maria 2.0“ aktive Referentin schilderte ihre Erlebnisse in ihrer Heimatpfarrei Nieder-Olm.

Ausgehend von Protestaktionen der Diözese Münster habe sich auch der dortige Pfarrgemeinderat dazu entschlossen, „Maria 2.0“ zu unterstützen. Auch wenn sie selbst nie nach einem kirchlichen Weiheamt streben würde, stellte Andrea Keber die Frage, was den verheirateten, aber geweihten Diakon von der sich um die Verkündigung des Evangeliums bemühende Frau unterscheide und ob die Ausschließung von kirchlichen Weihämtern in den Genen begründet liegen dürfe.

Professor Dorothea Sattler von der Universität Münster führte theologisch-fachwissenschaftlich in die Thematik ein. Explizit betonte sie dabei, dass der „12er-Kreis“ nicht identisch mit dem Kreis der Apostel sei und verwies darauf, dass auch Maria Magdalena als Apostelin bezeichnet werde. „In der Bibel gibt es keine Stellen, die Frauen ausdrücklich vom Verkündigungsdienst ausschließen“, so die Theologin.

Historische Belege

Sie betonte, dass bei der Forderung nach der Zulassung von Frauen zu Weiheämtern zwischen Diakonat, Presbyteriat und Episkopat unterschieden werden müsse, denn gerade die Geschichte zeige, dass die Diakonatsweihe von Frauen – im Gegensatz zur Priester- und Bischofsweihe – der Katholischen Kirche keineswegs fremd sei: „Im ersten nachchristlichen Jahrtausend hat es durchaus Frauen gegeben, die mit einer liturgischen Sendung zum diakonalen Dienst berufen wurden.“

Grundsätzlich stellte sie die Frage, wie man denn erkennen könne, was Gott von seiner Kirche wolle und ob dabei die „Zeichen der Zeit“ berücksichtigt werden müssten. Letztlich sei das oberste Ziel die glaubwürdige Verkündigung des Evangeliums. Am Ende stand das Fazit, dass es eine Diskussion über „Maria 2.0“ braucht und eine positive Antwort darauf, ob Frauen geweiht werden dürfen, der Ökumene Auftrieb verleihen könne. zg

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel