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Arbeitnehmervertreter Bezirksgruppe Südhessen konnte in den vergangenen zwölf Monaten ihren Mitgliederbestand knapp behaupten

„Durchwachsenes Jahr“ für die IG Metall

Darmstadt/Südhessen.Die Industriegewerkschaft (IG) Metall Darmstadt hat ihre Bildungsaktivitäten in Form von Veranstaltungen zu aktuellen politischen und gewerkschaftlichen Themen weiter erhöht. „Schwerpunkt bleibt dabei die Stärkung der gewerkschaftlichen Strukturen in den Betrieben“, heißt es in einem jetzt veröffentlichten Rückblick auf das Jahr 2018, das nach Einschätzung der IG Metall für die Gewerkschaft ein „durchwachsenes Jahr“ gewesen sei.

Gesellschaftliche Spaltung

„Stärker als in den vergangenen Jahren beeinflussen die überregionalen Politikfelder unsere tägliche Arbeit“, berichtet die IG Metall. Besonder die „gesellschaftliche Spaltung beschäftigt uns in den Betrieben“. Am 23. Januar habe man eine gesellschaftspolitische Veranstaltung in Kooperation mit der TU Darmstadt durchgeführt. Dort nahmen mehr als 400 Besucher an einer Diskussion zum Thema Rechtspopulismus und dessen Auswirkungen teil. „Das zeigt uns, dass die Themen in der Gesellschaft in den Betrieben ankommen.“

Insgesamt konnte die IG Metall Darmstadt in 2018 ihren Mitgliederbestand knapp behaupten. Dies sei besonders vor dem Hintergrund eines Stellenabbaus bei Opel von mehreren tausend Beschäftigten nicht zu erwarten gewesen. IG-Metall-Sprecher Jochen Homburg sagt dazu: „Ich freue mich, dass wir mit unseren betrieblichen und gesellschaftlichen Themen so gut in der Stadt-Gesellschaft verankert sind.“

2018 war für die IG Metall in Südhessen besonders mit den Warnstreiks in der Tarifrunde 2017/18 und nach der Übernahme von Opel durch PSA ein turbulentes Jahr. Mit dem Tarifabschluss von 3,4 Prozent mehr Geld und acht zusätzlichen freien Tagen habe man „den Nerv der Zeit getroffen“. Der Abschluss habe in der Folge in vielen Branchen vom öffentlichen Dienst bis hin zur Deutschen Bahn als Vorlage gedient.

Besonders hart trifft es die IG Metall bundesweit sowie die IG Metall in Darmstadt, dass die Automobilindustrie so stark unter Druck steht. Dies sei bei den Großbetrieben wie Opel und Conti ebenso zu späten wie bei kleinen Kfz-Werkstätten und Zulieferern. So wurden nicht nur bei Opel, sondern auch bei vielen Zulieferern wie Rhenus SCR Arbeitsplätze abgebaut.

Konzernbetriebsrat bei Sirona

Im Gesundheitskonzern Sirona konnten ein Konzernbetriebsrat und ein Aufsichtsrat errichtet werden. Und am Standort in Bensheim sind die ersten von circa 500 zusätzlichen Mitarbeitern angekommen. Dazu wurden durch den Konzern um den bisherigen Standort herum weitere Immobilien erworben.

Die nach der Tarifflucht der Arbeitgeber im Kfz-Handwerk im vergangenen Jahr erfolgte Verteidigung sei gelungen. So seien im Kfz-Handwerk in 2018 mehr als 20 Betrieben mit vielen tausend Beschäftigten in Südhessen zurück in die Tarifbindung gekommen.

In diesem Jahr stehen in den Branchen Kraftfahrzeuge, Sanitär und Heizung sowie im Elektrohandwerk Tarifrunden an. „Das ist ein wichtiges Signal ins Handwerk, dass man nur mit guten Löhnen auch die qualifizierten Mitarbeiter bekommt, die man braucht“, so die IG Metall. „Wir möchten deshalb im Handwerk die Tarifbindung der Flächentarifverträge ausbauen, um dem beginnenden Fachkräftemangel entgegenzutreten. Auch das Handwerk steht vor den gleichen Herausforderungen wie Digitalisierung, Elektromobilität und dem Konzentrationsprozess auf große Handwerkskonzerne.“

Nicht nur im Handwerk versuchten Arbeitgeber, durch Tarifflucht bei ihren Beschäftigten zu sparen. So wurde bei Brüel & Kjaer Vibro in Darmstadt der Austritt aus dem Tarif Ende 2017 erklärt. Nach mehreren Warnstreiks, an dem sich fast alle Beschäftigten beteiligten, und vielen Verhandlungsrunden konnte der Arbeitgeber zur Rückkehr in die Tarifbindung bewegt werden. Ebensolche Probleme gibt es bei Meto in Hirschhorn, wo die Auseinandersetzung noch andauert.

„Im Rechtsschutz für unsere Mitglieder waren wir wieder sehr erfolgreich“, zieht die IG Metall Bilanz. Die mit zwei Juristen besetzte Rechtsabteilung konnte im vergangenen Jahr im Arbeits- und Sozialrecht etwa 1,3 Millionen Euro für die Mitglieder erstreiten.

Ausblick auf das neue Jahr

Ab diesem Jahr gilt auch wieder die Parität bei den Krankenkassenbeiträgen. Dies gehe auf eine Initiative aus der IG Metall in Köln und Darmstadt zurück, die tausende von Unterschriften zur Durchsetzung der Forderung gesammelt hatten.

Für das Jahr 2019 sieht die IG Metall in Darmstadt eine zentrale Herausforderung in der Bewältigung der Umstrukturierungs- und Sanierungsprozesse in den Betrieben. Diese werden in erster Linie von gesellschaftlichen Megatrends wie Digitalisierung und Elektromobilität getrieben. „Aber auch die Eintrübung der wirtschaftlichen Aussichten werden uns beschäftigen“, heißt es in der Mitteilung der Metallgewerkschaft abschließend. red

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