Bergstraße

„Egal, wie: Die SPD wird verlieren“

Nadja Hartmann aus Lorsch ist Zweite Vorsitzende der Jusos im Kreis

Was halten Sie eigentlich von Martin Schulz, Frau Hartmann?

Nadja Hartmann: Am Anfang haben wir Jusos ihn unterstützt, weil er vieles anders gemacht hat. Durch ihn hatten wir die Hoffnung, dass es eben nicht zu einer erneuten Großen Koalition und damit zu einem „Weiter so“ kommt. Bei seinem Auftritt auf der Pressekonferenz habe ich gesehen, dass er versucht, dem Stimmungsbild innerhalb der SPD gerecht zu werden. Aber in der Partei sind ja momentan alle unterschiedlicher Meinung. Es geht nicht nur um „Ja“ oder „Nein“, sondern auch um unterschiedliche und neue Vorstellungen einer Zusammenarbeit mit der Union.

Kooperationskoalition, Minderheitsregierung und GroKo wurden und werden debattiert. Aber irgendwie ist Schulz jetzt doch schnell eingeknickt.

Hartmann: Martin Schulz steckt in dem Dilemma, alle unter einen Hut bekommen zu müssen. Wirklich nicht einfach für ihn. Dass die Sondierungsgespräche nach vier Jahren gemeinsamer Regierungsarbeit relativ schnell abgeschlossen waren, kann man Martin Schulz aber nicht vorwerfen. Beide Parteien kennen sich, jetzt mussten eben nur noch Detailfragen geklärt werden. Aber egal, wie es am Ende ausgeht, die SPD wird verlieren – Wählerstimmen und Glaubhaftigkeit.

Weil viele in der Bevölkerung den Eindruck haben werden, dass sich die SPD jetzt doch wieder der Union unterwirft?

Hartmann: Ich befürchte, dass das passieren wird. Das liegt auch daran, dass der Unmut momentan groß ist. Wir hätten Angela Merkel und die Union viel stärker zu einer Minderheitsregierung drängen müssen. In einer Großen Koalition werden wir unsere SPD- Themen nicht durchsetzen.

Stattdessen stimmt Ihre Partei einer Obergrenze bei den Flüchtlingszahlen zu.

Hartmann: Das kann ich nicht verstehen – und weiß auch gar nicht, wie wir das potenziellen Wählern an unseren Juso-Ständen erklären sollen. Gerade das wäre ein Thema gewesen, bei dem die SPD hätte Haltung zeigen müssen.

Es brodelt in der SPD. Was passiert beim Parteitag am 21. Januar?

Hartmann: Das kann ich momentan nicht einschätzen. Es gibt viele Mitglieder – auch hier im Kreis Bergstraße – und Bündnisse, die gegen die Große Koalition sind. Aber Befürworter werden auf eine staatspolitische Verantwortung verweisen und so versuchen, die Skeptiker zu überzeugen. Keine Ahnung, wie das ausgeht. Und kommt es nicht zu einer Regierung, sondern zu Neuwahlen, wird jeder sagen: Die SPD ist schuld. Das wollen sich viele Mitglieder auch nicht anlasten lassen. Wir Jusos werden auf jeden Fall trotzdem gegen die Große Koalition stimmen.

Kommt’s zum Knall?

Hartmann: Schwierig vorherzusagen. Ich hoffe zumindest, dass der Parteitag der Führung kein Mandat für eine Regierungsbildung erteilt. lok

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