Bergstraße

Persönlich Die Bensheimer Sopranistin Hildegard Becker-Eberle wird heute 90 Jahre alt

Ein Leben für die Musik und das Theater

Archivartikel

Bergstraße.Auf eine außergewöhnliche Vita kann die Bensheimer Sopranistin Hildegard Becker-Eberle zurückblicken, die am heutigen Donnerstag, 14. November, ihren 90. Geburtstag begeht. Geboren in Lorsch, zog sie bereits im Kindesalter mit der Familie nach Bensheim, erhielt ab dem siebten Lebensjahr Klavierunterricht und machte an der Liebfrauenschule Abitur.

Ihre gesanglichen Ambitionen, die seit Schülerzeiten immer wieder bei schulischen, kirchlichen oder privaten Anlässen gefragt waren, musste sie zunächst zurückstellen. Nach dem Abitur arbeitete sie bis zur Heirat im elterlichen Geschäft mit. Vater Jakob Eberle betrieb an der Bensheimer Hauptstraße 58 ein Ladengeschäft und Großhandel für Futter- und Düngemittel, Saaten, Mehl und Kartoffel.

Nach der Heirat 1952 mit August-Heinrich Becker und der Geburt von drei Kindern – die alle drei ebenfalls als Schauspieler oder Musiker auf der Bühne gelandet sind – war sie dann als Mutter und Hausfrau gebunden. Erst als der jüngste Sohn zehn Jahre alt war begann sie mit privatem Gesangsunterricht, ehe sie ein Studium an der Akademie für Tonkunst Darmstadt aufnahm.

Außergewöhnliche Stimme

Allein ihrer außergewöhnlichen Stimme war die Tatsache zu verdanken, dass sie in einem für eine Studienanfängerin ungewöhnlich hohen Alter von 39 Jahren überhaupt noch an der Akademie aufgenommen wurde.

Ihr Operndebüt gab Hildegard Becker-Eberle mit der Titelpartie „Die Kluge“ von Carl Orff in der Regie von Operndirektor Harro Dicks, der sie fest an das Staatstheater Darmstadt engagierte, dem sie von 1972 bis 1987 angehörte. Dort stand sie unter anderem mit Startenören wie René Kollo („Parsifal“) oder Siegfried Jerusalem („Madame Butterfly“) auf der Bühne.

Daneben pflegte sie eine rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland mit Auftritten in rund 35 Ländern auf vier Kontinenten und einem vielfältigen Repertoire in fünf Sprachen.

Über die Oper hinaus war sie vielen Genres verbunden: Ob leichte Muse mit Operette und Wiener Liedern, ob mit Zigeunerkapelle in Budapest oder Balalaika-Ensemble in Moskau, beim Heurigen in Wien oder zu einer europäischen Weinprobe beim Hessentag (Wetzlar 1975) oder mit Maria Hellwig auf „Fahrt ins Blaue“ im ZDF bis hin zur Kirchenmusik, die sie insbesondere gerne pflegte.

Auftritte in aller Welt

Neben vielen bekannten Kirchen und Klöstern wie Stift Melk, Felsendom Helsinki, Wallfahrtskirche Tschenstochau/Polen, Dom Reggio di Calabria/Italien, Maria Theyn-Kirche Prag, Moldau-Klöster Rumänien, Dom Salzburg, Kathedrale Toronto/Kanada, Sinai-Kloster/Ägypten oder Hedwigs-Kathedrale Berlin sang Hildegard Becker-Eberle teilweise auch im Rahmen der vielen Volkshochschule-Studienreisen unter der Leitung ihres Mannes immer wieder auch an vielen historisch bedeutsamen Orten mit einzigartiger Akustik und Aura. So in den Amphitheatern von Epidaurus/Griechenland, Syrakus/Sizilien, Petra/Jordanien, Aspendos/Türkei, Baalbeck und Biblos/Libanon.

Eine geschätzte Rarität hierzulande waren ihre Volkslied-Programme, die sie teilweise selbst am Flügel begleitete.

Neben den Auftritten in aller Welt war Hildegard Becker-Eberle zu den unterschiedlichsten Anlässen stets auch ihrer Heimatstadt eng verbunden, wie sie auch in den Bensheimer Partnerstädten Beaune, Mohacs und Riva del Garda aufgetreten ist. 1968 sang sie bereits zur Eröffnung des Parktheaters in drei Konzerten mit unterschiedlichen Programmen, die ihr Mann August-Heinrich Becker als damaliger Leiter des Kulturamtes mit Bensheimer Künstlern gestaltet hatte.

Zu Zeiten der Kantoren Alfred Karner in St. Georg, Karl Alfred Nassauer in der Bergkirche Auerbach und Armin Schoof und Ottfried Miller in St. Michael Bensheim war sie hier häufig in Kirchenkonzerten und Messen zu hören, wie auch gerne zu unterschiedlichen Anlässen mit dem Collegium Musicum unter Peter Küntzel.

Bis heute ist Hildegard Becker-Eberle auch nach dem Abschied von der großen Opernbühne den schönen Künsten aufs engste verbunden, wenn auch eher hinter den Kulissen und altersbedingt inzwischen nur noch am Rande. Von Anbeginn seit 1991 hat sie bis vor wenigen Jahren noch täglich die Stellung im Büro der internationalen Sommefestspiuele Bensheim-Auerbach ihres Sohnes Klaus P. Becker gehalten und kümmerte sich bei allen Veranstaltungen um die Abendkasse. Diese Aufgabe hat inzwischen ihr ältester Enkel Jan übernommen, der bereits seit 2000 in allen Bereichen der Festspiele mitarbeitet.

Lieblingsorchester spielt Ständchen

Da die Festspiele regelmäßig rund 70 Prozent aller Karten direkt über die Geschäftsstelle verkaufen, haben sich aus diesen über die Jahre gewachsenen, sehr engen Besucherbindungen mit über 15 000 registrierten Adressen auch sehr persönliche Kontakte ergeben. So pflegen bis heute viele Stammbesucher immer wieder gerne den persönlichen Kontakt, wenn sie Hildegard Becker-Eberle bei den Festspielveranstaltungen im Parktheater treffen, die sie alle mit großer, ungebremster Begeisterung wahrnimmt, sodaß sich mancher Besucherkontakt zum ergiebigen Plausch über unvergessene Begegnungen und Abende auf Schloß Auerbach (1991 bis 2000) oder im Fürstenlager (2001 bis 2012) auswächst. Am Freitag (15. November) gibt sich zum 90. Geburtstag ihr Lieblingsorchester, das legendäre Pasadena Roof Orchestra aus London, im Rahmen der Festspiele im Parktheater die Ehre. red

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