Bergstraße

Interview Im Gespräch mit der Polizistin Lucia Mitsch und dem Autobahnpolizisten Berthold van Roje

Ein vielseitiger – und riskanter – Beruf

Archivartikel

Wo genau sind Sie bei der Polizei beschäftigt und wie lautet Ihre Dienstbezeichnung?

Berthold van Roje: Meine Dienststelle ist die Autobahnpolizei Lingen mit dem Standort in Wietmarschen/Lohne in Niedersachsen. Wir sind für Autobahnabschnitte auf der A 30 und der A 31 zuständig, das sind insgesamt zirka 130 Kilometer.

Lucia Mitsch: Mein Name ist Lucia Mitsch ich bin Polizeioberkommissarin bei der Kriminalpolizei Heppenheim.

Was mögen Sie an Ihrem Beruf und was ist an Ihrem Beruf eher schwierig?

van Roje: Schön an der Arbeit bei der Autobahnpolizei ist der Kontakt zu vielen Menschen, denen man als Polizeibeamter hoffentlich auch helfen kann. Zudem ist die Arbeit in unserem Bereich sehr vielseitig. Da sich auf der A 30 ein deutsch-niederländischer Grenzübergang befindet, führen wir nicht nur normale Verkehrskontrollen, sondern auch Grenzkontrollen durch. Hierbei achten wir insbesondere auf die illegale Einfuhr von Drogen und das Fahren unter Drogeneinfluss. Schwierig und gefährlich sind Einsätze mit Gefahrenstellen auf der Autobahn. Das können Gegenstände auf der Fahrbahn sein oder auch Unfälle, bei denen die Fahrbahn blockiert ist. Hierbei muss man unheimlich aufpassen, da nachfolgende Verkehrsteilnehmer oftmals mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs sind, die Situation zu spät sehen oder falsch einschätzen. Nicht so schön sind natürlich auch Einsätze mit aggressiven oder auch alkoholisierten Verkehrsteilnehmern.

Mitsch: Der Beruf ist vielseitig, birgt viele Überraschungen – positiv, wie auch negativ – und man hat mit vielen Menschen aus vielen verschiedenen sozialen Schichten zu tun. Der Beruf erfordert viel Flexibilität und ist in manchen Situationen körperlich wie psychisch sehr anstrengend. Aber wenn der Beruf sehr viel Spaß macht, empfindet man die Belastung als nicht mehr ganz so schlimm.

Wurden Sie privat schon einmal von der Polizei angehalten?

van Roje: Ja, schon öfters. Aber ich musste weder „pusten“ noch eine Strafe bezahlen.

Was war das Schlimmste, was bisher bei Ihrer Arbeit passiert ist – und was passiert am häufigsten?

Mitsch: In meiner Dienstzeit bin ich einmal mit einem Messer angegriffen worden. Diesen Angriff konnte ich zum Glück unverletzt abwehren.

van Roje: Das Schlimmste sind immer wieder Widerstände, bei denen ich und meine Kollegen angegriffen, angespuckt und auch beleidigt werden. Die häufigsten – fast täglichen – Einsätze auf der Autobahn haben mit Gefahrenstellen zum Beispiel durch Gegenstände auf der Fahrbahn oder liegengebliebene Fahrzeuge zu tun.

Kommt es wegen des unbegrenzten Tempolimits häufig zu Problemen auf der Autobahn?

van Roje: Natürlich gibt es hier viele Probleme. Da muss ich natürlich wieder die Gefahrenstelle erwähnen. Wenn ich dabei als Beispiel einen Gegenstand von dem Überholfahrstreifen räume, muss ich immer damit rechnen, dass sich ein Pkw mit sehr hoher Geschwindigkeit von hinten nähert. In dieser Situation muss man sehr aufpassen. Dann haben wir auch viele Unfälle, bei denen die Geschwindigkeit eines nachfolgenden Pkw unterschätzt wird. Zum Beispiel kommt es oftmals vor, dass ein Pkw von dem Hauptfahrstreifen auf den Überholfahrstreifen wechselt, um einen Lkw zu überholen. Dabei übersieht der Fahrer des Pkw, dass sich von hinten ein anderer Pkw mit hoher Geschwindigkeit auf dem Überholfahrstreifen nähert – und schon haben wir einen Unfall.

Mitsch: Auf der Autobahn gibt es für Polizeibeamte grundsätzlich Schwierigkeiten, die auch zu Problemen führen können. Vor allem dann, wenn Polizeibeamte bei einer Unfallaufnahme, einer Kontrolle oder einer Panne auf der Autobahn stehen bleiben müssen und andere Verkehrsteilnehmer heran- oder vorbeifahren. Diese Situationen sind besonders gefährlich.

Was tut die Autobahnpolizei gegen Raser und Drängler?

van Roje: In Niedersachsen werden zum Beispiel auf der Autobahn Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt, wenn es auf Streckenabschnitten ein Tempolimit gibt. Dann gibt es noch ein Abstandsmessgerät, welches auf Autobahn-Brücken aufgebaut wird und den Abstand der auf der Autobahn befindlichen Fahrzeuge misst. Zudem gibt es noch einen mobilen Video-Einsatzwagen, mit dem ebenfalls die Geschwindigkeit und der Abstand gemessen werden können.

Was sind Gründe, um ein Auto anzuhalten?

van Roje: Die Gründe für eine Kontrolle können sehr vielfältig sein. Da gibt es die allgemeine Verkehrskontrolle, eine Geschwindigkeitskontrolle oder auch eine Kontrolle, wenn jemand etwas falsch gemacht, zum Beispiel den Sicherheitsgurt nicht angelegt hat. Dann gibt es Grenzkontrollen bei der Einreise aus dem Ausland, Fahndungskontrollen beispielsweise nach einem Bankraub und auch Großkontrollen vor Fußballspielen oder Demonstrationen.

Wie läuft eine durchschnittliche Polizeikontrolle ab?

van Roje: Bei einer normalen Kontrolle lassen wir uns den Führerschein und die Zulassungsbescheinigung des Pkw zeigen. Wir prüfen die Verkehrstüchtigkeit des Fahrers, zum Beispiel, ob er Alkohol getrunken hat, den Zustand des Pkw, zum Beispiel die Reifen oder den TÜV-Stempel, und ob erforderliche Gegenstände, beispielsweise Warndreieck und Erste-Hilfe-Material mitgeführt werden.

Mitsch: Jede Kontrolle ist unterschiedlich, genauso unterschiedlich wie die Reaktionen der Menschen, die kontrolliert werden. In der Regel sind die Personen freundlich, höflich und kooperativ.

Was ist der Unterschied zwischen einer verdachtsunabhängigen und einer verdachtsabhängigen Kontrolle?

Mitsch: Bei der verdachtsunabhängigen Kontrolle kontrollieren wir Fahrzeuge nach Mängeln sowie deren Insassen. Wenn keine Ordnungswidrigkeit oder Straftat festgestellt werden kann, wird die Kontrolle beendet und der Fahrzeugführer darf weiterfahren. Bei einer verdachtsabhängigen Kontrolle schaut man nach Personen und Fahrzeugen, nach denen gefahndet wird.

Gibt es besondere Situationen an den Grenzen?

van Roje: Natürlich gibt es besondere Situationen, wie illegale Einreisen, die Einfuhr von Drogen oder anderen verbotenen Gegenständen. Bei den Kontrollen haben wir mit vielen ausländischen Verkehrsteilnehmern zu tun, die natürlich ihre ausländischen Papiere vorzeigen, die wir dann besser kennen sollten. Eine Besonderheit ist, dass wir bei einer Verfolgungsfahrt tatsächlich in die Niederlande fahren dürfen. Wir müssen dann nicht am Grenzübergang anhalten.

Sind Polizeiautos schnell genug, zum Beispiel für eine Verfolgungsjagd?

Mitsch: Die Polizei Hessen besitzt verschiedene Fahrzeugtypen mit unterschiedlichen Motorisierungen, die in der Regel für Verfolgungsfahrten durchaus ausreichen.

Dürfen Sie Serien-Neuwagen aus dem Verkehr ziehen, wenn diese nicht verkehrssicher sind?

van Roje: Einen Pkw komplett aus dem Verkehr zu ziehen, ist nur möglich, wenn dieser zuvor entwendet wurde. Wir können dem Fahrer eines nicht verkehrssicheren Neuwagens aber die Weiterfahrt untersagen. Er muss dann den Neuwagen wieder in Ordnung bringen und kann dann seine Fahrt fortsetzen.

Wie sicher sind Deutschlands Autobahnen?

van Roje: Die Sicherheit von Autobahnen wird man meistens anhand von Unfallstatistiken messen können. Da sich mehr Unfälle außerhalb von Autobahnen ereignen, kann man diese als sicher ansehen.

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