Bergstraße

Integration Der Syrer Kamal Agha arbeitet im Planungsbüro der Baugenossenschaft Lampertheim

Ein weiter Weg hat endlich zum Ziel geführt

Archivartikel

Bergstraße.Er ist in der syrischen Stadt Homs aufgewachsen, hat in Damaskus studiert und ein Jahr in der Türkei gearbeitet. Kamal Agha hat mit seinen 28 Jahren schon viel erlebt. Im Syrienkrieg floh der Bauingenieur aus seinem Heimatland – und landete vor vier Jahren über vielen Umwegen in Deutschland. Doch hier warteten auf den jungen Mann neue Hürden. Verschiedene Praktika, Sprachtests, Vorstellungs- und Vermittlungsgespräche. Jetzt aber hat Kamal Agha es geschafft. Seit 1. Dezember arbeitet er bei der Baugenossenschaft in Lampertheim (BGLA).

Vorbild für viele

Damit ist er angekommen und kann Vorbild für viele Menschen sein, nicht nur für Migranten. „Das sollte Unternehmen ermutigen, Menschen wie Kamal Agha einzustellen. Flüchtlinge haben oft großes Potenzial, sind teilweise gut ausgebildet“, sagt Annette Reinhardt-Klee vom Viernheimer Sozialzentrum. Sie hatte den Syrer anfangs in der Asylunterkunft betreut. Heute lebt er in seiner eigenen Wohnung.

Wenn der gebürtige Syrer spricht, kann man kaum glauben, dass er Anfang 2018 nur einige Brocken Deutsch konnte, sich im Jobcenter auf Englisch unterhalten musste. Man sieht ihm auch nicht an, was er auf seiner langen Reise schon erlebt haben muss. Aufmerksam und sympathisch lächelnd verfolgt der 28-Jährige das Gespräch, versteht jedes Wort. Er selbst spricht ruhig und bedacht, wirkt mit den zusammengefalteten Händen im Schoß fast schon schüchtern und demütig. Wie er nach Deutschland gekommen ist? „Das ist eine lange Geschichte“, sagt Kamal Agha. Zu lang. Er ist allein gekommen, seine Geschwister sind inzwischen über den ganzen Erdball verteilt, manche Angehörige leben noch immer in Syrien. Es ist eine eigene Geschichte. Lieber spricht der Mann über das Hier und Jetzt.

Dass sich das einmal mit einer Festanstellung bei einer deutschen Baugenossenschaft abspielen würde, das hätte er vor ein paar Jahren selbst noch nicht geglaubt. Einfach war der Weg ohnehin nicht. „Neues Land, neue Kultur, neue Sprache“, erinnert sich Agha. Besonders Letzteres sei anfangs „sehr schwierig“ gewesen. Aber Kamal hat es geschafft.

„Ich wollte unbedingt arbeiten“

Das Jobcenter hat ihm einige Praktika in der Baubranche ermöglicht, die seine Sprachkenntnisse verbesserten. „Das war eine gigantische Entwicklung“, findet Nicole Schuster-Pütz. Die Mitarbeiterin des kommunalen Jobcenters unterstützt den Flüchtling. Den ersten Kontakt zur Baugenossenschaft gab es schon 2018. Denn zu Aghas Glück ist Annette Reinhardt-Klee mit einem Vorstandsmitglied der BGLA verheiratet. Wolfgang Klee hat dessen Potenzial erkannt, doch eine Anstellung gab es zunächst nicht. „Er war so ungeduldig, dass er entgegen meiner Empfehlung als Lagerist bei einem großen Versandhandel angefangen hat“, berichtet Nicole Schuster-Pütz vom Jobcenter. Bei der Erinnerung muss auch Agha lachen. „Ich wollte unbedingt arbeiten“, sagt er.

Zwei glückliche Fügungen

Möglich gemacht haben die Zusammenarbeit letztlich zwei glückliche Fügungen. Wegen der vielen Bauaktivitäten hat die BGLA den selbstständigen Architekten Gerd Siegler fest angestellt, plötzlich gab es Bedarf für einen Bauplaner. Gleichzeitig verabschiedete die Bundesregierung ein Gesetz, das Firmen bei der Einstellung von Langzeitarbeitslosen, zu denen auch Flüchtlinge zählen können, finanziell unterstützt.

Und in denen schlummere Potenzial, wie Helmut Burk betont. Im Jobcenter betreue er aktuell drei Mediziner und zwei IT’ler, deren berufliche Anerkennung langwierig sei. Bei Kamal Agha hat das funktioniert. Nun arbeitet er mit Gerd Siegler in der Planungsabteilung. „Ein Glücksgriff für uns“, sagt Siegler. Bei einem Vorpraktikum habe man das sofort erkannt. Bald schon soll Kamal selbstständig Freiflächen planen und raus auf die Baustelle. /sm

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