Bergstraße

Tagung Die Arbeitsgemeinschaft der Geschichts- und Heimatvereine hat sich in Wald-Michelbach getroffen / Seit 50 Jahren bewahrt sie den Blick in die Vergangenheit

Einstehen für mehr Nachhaltigkeit

Archivartikel

Bergstraße.Aus allen Regionen des Kreises Bergstraße waren die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der Geschichts- und Heimatvereine zur Versammlung in Wald-Michelbach gekommen. Vorsitzende Heidi Adam und der Hausherr, Bürgermeister Sascha Weber, begrüßten die Gäste. Im Mittelpunkt des Treffens standen neben zwei Vorträgen von Sascha Weber und Andreas Arnold und den Ausführungen von Heidi Adam selbst eine Ortsführung mit Geopark-vor-Ort-Begleiter und „Nachtwächter“ Theo Reichert. Vorsitzender Gundolf Reh stellte zudem den Wald-Michelbacher Heimat- und Museumsverein vor.

Vorsitzende Heidi Adam sprach von einem spannenden Jubiläumsjahr für die Arbeitsgemeinschaft. „50 Jahre schaffen nicht viele Werke mit wissenschaftlichem Anspruch, noch dazu als Buch“, sagte sie mit Blick auf die jährlichen Veröffentlichungen. Es gebe einen treuen Leserstamm, der langsam wieder wachse, freute sie sich. „Ich glaube nicht, dass die Geschichtsbände mit dem auffälligen gelben Cover nur deshalb gekauft werden, weil sie sich im Bücherregal so gut machen“, schmunzelte Adam.

Altes mit Neuem verbinden

Das Jubiläum solle für die Aktiven ein Ansporn sein, in diesem Jahr genauso engagiert weiterzuarbeiten wie bisher. „Wenn Altes sich mit Neuem verbindet, behalten die Menschen die Verbindung mit ihrer Geschichte. Sonst gerät die Historie in Vergessenheit“, betonte die Vorsitzende und freute sich darüber, dass die Arbeitsgemeinschaft verstärkt Zulauf von „jungen Alten“ hat. Niemand lebe für sich allein, jeder sei Teil des Ganzen.

In ihrer Ansprache wandte sich Adam gegen egoistische Tendenzen, die sich ihrer Meinung nach immer mehr breitmachen. Es sei die Aufgabe der Historiker, auf mehr Nachhaltigkeit zu achten: „Frühere Generationen zehrten die Erde nicht so schnell auf.“ In Vertretung von Reinhold Diehl gab Adam auch den Kassenstand bekannt, der so erfreulich ist, dass der Veröffentlichung des nächsten Geschichtsbandes nichts im Wege steht.

Derzeit werden Texte gesammelt

Darin wird auch Lokales aus dem Wald-Michelbacher Raum enthalten sein, kündigte Adam an. Derzeit werden für den neuen Band noch Texte gesammelt. Wer etwas beitragen möchte, ist willkommen. „Für Wald-Michelbach haben wir ein Objekt im Auge, das für die Auszeichnung als regionales Kulturerbe infrage kommt“, so Adam weiter.

Kreisbeigeordneter Volker Buser lobte die „wertvolle Hilfe“ der Arbeitsgemeinschaft bei der Erforschung der regionalen Historie. „Fünf Jahrzehnte Erfolg in einer schnelllebigen Zeit mit sich wandelnden Interessen sind schon etwas Besonderes“, sagte er und bezeichnete „die Treue zu Qualität und Ausführlichkeit“ als Schlüssel zum Erfolg. Zudem betonte Buser die große Bandbreite der Veröffentlichungen.

Der Wald-Michelbacher Bürgermeister Sascha Weber stellte den Tagungsgästen seine Gemeinde vor. Auf 75 Quadratkilometern leben in Wald-Michelbach und seinen Ortsteilen knapp 11 000 Einwohner. Die Kommune ist durch mittelständisches Gewerbe geprägt, darüber hinaus gibt es noch sechs größere landwirtschaftliche Betriebe. Zwei Drittel der Gemeindefläche sind mit Wald bedeckt, was einen großen Tourismus- und Wirtschaftsfaktor bedeutet. Die Wirtschaftslage ist Weber zufolge mit innovativen Firmen relativ stabil.

Früher – bis zur Insolvenz im Jahr 2005 – war Coronet der Hauptarbeitgeber, so Weber. Inzwischen sind auf dem heutigen Igena-Gelände wieder 150 Arbeitskräfte tätig. Weber bezeichnete Wald-Michelbach als historisch interessante Region: „Die Dörfer gehörten zu Kurmainz, Kurpfalz und zur Grafschaft Erbach. Dadurch gab es drei Konfessionen auf engstem Raum, was in dieser Form eher selten ist.“

Keine klare Trennung

Nach so langer Zeit im Sitzungssaal ging es anschließend mit Theo Reichert nach draußen. Ziel waren die beiden Kirchen in der Wald-Michelbacher Ortsmitte. Der berühmteste Sohn der Gemeinde, Adam Karrillon, der erste Büchner-Preisträger, fand ebenso Erwähnung. Waren die Konfessionen anderswo klar nach Dörfern getrennt, erfuhren die Gäste, dass dies in Wald-Michelbach einst nicht möglich war.

Denn mit Auflösung des Klosters Lorsch im 13. Jahrhundert gingen aufgrund von Verschuldung neun zuvor ans Bistum Mainz verpfändete Höfe in dessen Besitz über, der Rest von Wald-Michelbach an den Heidelberger Kurfürsten. „Im Nachklapp der Reformation wurde die Kurpfalz evangelisch und so trafen im Überwald beide Religionsgemeinschaften direkt aufeinander“, so Reichert. tom/ü

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