Bergstraße

Evangelisches Dekanat Neue Ausstellung widmet sich dem Thema „Verstehen – Vergeben – Versöhnen“

Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg

Bergstraße.Das Evangelische Dekanat Bergstraße eröffnet am Dienstag, 13. August, um 19 Uhr im Heppenheimer Haus der Kirche eine Ausstellung mit Porträts von Zeitzeugen aus der Region Bergstraße, die noch bewusste Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg haben. Der Titel der Ausstellung ist programmatisch zu verstehen: „Verstehen – Vergeben – Versöhnen“.

Dass der Zweite Weltkrieg fast sechs Jahre dauerte, dass er 60 Millionen Menschen das Leben kostete, dass er verbunden war mit dem größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte, dem Holocaust, steht in jedem Geschichtsbuch. Doch wie haben Menschen diesen Krieg erlebt und erlitten, die bei Kriegsbeginn Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene waren? An was können sie sich erinnern? Und was haben ihre Erinnerungen uns heute zu sagen? Die Porträts geben darüber Auskunft.

In der Ausstellung werden insgesamt 16 Zeitzeugen porträtiert. Bei den Menschen, die über ihre persönlichen Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg berichten, handelt es sich vorwiegend um so genannte Kriegskinder der Jahrgänge 1925 bis 1940 und in drei Fällen um junge Erwachsene, die als Soldaten in den Krieg ziehen mussten. Alle haben die Texte vor Veröffentlichung gelesen und autorisiert.

Zeitzeugen von der Bergstraße

Der Zweite Weltkrieg ist lange her – der Beginn jährt sich am 1. September 2019 zum 80. Mal, das Ende 2020 zum 75. Mal. Und doch haben sich die Erlebnisse der Zeitzeugen tief in ihr Gedächtnis eingegraben. Erlebnisse, die sie nie vergessen haben, die sie allenfalls zeitweise verdrängen konnten. „Sie gehören zu den letzten Zeitzeugen, die aus eigener Anschauung wissen, was Krieg bedeutet“, betont der Bergsträßer Dekan Arno Kreh. Zu Wort kommen unter anderem Zeitzeugen, die heute in Lorsch, Bensheim und Gronau leben.

„Als 14-Jähriger gehörte ich zur Feuerwehrhitlergruppe. Wir wurden ins zerbombte Krefeld geschickt. Dort gruben wir mit bloßen Händen nach Verletzten und Toten. Immer wenn ein Kleidungsstück aus den Trümmern hervorschaute, schickten uns die Älteren weg und sagten, wir sollten dahinten weitergraben. Sie wollten uns den Anblick der verkohlten Leichen ersparen“, berichtet der Lorscher Dr. Hubert Hochbruck.

Die 1945 fünf Jahre alte Brigitte Sattler aus Gronau erinnert sich: „Einmal kam ein russischer Soldat und durchsuchte das Haus. Als er meine kleine Schwester sah, fragte er, wie alt sie sei. Meine Mutter antwortete: neun Monate. Da sackte der Soldat in sich zusammen und fing an, zu weinen. Er sagte unter Schluchzen, genauso alt sei sein Kind auch. Und er habe es noch nie gesehen.“

Der aus Schlesien stammende ehemalige Bensheimer Bürgermeister Georg Stolle sagt: „Im Februar 1945 – da war ich sechseinhalb Jahre alt – lag unser Haus genau zwischen den Fronten. Von der einen Seite schoss die deutsche, von der andere Seite die sowjetische Artillerie. Wumm, wumm, wumm – ich habe noch heute die Geräusche der Kanonen im Ohr.“

Es sind 16 Kriegserinnerungen und alle seien wichtig und wertvoll. „Sie sind wichtig, weil sie uns vor Augen führen, wie brutal und wie menschenunwürdig Krieg ist. Sie sind wertvoll, weil sie deutlich machen, dass wir alles dafür tun sollten, dass nie wieder Krieg geführt wird“, schreibt die stellvertretende Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Ulrike Scherf, in einem Grußwort für eine Begleitbroschüre zur Ausstellung. zg

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