Bergstraße

Arbeitsrecht Das Evangelische Dekanat Bergstraße kämpft weiter für den Sonntagsschutz / Gesetz läuft Ende 2019 aus

Es geht um mehr als Konsum

Bergstraße.In die Diskussion um den Sonntagsschutz ist wieder Bewegung gekommen: Trotz mehrerer Gerichtsurteile, die der sonntäglichen Ladenöffnung enge Grenzen setzen, pochen große Warenhäuser und Handelsketten unter dem Motto "Selbstbestimmter Sonntag" weiter auf Verkaufsaktionen. Widerstand dagegen kommt auch aus dem Kreis Bergstraße.

"Dieses Motto ist perfide. Legt es doch nahe, dass diejenigen, die für den Sonntag als Ruhetag eintreten, mündige Bürger nur gängeln wollen", sagt der Bergsträßer Dekan Arno Kreh. "Demgegenüber erscheinen die Sonntagsverkäufer als Verfechter von Freiheit und Selbstbestimmung." Für die Initiative "Selbstbestimmter Sonntag", an der sich unter anderem Kaufhof und Karstadt beteiligen, sind verkaufsoffene Sonntage Teil der Freizeitgestaltung, durch die sich der Konsument frei entfalten könne. "Dahinter steht ein grundverschiedenes Verständnis von Freiheit: Uns geht es nicht um die Freiheit, am Sonntag kaufen und verkaufen zu können. Vielmehr treten wir für die Freiheit ein, am Sonntag einen gemeinsamen Tag mit Familie und Freunden zu haben. Einen freien Tag der Gemeinschaft, Besinnung und Muße", sagt Kreh.

Neue Regelung in NRW

Familien, so der Dekan, nütze es nichts, wenn die Kinder am Sonntag frei haben, der Vater am Montag und die Mutter am Dienstag. "Menschen sind mehr als bloße Konsumenten. Wir brauchen um der Menschen willen einen gemeinsamen freien Tag", fordert der Katholik.

Mit einem weitgehend liberalisierten Sonntagsverkauf wollen die großen Handelsketten dem Online-Handel den Kampf ansagen. "Die Begründung lautet, am Sonntag werde am meisten im Internet bestellt. Wer den Sonntag für den stationären Handel freigeben will, der muss jedoch damit rechnen, dass die Online-Händler irgendwann Waffengleichheit fordern und ihre Laster auch sonntags kreuz und quer durch Hessen schicken wollen", sagt Kreh in Bezug auf das Lkw-Fahrverbot.

In Hessen sind nach geltendem Ladenöffnungsgesetz vier verkaufsoffene Sonntage pro Jahr möglich, allerdings nur zu besonderen Anlässen wie Messen oder Märkten. Dieses Gesetz läuft Ende 2019 aus. Im nächsten Jahr will die Landesregierung deshalb überprüfen, ob es verlängert oder verändert wird. In Nordrhein-Westfalen hat sich die neue CDU/FDP-Koalition inzwischen darauf verständigt, statt vier künftig acht verkaufsoffene Sonntage im Jahr zu ermöglichen.

An der Bergstraße hat sich bereits vor geraumer Zeit die "Allianz für den freien Sonntag" gegründet. Ein Gründungsmitglied ist das Evangelische Dekanat. "Die Zahl derjenigen, die sonntags und am Wochenende arbeiten müssen, steigt stetig. Die Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft, die immer weniger verlässliche gemeinsame freie Zeiten für Familie, Freunde und Freizeitgestaltung kennt, wird durch eine starke Zunahme von Samstags-, Abend- und Nachtarbeit begleitet", heißt es in der Gründungserklärung. Dieser Entwicklung will die Allianz entgegenwirken und sich für den gemeinsamen freien Sonntag einsetzen. Es gehe darum, den Rhythmus zwischen Arbeit und Ruhe zu erhalten und den Menschen in den Mittelpunkt wirtschaftlichen Handelns zu stellen. red

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