Bergstraße

Corona-Beschränkungen

Es geht um unsere Gesundheit und um unser Leben

„Die Schwächsten werden diskriminiert“, Leserforum vom 13.11.

Die Argumentation des Beitrags klingt wie eine Blaupause für Trumpisten, Querdenker und Hetzer: Die Meinung Einzelner oder einer sehr kleinen Minderheit wird als alleinige Wahrheit hingestellt. In meinen Augen ist das nur eines: Diktatur.

Und trotzdem: Ja, im Kern ist die dargestellte Sachlage richtig. Ich habe großes Verständnis dafür, wenn jemand aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen darf. Auch wenn das nicht unbedingt immer die „Schwächsten“ sind. Sie brauchen unseren besonderen Schutz.

Und ich kenne betroffene Menschen, die sich ihr Leben so einrichten, dass sie die Maske gar nicht oder nur kurzfristig brauchen. Es geht schließlich auch für diese nicht nur ums Wohlbefinden, sondern um ihre Gesundheit und ihr Leben, das sie sich ohne Maske gefährden. Am Rande fallen mir da auch dauerbeatmete Kinder und Erwachsene ein; die empfinden die Maske auch doof. Aber es geht um ihr Leben – um sonst nichts.

Schüler vor Chaoten schützen

Und da sind noch unsere Mitmenschen, die in wesentlich höherem Maße „die Schwächsten“ sind: unsere Kinder und Schüler. Die müssen wir schützen vor den Chaoten unter den quer Denkenden. Die stellen sich vor die Schulen, kreisen einzelne Schüler ein und brüllen: „Maske ab! Maske ab!“ Oder sie verbreiten Angst mit verlogenen Geschichten von gestorbenen Kindern. Das erlebe ich als Missbrauch der Macht von Erwachsenen über Kinder. Und das kennen wir ja schon aus den späten 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts: Wer am lautesten Blödsinn brüllt, hat Recht! Wer am effektivsten zuschlagen kann (so geschehen in Leipzig) nimmt das Recht für sich in Anspruch.

Und das habe ich persönlich so schon mehrfach (etwa in der Straßenbahn in Darmstadt oder in der Fußgängerzone) erfahren. Darauf habe ich gar keine Lust. Und das macht mir Angst. Angst um mich, meine Gesundheit und mein Leben. Gefährdet werden Gesundheit und Leben von denen, die die von der Leserbriefschreiberin beschworene Solidarität gegenüber „Schwächeren“ nicht mitbringen.

Und in Bezug auf Solidarität: Ich kaufe, obwohl ich in mehrfacher Hinsicht zu den Risikogruppen gehöre, für noch ältere Menschen meiner Umgebung ein, damit die nicht das Risiko haben müssen, solchen Chaoten zu begegnen. Und ich lebe ansonsten seit Mitte März in Teil-Quarantäne: Urlaub kostenpflichtig abgesagt, keine Besuche, keine Restaurants, Einkaufen nur schnell in Zeiten mit wenig Publikum. Das schränkt mein Leben sehr ein, aber es geht um meine Gesundheit, um mein Leben und das der Menschen in meiner Umgebung. Es geht um nichts weiter, als um unser Leben.

So wie meine Mutter von den Bombennächten 1945 berichtete: tagelang mit 20 Personen im zehn Quadratmeter großen Keller ohne Licht eingesperrt. Da ging es nicht mehr um das Überleben, als wir das jetzt erleben.

Maximilian Schneider

Auerbach

Leserbrief-Richtlinien online: www.bergstraesser-anzeiger.de/leserforum

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel