Bergstraße

Musik Die Bensheimer Opernsängerin Deborah Sasson im BA-Interview / Demnächst ist sie im Musical „Das Phantom der Oper“ zu sehen

Fitness als Antwort auf Tournee-Stress

Archivartikel

Bergstraße.Mit Krafttraining und Yoga bereitet sich die Opernsängerin Deborah Sasson auf ihre Auftritte als weibliche Hauptfigur Christine bei dem Musical „Das Phantom der Oper“ vor, dass sie zusammen mit Jochen Sauter inszeniert hat (Samstag, 6. Januar, Darmstadtium Darmstadt; Freitag, 19. Januar, Jahrhunderthalle Frankfurt). Der Bergsträßer Anzeiger sprach mit der Wahl-Bensheimerin im Fitnessstudio Pfitzenmeier.

Frau Sasson, Fitness und Oper – wie passt das für Sie zusammen?

Deborah Sasson: Mein Motto ist „Muskeln klingen gut“. Ich trainiere jeden Tag, hauptsächlich mit Gewichten und Cardio. Axel Olzinger, der in dem Musical das Phantom spielt, ist einer der führenden Yoga-Lehrer in Deutschland. Bei ihm mache ich jetzt meine ersten Yogastunden. Wir stehen jetzt seit zehn Jahren regelmäßig zusammen auf der Bühne. Da hat man oft darüber diskutiert, ob nun Fitness oder Yoga besser ist. Nun probiere ich es einfach mal aus.

Was erhoffen Sie sich von der Yoga-Vorbereitung für ihren Auftritt?

Sasson: Ich hoffe, dadurch ein bisschen gelenkiger zu werden. Das ist ein wenig meine Schwäche.

Wie wichtig sind die Trainingseinheiten für Ihre Auftritte?

Sasson: Sehr wichtig. Man bekommt dadurch sehr viel Kraft, die man auf die Bühne mitnehmen kann. Wir haben derzeit eine Tournee in 65 Städten über die nächsten drei Monate. Das ist natürlich mit Stress verbunden. Fitness ist meine Antwort darauf. Ich kann dann loslassen und meine Gedanken frei machen. Ich bin klassische Opernsängerin. Früher hieß es, dass eine gute Sängerin auch etwas Gewicht haben muss. Dass geht aber nicht nur durch Fett, sondern auch über Muskeln. Seit ich die Workouts mache, habe ich fast zehn Kilogramm zugenommen, aber immer noch dieselbe Kleidergröße.

Sie leben seit 15 Jahren in Bensheim. Was sind für Sie die Vorzüge der Bergstraße?

Sasson: Wir haben hier – nach Freiburg – das beste Wetter in Deutschland. Für mich ist zudem wichtig, dass ein großer Flughafen in der Nähe ist. Es ist aber auch die Schönheit der Landschaft. Direkt hinter meinem Haus beginnt der Odenwald. Früher habe ich in der Nähe von Bayreuth gewohnt. Als ich an einer CD in Frankfurt gearbeitet habe, bin ich einmal an einem freien Tag etwas herum gefahren. Das war im März. Als ich damals an die Bergstraße kam, hat hier alles geblüht. Das werde ich nie vergessen.

Ist die Bergstraße auch von der Struktur her eine gute Region für Kulturschaffende?

Sasson: Auf jeden Fall. Wir proben hier zurzeit für mehrere Shows und bekommen dabei viel Unterstützung von den Bürgermeistern der Bergsträßer Städte. Das ist uns auch sehr wichtig. Für „Das Phantom der Oper“ etwa proben wir im Bürgerhaus in Bensheim, oder in Lorsch für die „Andrew Lloyd Webber Gala“. Das ist uns auch sehr wichtig. Zudem gebe ich hier ja auch Konzerte, unter anderem im Parktheater in Bensheim.

Wo spielen Sie denn lieber? Auf einer kleinen Bühne in einer kleinen Stadt oder auf einer großen Bühne in einer Metropole?

Sasson: Ich würde sagen, dass es auf einer großen Bühne zumindest einfacher ist, es ist anonymer. Im Parktheater sieht man eher die Gesichter der Leute. Das kann auch ablenken. Anderseits kann es sehr angenehm sein, auch die Reaktionen zu sehen. Von einer großen Bühne aus blickt man eher in ein schwarzes Loch.

Was reizt sie am Stoff von „Das Phantom der Oper“?

Sasson: Das Buch von Gaston Leroux habe ich schon als Zwölfjährige gelesen und es geliebt, es war mit ein Grund, warum ich Opernsängerin werden wollte. Es hat mir sehr viel Information über die Pariser Oper gegeben, an der ich später auch gespielt habe. Ich war auch fasziniert von der Geschichte.

Das Musical, das sie in Frankfurt aufführen, orientiert sich nicht an der bekannten Version von Andrew Lloyd Webber. Warum haben Sie das Stück neu interpretiert?

Sasson: Bei Webbers Fassung fließt nicht sehr viel von der Handlung des ursprünglichen Buchs mit ein. Wir versuchen, uns enger daran zu halten. Ich hatte 2011 die Idee, es zum 100-jährigen Geburtstag des Romans neu auf die Bühne zu bringen. Theater lebt von neuen Ideen.

Gibt es eine Szene in dem Stück, die für Sie besonders anspruchsvoll ist?

Sasson: Die Szene, bei der ich dem Phantom die Maske herunterziehe, es in Rage gerät und mich wegstößt, ist schon körperlich anstrengend. Ansonsten ist es an sich eine Herausforderung, bei einer Tournee nach einer langen Fahrt auf der Bühne zu stehen. Aber dafür trainiere ich ja.

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