Bergstraße

Schwarzwild Jagdgemeinschaft will wachsender Population mit gezieltem Jungtierbeschuss Herr werden / Sorge vor Schweinepest

Frischlinge im Ried auf der Abschussliste

Archivartikel

Bergstraße.Im Ried gibt es immer mehr Wildschweine. Die Jägerschaft versucht seit Jahren vergeblich, der immer größer werdenden Population Herr zu werden. Auf der diesjährigen Versammlung des Schwarzwildrings Südliches Ried forderte Leiter Günther Preuß nun nicht die reine Erhöhung der Abschusszahlen, sondern vielmehr eine strategische Jagd auf weibliche Jungtiere. Im Restaurant „El Greco“ blickte die Jagdgemeinschaft auf ihr 40-jähriges Bestehen und die Entwicklung des hiesigen Schwarzwilds zurück.

Wildschäden und Unfälle

Die große Population bringe viele Probleme mit sich. „Große Wildschäden in der Landwirtschaft, Verkehrsunfälle und das Eindringen in besiedelte Gebiete“, zählte Preuß auf. Dabei betonte das Gründungsmitglied: „Nur wir Jäger können Einfluss auf die Population nehmen“. Jäger wie den Wolf werde es auch künftig gar nicht oder nicht in ausreichender Zahl geben. Weil man aber schon rund um die Uhr jage, rückt nun eine gezieltere Bejagung in den Fokus.

„Weibliche Frischlinge und Bachen machen 80 Prozent des Gesamtzuwachses aus“, erklärte der Jäger. Nur durch starkes Eingreifen in die Jugendklassen könne man die Gesamtanzahl der Tiere reduzieren. Denn bei einer Reproduktionsrate von jährlich zwei Tieren komme ein weibliches Tier in acht Jahren auf insgesamt fast 500 Nachkommen. Andere Strategien könnten dagegen eher zum Zusammenbruch der Sozialstruktur und infolgedessen sogar zu einer erhöhten Reproduktion führen. „Schwarzwild funktioniert anders, das haben Versuche gezeigt“, so Preuß.

Ein Hauptgrund für die gewünschte Dezimierung ist auch die Afrikanische Schweinepest. Jüngste Fälle in Belgien hätten erneut gezeigt: „Die Pest ist auch in Deutschland möglich“.

Die von der Politik geforderte Quote einer 70-prozentigen Populationsdezimierung „wird in diesem Zusammenhang aber nichts bringen“, glaubt der Hegeleiter. Betrachte man die Rahmenbedingungen bei der Gründung des Rings vor 40 Jahren, sei die heutige Situation ein Paradoxon.

Paradoxe Situation

Schwarzwild habe es zwar schon immer im Ried gegeben, allerdings in deutlich geringeren Zahlen. Bei der Gründung lag die Abschusszahl bei knapp über 50 Tieren. 2018 waren es 1457 – Tendenz steigend. In 40 Jahren Schwarzwildring wurden so fast 25 000 Wildschweine erlegt.

Damals hatte der Ring mit seiner 7000 Hektar großen Waldfläche noch die Anhebung des Wildgewichts und der Population zum Ziel. Die damals eingeführte Jagdruhe vom 1. Februar bis zum 15. Juni hat noch heute Bestand.

Auch Gewichtsvorgaben wurden gemacht. Gleichzeitig haben sich die Umweltbedingungen für Schwarzwild verbessert: Milde Winter, häufige Mastjahre und verstärkter Maisanbau. Weil Jäger teilweise noch tonnenweise Futter in den Wald ausgefahren haben, ist die Population explodiert.

Eine Änderung ist kaum in Sicht. „Hefe bedeutet im Fall des Schwarzwild deshalb: Wir müssen jagen! Aber“, betonte Preuß, „biologisch richtig und tierschutzgerecht“. /sm

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