Bergstraße

Lighthouse-Affäre I Der Streit um die Schäden in dem als Flüchtlingsunterkunft genutzten früheren Hotel in Bensheim geht in die nächste Runde

Früherer Kreis-Mitarbeiter äußert sich

Bergstraße.Die Fronten im Konflikt um Vandalismusschäden in der früheren Flüchtlingsunterkunft im alten Bensheimer Lighthouse-Hotel bleiben verhärtet. Daran ändert auch die Ankündigung aus dem Landratsamt von vor zwei Wochen nichts, es könne eine Lösung geben, wenn die Versicherung zahlt.

Für sie sei die Sache erst erledigt, wenn die Kreisspitze ihre Fehler einräume und sich öffentlich entschuldige. Das haben Nicolai Streit, Geschäftsführer des Unternehmens Craft Berry, das das Hotel von November 2015 bis Dezember 2016 an den Kreis Bergstraße vermietet hatte, und sein Vater Jürgen Streit, der Eigentümer der Immobilie, im Gespräch mit dieser Zeitung deutlich gemacht.

Vorwürfe zurückgewiesen

Erstmals äußerte sich der frühere Mitarbeiter des Jugendamts, der in dieser Funktion im Januar 2017 die Zahlung von 206 000 Euro an Craft Berry gegengezeichnet hatte. Die Verwaltungsleitung des Kreises wirft ihm weiterhin vor, die Zahlung unbefugt veranlasst zu haben, zumal die beauftragte Versicherung nur von einem Sachschaden von 20 000 Euro ausgeht. Dabei bleibt sie ebenso wie das Landratsamt. Die Zahlung von weiteren 130 000 Euro laufe unter die Kategorie „Vermögenseigenschadenversicherung“ und werde fällig, weil dem Kreis „Schäden durch fahrlässige oder vorsätzliche Verstöße von Mitarbeitern gegen Dienstpflichten entstanden sind“, hieß es vor gut zwei Wochen in einer Pressemitteilung. Zuvor war dem Mitarbeiter die Überschreitung von Kompetenzen und sogar Untreue unterstellt worden.

Der Ex-Verwaltungsmitarbeiter versichert aber, er habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Richtig sei zwar, dass er die Zahlung abgezeichnet habe. „Ich habe aber den Dienstweg eingehalten“, sagt er. Bereits Ende 2016 habe sich sein Fachbereich an die Versicherung und das für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge zuständige Regierungspräsidium Kassel gewandt. Er habe auch angeregt, das Sicherheitsunternehmen und die Betreuer, die für das Lighthouse verantwortlich waren, in Regress zu nehmen. Dazu sei es jedoch nie gekommen.

„Dezernatsleitung war informiert“

In die Regulierung des Schadens seien mehrere Mitarbeiter und Leitungskräfte des Jugendamts involviert gewesen, ebenso wie der Leiter des Jugendamts. Finanz- und die Rechtsabteilung seien eingeschaltet worden. Die Darstellung aus dem Landratsamt, die Leitung des zuständigen Dezernats sei nicht informiert worden, stimme nicht. Zumal diese auch unmittelbar nach der Zahlung habe einschreiten können. „Wir wurden aber erst ein halbes Jahr später, im Juli 2017, dazu aufgefordert, 186 000 Euro zurückzuzahlen“, sagt dazu Nicolai Streit.

Der Konflikt um das Lighthouse-Hotel wirkt brisant, weil der Mitarbeiter kurz nach der Zahlung beim Kreis kündigte und bald darauf eine Stelle bei einem Unternehmen antrat, das ebenso wie Craft Berry mit der Familie Streit zusammenhängt. Sein Arbeitgeberwechsel sei im Januar 2017 aber noch gar kein Thema gewesen, sagt der.

Hoffnung auf Beförderung

Zu jener Zeit habe er bereits seit Jahren übergangsweise Leitungsaufgaben im Jugendamt übernommen, da eine Führungsposition über längere Zeit nicht besetzt gewesen sei. Er sei auch nach der Zahlung noch ausdrücklich dafür gelobt worden und habe sich Hoffnungen auf eine Beförderung auf die vakante Stelle gemacht, bis diese im Februar überraschend mit einem Mitarbeiter aus einem anderen Amt der Kreisverwaltung besetzt worden sei. Das habe für ihn eine grundlose Rückstufung bedeutet, weswegen er Kontakt mit einem Rechtsanwalt aufgenommen habe. Dieser habe ihm gute Chancen auf dem Rechtsweg eingeräumt. Er habe sich aber gegen juristische Schritte entschieden, im März gekündigt und im Juli seine neue Stelle angetreten.

Von einem Fehlverhalten sei bis dato keine Rede gewesen. „Niemand hat mich in der Zwischenzeit auf irgendeinen Fehler aufmerksam gemacht“, beteuert der frühere Verwaltungsmitarbeiter. Dies sei erst im Herbst geschehen, als der Sachverhalt an die Öffentlichkeit gelangte. Im Januar 2018 sei ihm dann die schriftliche Forderung, 206 000 Euro zurückzuzahlen, ins Haus geflattert. Man habe wohl im Nachhinein etwas an der Zahlung auszusetzen, einen Sündenbock gesucht und in ihm gefunden, mutmaßen er und die Streits. Die Vorwürfe, mit denen er seitdem konfrontiert wird, belasteten ihn und seine Familie schwer.

Vergleich mit Kreis Bergstraße

Zu der Zeit, als er noch für den Kreis arbeitete, sei es ihm darum gegangen, die Kosten für seien Dienstherrn niedrig zu halten, blickt der Ex-Mitarbeiter zurück. Craft Berry hatte mehrfach betont, dass auch ein Vermögensschaden entstanden sei, weil das Lighthouse-Hotel nach dem Auszug der Flüchtlinge zunächst nicht genutzt werden konnte.

Deshalb sei ein Vergleich mit dem Kreis abgeschlossen worden, sagt Nicolai Streit. Das Unternehmen habe sich bereiterklärt, auf einen Ausgleich für den Vermögensschaden zu verzichten und nur den Sachschaden geltend gemacht. „Wir haben die 206 000 Euro gezahlt, um zu vermeiden, dass der Kreis auch noch für drei Monate Ausfallmiete zahlen muss“, sagt der frühere Verwaltungsangestellte. Das Landratsamt hatte Ende 2017 mitgeteilt, eine derartige Vereinbarung „nicht abgeschlossen“ zu haben.

Wegen der Vorwürfe hat der Mitarbeiter Anfang 2018 Anzeige wegen Verleumdung gegen drei Personen, die zur Kreisspitze gehören oder für sie arbeiten, erstattet. Von der Staatsanwaltschaft Darmstadt heißt es, die Ermittlungen dauerten noch an. „Es werden noch Stellungnahmen der Beteiligten abgewartet. Mit einem Verfahrensabschluss kann wohl erst Anfang des nächsten Jahres gerechnet werden“, sagt ein Sprecher. Um der Verleumdungsklage nachzugehen, prüft die Justiz auch, ob die Vorwürfe gegen den Mitarbeiter berechtigt sind.

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