Bergstraße

Zweiter Weltkrieg Das Evangelische Dekanat Bergstraße hatte zur Mahnung an den 80. Jahrestag des Kriegsbeginns eingeladen

Gedenkgottesdienst für Verständigung und Versöhnung

Archivartikel

Bergstraße.Mit einem Gedenkgottesdienst in der Heppenheimer Christuskirche haben das Evangelische Dekanat Bergstraße und die Christuskirchengemeinde an den Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren erinnert.

Der Überfall auf Polen hatte mit einer Lüge begonnen. Dekan Arno Kreh zitierte aus Hitlers Reichstagsrede vom 1. September 1939 den Satz „Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen“. Dieser Angriff hatte am Ende millionenfach Tod und Verderben zur Folge. „Nie zuvor war die Zivilbevölkerung von einem Krieg so stark betroffen“, betonte der Dekan in seiner Predigt und erinnerte daran, dass mehr als die Hälfte der 60 Millionen Kriegstoten Zivilisten waren.

Das Wissen um den Krieg und seine Folgen sei eine Verpflichtung aktiv für den Frieden und für Versöhnung einzutreten. Dekan Kreh würdigte in diesem Zusammenhang den Besuch von Bundespräsident Steinmeier in Polen, bei dem er um Vergebung für den deutschen Vernichtungskrieg bat.

Die Erinnerungskultur hat sich nach Ansicht des Bergsträßer Dekans gewandelt. In den 1950er Jahren seien Kriegsbeginn und Kriegsschuld kein großes Thema in der Öffentlichkeit gewesen. Das habe sich mit den Auschwitz-Prozessen und der Studentenbewegung in den 1960er Jahren geändert. Seit den Siebzigern werde der 9. November als Gedenktag an die Reichspogromnacht ernst genommen. Seit den 1990er Jahren werde mit Stolpersteinen an die vertriebenen und ermordeten Juden erinnert. „Die deutsche Gesellschaft hat sich ihrer Geschichte gestellt. Das bleibt weiterhin wichtig“, sagte Arno Kreh.

Erst seit 2000 werde nach den Erlebnissen der sogenannten Kriegskinder gefragt. Über ihre Kriegserinnerungen zu sprechen sei für sie persönlich bedeutsam, aber auch für das Gedächtnis der Gesellschaft. „Geschichte zu verstehen, kann uns für die Gegenwart helfen“, meinte der Dekan, der seine Predigt mit einem Vers aus dem Lukas-Evangelium schloss: „Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.“

Ausstellung eröffnet

Mit dem Gottesdienst wurde in der Christuskirche zugleich die vom Evangelischen Dekanat konzipierte Ausstellung „Verstehen – Vergeben –Versöhnen“ eröffnet. Auf großformatigen Plakaten kommen Zeitzeugen aus der Region Bergstraße zu Wort, die den Krieg als Kinder oder Jugendliche erlebt hatten. In drei Fällen handelt es sich um junge Männer, die als Soldaten in den Krieg ziehen mussten.

Der Pfarrer der Christuskirchengemeinde, Dominik Kanka, der im Gottesdienst Gebete und Fürbitten gegen den Krieg und für den Frieden gesprochen hatte, teilte mit, dass die Kollekte des Gottesdienstes für den Verein „Zeichen der Hoffnung – Znaki Nadziei e. V.“ bestimmt ist. Diese Initiative engagiert sich für deutsch-polnische Verständigung und leistet ehemaligen Häftlingen der Konzentrationslager in Polen materielle und immaterielle Hilfe. /sm

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