Bergstraße

Straßenverkehr Anwohner an der innerörtlichen B 44 in Lampertheim leiden unter Rasern und nächtlichen Lastwagenlärm

Genervt von brüllenden Motoren auf der „Stadtautobahn“

Archivartikel

Bergstraße.Sie sind genervt. Wütend. Und enttäuscht. Seit Beginn der 1980er Jahre wohnen die beiden Lampertheimer direkt an einer vierspurigen Ortsdurchfahrt. An einer Straße, auf der die Autokolonnen tagsüber nicht abreißen. Und auf der in der Nacht schwere Lastwagen an den Häusern vorbei brausen. Weder Nachtfahrverbot noch Radaranlagen konnten die Raser bisher bremsen. Wie auch, wenn die beiden Radarkästen auf beiden Seiten der B 44 gar nicht mehr funktionieren. Und auch die Einhaltung des Nachtfahrverbots nicht kontrolliert wird. Deshalb sind Erwin Schäfer und Manfred Zielonka sauer. Regelrecht aufgebracht. Im Gespräch mit dieser Zeitung lassen sie ihrer Wut und Enttäuschung freien Lauf. Vor allem darüber, dass sich Behörden weder auf kommunaler noch auf Landesebene bislang um die Verhältnisse auf ihrer „Stadtautobahn“ gekümmert hätten.

Ärger über „optische Bremse“

Als zynisch haben sie etwa auch empfunden, dass die funktionslosen Radarkästen von Bürgermeister Gottfried Störmer als „optische Bremse“ bezeichnet wurden. Offensichtlich wüssten die Verantwortlichen dieser Stadt nicht, „was da tagtäglich abgeht, vor allem aber auch nachts“, sagen Schäfer und Zielonka im Gespräch mit dieser Zeitung. Was auf der B 44 „abgeht“, ist laut Darstellung der beiden Anwohner Folgendes: Autoraser, die mit quietschenden Reifen aus Ampelkreuzungen auf die Straße preschen und, oftmals mit brüllenden Motoren, über die Piste rasen. Die Tempo-50-Regelung sei für viele Fahrer „uninteressant“. Schwere Lastwagen, die sich in der Nacht Rennen lieferten, brächten die Anwohner nicht selten um ihren Schlaf.

Wenn der Kanaldeckel klappert

Vor einem der Häuser liegt ein Kanaldeckel: Wenn da zu später Stunde die Lastwagen darüber fahren, schreckt der 67-jährige Erwin Schäfer vom lauten Klappern regelmäßig hoch. Und Manfred Zielonka kann nicht verstehen, dass zwischen Groß-Gerau und Mannheim-Sandhofen nicht eine einzige Mautsäule steht, die den Lkw-Verkehr kontrolliert. Anwohner der Wormser Straße in Lampertheim seien im Übrigen ebenso von der hohen Verkehrsbelastung betroffen, wissen die beiden B 44-Anwohner aus erster Hand.

Wie oft sie schon in der Stadtverwaltung angerufen und um Abhilfe gebeten haben, wissen Schäfer und Zielonka nicht mehr. Sie fühlen sich inzwischen von den Behörden „verarscht“. Der 62-jährige Zielonka bezeichnet sich als herzkrank. Sein Arzt habe ihm geraten: „Ziehen Sie weg.“ Doch wie schwierig das ist, wenn man schon Jahrzehnte im eigenen Haus wohnt, bestätigt auch Erwin Schäfer. Kein Mensch hätte sich Anfang der 1980er Jahre vorstellen können, welche Verkehrsströme sich dereinst über die B 44 wälzen würden.

Die Straßenbaubehörde Hessen Mobil sei für die Situation auf der innerörtlichen Straße nicht zuständig, sagt Regionalbevollmächtigter Andreas Moritz. Die Verkehrskontrolle und der Radarbetrieb obliege der Kommune. Dies gelte auch für die Kontrolle des Nachtfahrverbots für Lastwagen.

Kein vordringlicher Bedarf

Eine Umgehungsstraße stehe zwar im Bundesverkehrswegeplan, aber lediglich im weiteren Bedarf. Erst wenn das hessische Verkehrsministerium vordringlichen Bedarf anmelde, könne die Straße Projektreife erlangen. Dies aber nicht mehr in dem bis zum Jahr 2030 geltenden Verkehrswegeplan, wie Moritz betont. Hessen Mobil zähle alle fünf Jahre den Verkehr an den Bundesstraßen und Autobahnen. Das nächste Mal wieder in diesem Jahr. Moritz hat aber keine Anzeichen, dass die Zahlen an der innerörtlichen B 44 in den vergangenen Jahren signifikant gestiegen seien. Er verweist aber auf den im November neu aufgelegten Lärmaktionsplan des Regierungspräsidiums, an dem sich die Bürger beteiligen könnten.

Das bestätigt der Leiter des Lampertheimer Ordnungsamtes, Uwe Becher, auf Anfrage. Die Bürger seien aufgefordert, im Rahmen des Lärmaktionsplans Anregungen zu geben oder Beschwerden über Verkehrsverhältnisse einzureichen.

Durchfahrtverbot in Prüfung

Laut Uwe Becher hat die Lampertheimer Verwaltung ein generelles Durchfahrverbot auf der städtischen B 44 für Lastwagen mit einem Gewicht über zwölf Tonnen gefordert. Der Antrag werde vom Regierungspräsidium wie vom Kreis Bergstraße geprüft. Becher rechnet sich Chancen aus, sei Lampertheim doch die einzige Stadt im Regierungsbezirk, die über keine Umgehungsstraße verfüge.

Parallel dazu seien Überlegungen im Gang, den Verkehr auf der B 44 durch eine effiziente Technik zu überwachen – so dass Kontrollen nicht nur temporär für eine Entlastung sorgten.

Was die beiden funktionslosen Radarkästen auf beiden Seiten der Straße betrifft, so beruft sich Becher auf Aussagen der Genehmigungsbehörde, der Polizeiakademie: Diese habe die Standorte nicht für erforderlich erklärt, weil es keine erhöhte Gefährdung für Menschen gebe. Die Anlagen blieben aber dennoch stehen, um ihre Abschreckungsfunktion zu nutzen, meint Ordnungsamtsleiter Becher. /sm

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