Bergstraße

Bildung Bei der Veranstaltung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Frankfurt waren auch Bergsträßer Vertreter dabei

GEW demonstriert für Chancengleichheit

Bergstraße.Zu einer Demonstration unter dem Motto „Bildung braucht bessere Bedingungen“ hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) jetzt in Frankfurt aufgerufen. Einige Tausend Lehrkräfte, aber auch Schüler, Studenten, Vertreter der Oppositionsparteien im Landtag und Eltern reihten sich in den Zug vom DGB-Haus bis zur Alten Oper ein. Auch der GEW-Kreisverband Bergstraße verlieh seinem Protest mit etlichen Teilnehmern Ausdruck.

„In Deutschland ist Bildung weiterhin stark von den finanziellen Möglichkeiten des Elternhauses abhängig, was durch unabhängige Studien mehrfach bestätigt wurde“, so die GEW. Mit Chancengleichheit habe dies nichts zu tun. Für die Vorsitzende des hessischen Landesverbands, Maike Wiedwald, ist der Abbau von Bildungshürden deshalb eines der wichtigsten Anliegen. „Tatsächlich gleiche Bildungschancen für alle: Das versteht man unter Generationengerechtigkeit“, sagte sie bei der Abschlusskundgebung in Frankfurt.

GEW-Kreisvorsitzender Holger Giebel war mit der Resonanz insgesamt zufrieden, bedauerte aber, dass viele ihrem Unmut nicht auch Aktionen folgen lassen: „Eine große Anzahl von Kollegen beschwert sich völlig zurecht über die gegebenen Bedingungen. Doch wenn es darauf ankommt, den Protest nach außen zu tragen, um deutlich zu machen, dass die Realität nichts mit den vom Kultusministerium verbreiteten Märchen vom Bildungswunderland zu tun hat, üben sich noch zu viele in Zurückhaltung“, sagte er.

Der Landeshaushalt weise genügend Geld auf, um ein klares Signal für die Bildung zu setzen, sagte Maike Wiedwald. „Doch getan hat sich bislang nichts. Stattdessen wird Kultusminister Alexander Lorz nicht müde, zu betonen, dass Hessen hervorragend aufgestellt sei. In den Hochglanzbroschüren ist alles toll, und die Digitalisierung wird alles noch toller machen. Doch wir Fachleute wissen, wie die Realität ist. Die Darstellung des Kultusministers ist und bleibt ein Sommermärchen“, so die GEW-Landesvorsitzende.

Lehrkräfte am Limit seien inzwischen Alltag – aus über 200 Kollegien lägen bereits Überlastungsanzeigen vor. Vom Kultusministerium habe es dafür allerdings noch nicht einmal eine Eingangsbestätigung gegeben, so Wiedwald weiter. „Lehrkräfte müssen entlastet werden. Eine deutliche Reduzierung der Pflichtstunden und kleinere Klassen sind notwendig. Stattdessen ist die Anzahl der Pflichtstunden in Hessen höher als vor 100 Jahren.“

„Eine Bankrotterklärung“

Auch der bauliche Zustand vieler Schulgebäude in Hessen sei erschreckend: „Dass in diesem Jahr bereits zwei Schulen wegen Einsturzgefahr geschlossen werden mussten, ist eine Bankrotterklärung. Es ist die Aufgabe des Landes, dafür zu sorgen, dass die Kommunen genügend finanzielle Mittel haben, damit es gar nicht erst zu solchen Vorfällen kommt“, so Wiedwald.

Korhan Ekinci, Vorsitzender des Landeselternbeirats, kritisierte, dass Lehrerstellen aus der Not heraus mit Personen besetzt würden, die teilweise das Erste Staatsexamen nicht vorweisen könnten. „Es wird zu wenig ausgebildet. Entsprechende Kapazitäten müssen geschaffen werden.“ Emely Dilchert (Landesschülervertretung) verdeutlichte, dass die gegebenen Bedingungen auch für die Schülerschaft schwer erträglich seien: „Es herrschen Arbeitsbedingungen für die Lehrkräfte, unter denen wir nicht unterrichtet werden wollen.“ Auch kritisierte sie die zunehmende Ausrichtung der Bildung im wirtschaftlichen Sinne. zg

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