Bergstraße

Aktionstag Vom Entbindungspfleger bis hin zur Bauarbeiterin gibt es nichts, was es nicht gibt beim Boys&Girls’ Day 2020

Girls’ Day: Mädchen schnuppern in typische Männerberufe hinein

Archivartikel

Bergstraße. .Heutzutage sollte es keine typischen Mädchen- beziehungsweise Jungsberufe mehr geben. Trotzdem sind noch immer einige Berufsfelder eher mit dem einen Geschlecht besetzt als mit dem anderen. So kommt es auch häufiger vor, dass sich Kinder im Kindergarten einen männlichen Erzieher genauso wenig vorstellen können wie viele Auszubildende sich eine weibliche Kfz-Mechatronikerin.

Erste Einblicke

Dies ist bis heute der Fall – die für die jeweiligen Geschlechter typischen Berufe sind schwer aus den Köpfen herauszubekommen. Eine nicht unwesentliche Rolle dabei spielt auch die Werbung: Während in Spots für Puppen fast nur Mädchen zu sehen sind, wird bei Spielzeugautos meist ein Junge gezeigt. Dieses sogenannte „Gender-Marketing“ beeinflusst nicht nur die frühe Jugend des Kindes, sondern auch seinen gesamten Charakter. So ist es kein Wunder, dass sich eine Frau, die in ihrer Kindheit vielleicht lieber mit Puppen als mit Autos gespielt hat, eher in dem Berufsfeld einer Vorschul- oder Grundschulpädagogin sehen wird, als ein Junge, der lieber mit Rennwagen und Spielzeugpistolen gespielt hat.

Aber gerade, um diese dadurch aufkommenden Lücken zu schließen, gibt es in Deutschland seit 2001 den offiziellen „Girls’ Day“ für Schülerinnen. Dieser verfolgt die Absicht, dass an diesem Tag, der alljährlich im Frühling – in diesem Jahr am 26. März (einem Donnerstag) – stattfindet, Mädchen in für Männer typische, meist industrielle oder naturwissenschaftliche Berufe eintauchen. So bekommen junge Erwachsene einen ersten Einblick in das Berufsleben.

Als Gegenstück zum „Girls’ Day“ gibt es seit 2011 auch den sogenannten „Boys’ Day“. Dieser soll die bis dahin in diesem Fall benachteiligten männlichen Schüler in eher für Frauen typische Berufe eintauchen lassen. Und vom Entbindungspfleger bis hin zur Bauarbeiterin gibt es nichts, was es nicht gibt bei dem vielfältigen Berufsschnupperangebot.

Mögliche Auszubildende

Ob das Angebot von den Jugendlichen genutzt wird, ist ihnen selbst überlassen. Die genaue Planung, ob die nicht teilnehmenden Schüler den normalen Schulunterricht besuchen müssen, steht den jeweiligen Schulen frei.

Was klar ist: Jeder Schüler und jeder Schülerin hat das Recht, an diesem Tag einen Beruf auszuprobieren. Zahlreiche Unternehmen bieten Stellen für solche Schnuppertage an. Auch teilweise aus dem Grund, mögliche zukünftige Auszubildende zu entdecken. Somit profitieren beide Seiten von solch einem Tag.

Entsprechend offensiv werben manche Girls’-Day-Anbieter um Schülerinnen – wie zum Beispiel das Regierungspräsidium (RP) in Darmstadt: „Wer hat Lust, einmal eine Straßenbahn-Baustelle zu besichtigen oder zu messen, wie viel Wasser eigentlich unsere Flüsse so runterfließt? Oder aber Produkte auf ihre Sicherheit für die Verbraucherinnen und Verbraucher zu überprüfen? Eine Chemieanlage in einem Industriepark zu besichtigen? Oder Windräder zur Stromerzeugung hautnah vor Ort zu erleben?“, fragt die Behörde in ihrem Aufruf, sich für den Girls’ Day anzumelden. „Denn diese und weitere spannende Aufgaben, die am Mädchen-Zukunftstag zu erleben sind, gehören zu den Tätigkeiten, die im RP bereits heute „frauentypisch“ sind – gute Perspektiven also für Mädchen, die einmal in einem entsprechenden Beruf arbeiten wollen“, heißt es in dem Aufruf weiter.

Da das RP nicht nur in Darmstadt, sondern auch in Frankfurt und Wiesbaden vertreten ist, bietet die Landesbehörde deshalb auch in diesem Jahr wieder an allen drei Standorten Plätze an – und zwar für 41 Mädchen am Standort Darmstadt, für 13 Mädchen am Standort in Frankfurt und für zehn Mädchen am Standort in Wiesbaden – jeweils im Alter zwischen zehn und 16 Jahren (fünfte bis zehnte Klasse).

Ein anderes Beispiel: Auch die Bergsträßer SPD-Landtagsabgeordnete Karin Hartmann hat zum Girls’ Day eingeladen – und zwar in den Hessischen Landtag nach Wiesbaden. Schülerinnen im Alter von 12 bis 15 Jahren haben am 26. März – neben der Teilnahme an einer Plenarsitzung des Landtags – die Möglichkeit, in kleinen Diskussionsgruppen die praktische Arbeit im Landtag kennenzulernen und Fragen an die Abgeordneten zu stellen.

Angebote vor der Haustür

Aber natürlich muss niemand von der Bergstraße bis nach Darmstadt zum RP oder gar bis nach Wiesbaden in den Landtag fahren, um am Girls’ Day teilzunehmen. Angebote gibt es auch vor der Haustür – zu finden auf der Girls’-Day-Seite im Internet: bei SurTec in Zwingenberg, bei CarGlass in Auerbach, in Bensheim bei TE Connectivity, Dentsply Sirona oder dem Technischen Hilfswerk, in Einhausen in der Gemeindeverwaltung, in Heppenheim im Landratsamt, beim Amt für Bodenmanagement oder bei Langnese, um nur einige Möglichkeiten zu nennen.

Vergleicht man das vergangene Jahrzehnt mit dem vorherigen, sind die Zahlen der Teilnehmerinnen und Betriebe zwar leicht zurückgegangen, aber dennoch haben sich die Zahlen auf stattliche rund 100 000 Teilnehmerinnen in circa 10 000 Betrieben eingependelt.

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