Bergstraße

Verbot Mahnung der Bergsträßer Umweltpartei

Grüne: „Keine Tiger im Zirkus“

Bergstraße.Die Tatsache, dass ab morgen (Samstag) wieder einmal ein Zirkus seine Zelte in Bensheim aufschlägt, nehmen die Bergsträßer Grünen zum Anlass, um auf die „nach wie vor bestehende Problematik eines fehlenden Wildtierverbots in Zirkussen“ hinzuweisen.

Auch der Zirkus, der jetzt nach Bensheim kommt, führe exotische Tiere – darunter auch Tiger – mit sich, weist der Sprecher der Grünen Jugend, Moritz Müller, auf die aktuelle Situation hin. Aus Sicht der Grünen verdeutliche das Beispiel dieses Zirkusses aus Tierschutzsicht das ganze Dilemma, das mit der Wildtierhaltung in reisenden Betrieben verbunden sei.

Tierschutz gegen Zirkusbetreiber

Denn obwohl Kommunen dem Tierschutz durchaus zugetan sind und versuchen, die Wildtierhaltung in ihrem Einzugsgebiet einzuschränken oder zu untersagen, werde vonseiten der Zirkusbetreiber dagegen vorgegangen – sei es auf kommunaler, regionaler und besonders aktuell auch wieder auf Bundesebene. „Erst kürzlich wurde ein Antrag mit der Forderung eines Wildtierverbots im Bundestag von der CDU blockiert, obwohl sich die Mehrheit der im Ausschuss geladenen Experten für ein Verbot von Wildtieren ausgesprochen hat“, weist Matthias Schimpf, Vorstandssprecher der Bergsträßer Grünen, auf die nach wie vor unbefriedigende Situation hin.

Auch die europäische Tierärztevereinigung fordere seit Jahren ein generelles Verbot aller Wildtiere im Zirkus, und auch die Mehrheit der Bundesländer habe sich bereits dreimal im Bundesrat für ein Verbot der Wildtierhaltung in Zirkussen ausgesprochen, führen Müller und Schimpf weiter aus. Ebenso habe die Mehrheit der Agrarminister kürzlich ebenfalls für ein Verbot plädiert.

Stress und Verhaltensstörungen

„Nicht umsonst verbieten auch mehr als 20 europäische Länder die Wildtierhaltung im Zirkus ganz oder teilweise“, so Müller. Und Schimpf ergänzt, „dass es äußerst bedauerlich ist, dass von Seiten der Bundesregierung dies permanent ignoriert wird und ein andauerndes Nichthandeln an den Tag gelegt wird“.

Experten weisen darauf hin, dass Tiger, die die größten aller lebenden Katzenarten darstellen, in der Regel nacht- und dämmerungsaktiv sowie Einzelgänger mit enormen Reviergrößen sind. Infolge der Haltungsbedingungen im Zirkus zeigten die meisten Tiger vermehrt Anzeichen von Stress und Verhaltensstörungen, da ihnen Rückzugsbereiche und ausreichend große und strukturierte Gehege fehlen.

„Tiere zweiter Klasse“

„Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar und völlig unverständlich, warum für Zirkusse nach wie vor geringere Anforderungen an die Haltung gelten als für Zoos oder Wildparks“, weisen Schimpf und Müller auf die bestehende Rechtslage hin. Dressur und Auftritte sind nach Feststellung von Experten in der Anhörung des Bundestags kein adäquater Ersatz für mangelnde Beschäftigung – und auch die Dressur sei als tierschutzwidrig anzusehen, da diese nur mit Dominanz gelingt.

„Mithin ist festzustellen, dass Zirkustiere in Deutschland nach wie vor leider nur Tiere zweiter Klasse sind“ so Schimpf, der gemeinsam mit Müller abschließend fordert, dass endlich ein Wildtierverbot umgesetzt wird, zumindest aber für Kommunen die rechtlichen Möglichkeiten geschaffen werden, Auftritte mit Wildtieren in ihrem Einwirkungsbereich zu untersagen. red

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