Bergstraße

Kriminalität

Haftstrafen für Bauhaus-Räuber

Bergstraße.„Sie sind der besseren Sozialsysteme wegen in die Bundesrepublik eingereist und nicht etwa, weil sie politisch verfolgt waren. Dabei handelt es sich um eine totalitär feindselige Ausbeutung deutscher Gesetze.“ Deutliche Worte, die der Vorsitzende des Bensheimer Schöffengerichts, Gerhard Schäfer, während der Urteilsverkündung an drei Mitglieder einer georgischen Diebesbande richtete.

Nach zweitägiger Beweisaufnahme verurteilte das Gericht das Trio wegen schweren gemeinschaftlichen Bandendiebstahls in drei „Bauhaus“-Filialen in Heppenheim, Darmstadt und Mannheim sowie zwei der Angeklagten zusätzlich wegen illegalen Aufenthalts zu Gefängnisstrafen von drei Jahren und vier Monaten, drei Jahren und zwei Monaten und zweieinhalb Jahren. Auf das Konto des einzigen nicht vorbestraften Täter, eines 32 Jahre alten BWL-Studenten, ging zudem ein Diebstahl in einer Rossmann-Filiale in Bad Iburg.

Geräte für 5000 Euro gestohlen

Die Georgier seien 2018 über Frankreich und Italien eingereist und hätten ihre Asylanträge nicht in den Nachbarländern, sondern in Deutschland gestellt, fuhr Schäfer fort. „Ihr Glück haben sie nicht in der Arbeit gesucht, sondern durch Begehung von Straftaten, und so ausschließlich ihren Unterhalt finanziert,“ sagte er.

Bei einer Personenkontrolle im vergangenen August waren die Männer von der Polizei festgenommen worden. Im Kofferraum und Stauraum der Rückbank ihres Pkw entdeckten die Beamten Taschen voll mit Diebesgut, alles Artikel aus Baumärkten. Wie sich zeigte, hatte sich die Bande auf die Baumarktkette „Bauhaus“ fixiert. In dem Pkw wurde Ware aus dem Haus in Heppenheim im Wert von rund 3700 Euro sichergestellt. Insgesamt belief sich der Wert der gestohlenen Geräte auf knapp 5000 Euro.

Die Vielzahl der gestohlenen Gegenstände im „Bauhaus“ Heppenheim könne nicht von einem einzigen Beutezug herrühren, folgerte der Vorsitzende. Die Täter hätten vermutlich mehrfach lange Finger gemacht, so wie auch in den Filialen Mannheim und Darmstadt. Die Herkunft von einem Großteil des Diebesguts konnte nicht geklärt werden. Deshalb gebe die Anklage nur ein unvollständiges „Zerrbild“ der tatsächlichen Diebestouren wider.

Keine Strafmilderung

Einer Strafmilderung wegen Sprachproblemen und langer Untersuchungshaft, wie von den Verteidigern Andreas Krämer, Thilo Söhngen und Paul Heczko beantragt, stimmte das Gericht nicht zu. Schließlich sei unter anderem die Tuberkulose-Erkrankung eines Angeklagten in der JVA therapiert worden. Sein Komplize habe dort zunächst eine mehrmonatige Ersatzfreiheitsstrafe wegen nicht bezahlter Geldstrafen verbüßen müssen.

Erst am zweiten Prozesstag hatten die Georgier nach Druck durch das Gericht, das die Verteidigungsstrategie der kompletten Aussageverweigerung und der verweigerten Kooperation stark kritisierte, die Tatvorwürfe eingeräumt. Mit ausschlaggebend für die Geständnisse war darüber hinaus das Angebot von der Richterbank, Einlassungen bei der Strafzumessung positiv zu bewerten. Zwei der Täter waren zur Tatzeit heroinabhängig.

Staatsanwalt Alessandro di Maria beantragte Freiheitsstrafen von dreieinhalb und zweieinhalb Jahren. Die Geständnisse seien zwar strafmildernd anzurechnen, letztlich hätten sie aber nur bestätigt, was man aufgrund von Fingerabdrücken und Handy-Auswertungen bereits gewusst habe. Di Maria nannte die Täter „Berufsverbrecher“. Zwei der Georgier haben in mehreren Bundesländern Vorstrafen und Strafbefehle wegen Diebstahlsdelikten in Baumärkten gesammelt.

Die Verteidiger beantragten milde Strafen für ihre Mandanten, die möglichst schnell in die Heimat zurückkehren wollen. gs

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