Bergstraße

Jobs Nacht der Ausbildung in Bensheim am 13. April

Hautnahe Einblicke ins Berufsleben

Archivartikel

Bergstraße.Eine Entscheidungshilfe in Sachen Berufswahl bietet jungen Menschen am Freitag, 13. April in der Zeit zwischen 17 und 22 Uhr: In der Bensheimer Nacht der Ausbildung der Unternehmerverbände Südhessen können sie per Shuttle-Bus neun Betriebe aus der Region zu besuchen, um zu erfahren, wie der dortige Arbeitsalltag aussieht.

Reinhold Stämmler (BILD: Funck), bei den Verbänden zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Gesellschaftspolitik, erklärt im BA-Interview, wie Nachwuchs und Unternehmen von dem Angebot profitieren können.

Herr Stämmler, bei der Nacht der Ausbildung werden Interessenten zu den Unternehmen gefahren, um sich dort ein Bild von den Möglichkeiten zu machen. Worin liegt dabei der Vorteil gegenüber einer Ausbildungsmesse, bei der die Besucher alles auf einen Blick sehen?

Reinhold Stämmler: Beide Angebote haben ihre Sinnhaftigkeit. Bei der Nacht der Ausbildung liegt der Unterschied zu einer Messe darin, dass wir den jungen Menschen authentische Einblicke ins Ausbildungsgeschehen bieten können. Wir gehen davon aus, dass sich viele Besucher häufiger als bei einer Messe schon über die angedachten Berufe informiert haben und noch mal wissen wollen, ob die Ausbildungsangebote wirklich so sind, wie sie sie sich vorstellen. Mit dem kostenlosen Bus-Shuttle kann man an einem Abend bequem verschiedene Unternehmen besuchen und sich viele individuelle Eindrücke verschaffen.

In Darmstadt hat jüngst zum achten Mal eine Nacht der Ausbildung stattgefunden. Wozu brauchen die Jugendlichen auch noch eine in Bensheim?

Stämmler: Es ist auffällig, dass man in einer Flächenregion möglichst viele Angebote vor seiner Haustür haben möchte. Eine Fahrt von 20 bis 30 Minuten ist da für den einen oder anderen schon ein großes Problem. Deshalb wollen wir auch jungen Leuten in den Randzonen unserer Region die Möglichkeit geben, dieses Angebot zu nutzen. Mehrere Nächte der Ausbildung sind auch sinnvoll, weil ein einziger Termin auch nicht immer jedem passt. Wir kommen zunehmend direkt zum Bewerber.

Inwieweit ist der Fachkräftemangel in Südhessen ein Problem?

Stämmler: Im jüngsten Berufsbildungsbericht für Südhessen der Agentur für Arbeit waren 400 unbesetzte Ausbildungsstellen aufgeführt. Der Fachkräftemangel wird sich auch weiter verschärfen. Die Nachbesetzung von Beschäftigten, die altersbedingt ausscheiden, ist jetzt schon ein Problem. Gleichzeitig entstehen neue Anforderungsprofile, etwa mit der Digitalisierung. Deswegen muss den jungen Leuten auch klargemacht werden, dass ihre Berufe nie gleich bleiben werden. Alle werden Umbrüche erleben und müssen sich weiterentwickeln.

Die Nächte der Ausbildung finden in Städten statt. Kommt der ländliche Raum dabei zu kurz?

Stämmler: Wenn im ländlichen Raum neun Unternehmen zusammen eine Nacht der Ausbildung organisieren, werden sie sich eher nicht konzentriert in einem Raum finden, die Busse müssten wahrscheinlich verschiedene Kommunen anfahren. Es gäbe längere Fahrtzeiten. Die Frage ist, ob sich die Besucher darauf einlassen würden. Man muss dafür die Unternehmen gewinnen. Das ist auch ein enormer logistischer und personeller Aufwand, der von den Betriebsleitungen gemanagt werden muss. Bei der Nacht der Ausbildung sind ja auch Azubis selbst als Betreuer von 17 bis 22 Uhr im Einsatz.

Eine Nacht der Ausbildung im Odenwald ist also eher unwahrscheinlich?

Stämmler: In Bensheim und Umfeld gibt es über 40 Schulen, im Odenwald vielleicht 14. Auch sonst sind die Rahmenbedingungen anders. Viele Unternehmen im ländlichen Raum rekrutieren über einen guten Ruf, haben Mitarbeiter in der dritten Generationen, die die Botschafter für den Nachwuchs darstellen. Vernetzung spielt da eine wichtige Rolle und generiert auch Nachfrage.

Zur Nacht der Ausbildung in Darmstadt kamen etwa 3000 Besucher. Mit wie vielen rechnen Sie in Bensheim?

Stämmler: Kennziffern werden ganz unterschiedlich interpretiert. Ich würde mir wünschen, dass jeder der neun Partner sagen kann, dass ihn die Qualität, die die Besucher in Fragen und Interessenlagen gezeigt haben, beeindruckt hat. Ich denke, wenn wir zwischen 500 und 1500 Besucher ankommen, wäre das für diese Region ein sehr gutes Ergebnis.

Kann es passieren, dass eins der Unternehmen so überlaufen ist, dass Besucher weiter geschickt werden können?

Stämmler: Nein, alleine wegen der Taktung der Busse. Außerdem haben die einzelnen Unternehmen ja verschiedene Bereiche, in denen Sie den Besuchern Eindrücke bieten können. Mit einem Engpass rechnen wir nicht. In Darmstadt hatten wir da auch nie Probleme.

Viele junge Leute wollen in die große weite Welt. Der eine oder andere könnte den Eindruck bekommen, dass Angebot richte sich an Bergsträßer, die auch an der Bergstraße bleiben wollen. Was antworten Sie denen?

Stämmler: Da sehe ich bei vielen eine Fehleinschätzung. Sehr viele Unternehmen haben heute internationale Kundenverpflichtungen und legen in den Ausbildungen wert auf Austauschprogramme oder darauf, dass man Praxiserfahrungen auch in anderen Standorten sammelt.

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