Bergstraße

Bergsträßer Bürgerpreis 2017 In der Kategorie „Lebenswerk“ zeichnen BA und Sparkasse den Bensheimer Generationentreff aus

Hier ist jeder Gast willkommen

Archivartikel

Bergstraße.Der Senioren- und Generationentreff im schmucken Fachwerkhäuschen in der Bensheimer Hauptstraße zählt eher zu den stillen, bescheidenen Stars im sozialen Netz der Stadt. Im Rampenlicht steht die Begegnungsstätte, deren Geburtsstunde mehr als 40 Jahre zurückliegt, so gut wie nie und Schlagzeilen produziert sie nur wenige. Dabei funktionieren der tägliche Ablauf und der freundliche Service reibungslos – dank eines engagierten, gut eingespielten Teams um die rührige Vereinsvorsitzende Erika Roß.

Gerade deshalb war die Auszeichnung des Seniorentreffs mit dem Bergsträßer Bürgerpreis 2017 in der Kategorie „Lebenswerk“ hoch verdient. Und sie kam völlig überraschend, wie Roß im Gespräch verrät: „Es war eine Riesefreude und eine große Anerkennung für uns alle.“ Natürlich wurde die Urkunde, gut sichtbar für die Besucher, im Gastraum aufgehängt.

Das Preisgeld von 1000 Euro soll in eine neue Spülmaschine investiert werden. Nur ganz nebenbei bestätigt die Vorsitzende des Vereins Seniorentreff übrigens, dass sie im April für ihre Verdienste im Ehrenamt die Ehrennadel in Silber des Kreises Bergstraße erhalten hat.

Ehrenamtliches Team

Das Besondere an dem Klassiker unter den sozialen Einrichtungen ist, dass er von der ersten Stunde an von ehrenamtlichen Kräften geführt wurde, die ihn wesentlich geprägt und zu einem familiären Ort der Begegnung gemacht haben. „Bei uns ist jeder willkommen, der eine kurze Verschnaufpause einlegen möchte, egal ob alt oder jung, Single, alleinerziehend, als Paar oder in der Gruppe. Wir sind nicht auf Senioren fixiert“, bekräftigt Roß. Seit 1999 ist sie ununterbrochen im Amt und wird von acht fleißigen und vertrauenswürdigen Mitarbeiterinnen tatkräftig unterstützt: Friedel Hohmann – Frau der ersten Stunde –, Ilona Schütz, Christa Bieser, Eva Neumann, Heidi Krumm, Brigitte Birkenbeil, Erika Bert und Christine Bartels.

Die Besucher des Seniorentreffs erwartet eine gemütliche, zwanglose Atmosphäre, ein freundlicher, aufgeschlossener Service, Kaffee, Kuchen und ein Gläschen Wein zu moderaten Preisen, Gesprächspartner für einen gemütlichen Plausch – und auch die Tageszeitung liegt druckfrisch auf dem Tisch. Verzehrzwang besteht nicht. Wer möchte, kann sich ein belegtes Brötchen oder ein süßes Teilchen mitbringen und in der Gaststube auspacken. Dumm angeschaut oder angesprochen wird deshalb niemand. Kommerz hat hier keinen Platz.

Die große Stärke des Senioren- und Generationentreffs ist seine Verlässlichkeit und Beständigkeit. Der Ablauf ist bestens organisiert, die Öffnungszeiten sind geregelt und die Helferinnen jeweils an bestimmten Tagen eingeteilt. Ein weiterer Pluspunkt ist die Barrierefreiheit. Nur die sinkenden Besucherzahlen machen den netten Damen zu schaffen. Dabei gebe es so viele ältere und alte einsame Menschen, die niemand mehr haben, mit dem sie sich austauschen können. „Im Sommer sitzen die Menschen halt lieber draußen“, zeigt Roß durchaus Verständnis, hofft aber weiterhin auf steigenden Zuspruch. Der Vorstand ermuntert deshalb alle Interessierten und auch Vereine, die einladenden Räume im Herzen der Stadt zu nutzen, „wenn es in den Tagesablauf unserer Begegnungsstätte passt“.

Gegründet 1976

Gegründet wurde der Seniorentreff 1976. Ellen Fischer, die tatkräftige und unerschrockene Vorsitzende des Hausfrauen-Bundes, ergriff damals die Initiative. Treffpunkt war zunächst die Alte Faktorei, später das Bürgerhaus. Nach der Renovierung und dem Umbau des denkmalgeschützten Fachwerkhauses zogen die Ehrenamtlichen in die städtische Immobilie im Zentrum, dem ehemaligen Eiscafé Herbert. Für alteingesessene Bensheimer ist das Haus einfach „Die Brezel“.

2001, nach Auflösung des Hausfrauen-Bundes, gründete sich ein neuer Verein, der Seniorentreff. Zur Vorsitzenden wurde Erika Roß gewählt, zur Schatzmeisterin Friedel Hohmann – und dann immer und immer wieder, bis heute. Weitere Konstanten bilden die gute Zusammenarbeit mit der Stadt und die Unterstützung aus dem Rathaus.

Dass der Seniorentreff auch regelmäßig als Gastgeber für Vereine, Gruppen und Organisationen dient und dafür seine Räume im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss zur Verfügung stellt, ist möglicherweise nur wenigen bekannt. So treffen sich dort die CDU-Senioren zu politischen Vorträgen und die Seniorenarbeitsgemeinschaften 60 plus der SPD Bergstraße und Bensheim. Der Verein Volksgesundheit/Biochemischer Verein lädt ebenso zu Vorträgen ein wie die Bürgerhilfe. Die Osteoporose-Selbsthilfegruppe gibt Infos und Tipps an ihre Mitglieder, der Themenkreis 50 plus trifft sich monatlich zu Vorträgen.

Unterricht in Deutsch und Mathe

Im Obergeschoss tagen der VdK-Ortsverband Bensheim-Schönberg, der Deutsch-Italienische Freundeskreis Bensheim-Riva del Garda und der kommunale Seniorenbeirat. Seit Januar gibt es auch ein Angebot für Migranten: Wöchentlich werden Geflüchtete unter der Regie der städtischen Teams Ordnung, Soziales und Integration in Deutsch, Mathematik und Englisch unterrichtet. Dafür stehen dem Sprachzentrum die Räumlichkeiten zur Verfügung.

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