Bergstraße

Corona GEW kritisiert die ab heute geltende Maßnahme als zu spät und zu wenig

„Hybridunterricht reicht nicht“

Archivartikel

Bergstraße.„Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber er ist halbherzig und hat mit entschlossenem Handeln nicht viel zu tun“, kritisiert das Vorsitzendenteam des Kreisverbands Bergstraße der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Elke Fischer, Friedemann Sonntag und Holger Giebel, die Entscheidung des Kreises, dass in den Schulen für die Klassen ab der Jahrgangsstufe 8 vorerst Hybridunterricht stattfinden soll.

Es sei bezeichnend, dass alle anderen Jahrgangsstufen von dieser Regelung ausgenommen seien, obwohl es gerade jüngeren Kindern schwerfalle, Abstand zu halten. „Es wird gerade so getan, als ob Schüler bis Jahrgangsstufe 7 nicht infektiös sein könnten, weshalb sie weiter im Klassenverband unterrichtet werden dürfen, wobei ein Abstandhalten aufgrund der räumlichen Enge nichts weiter als eine große Illusion ist. Ein solches Handeln ist aus unserer Sicht unverantwortlich“, so Elke Fischer.

Die Tatsache, dass im öffentlichen Raum nur Personen aus zwei Haushalten zusammentreffen dürfen, Lehrkräfte es aber in einer Lerngruppe häufig mit 30 Haushalten und am Ende eines Unterrichtstages nicht selten mit 120 bis 150 Haushalten zu tun gehabt haben, dokumentiere die Verantwortungslosigkeit.

Allerdings müsse zuvorderst die Politik der hessischen Landesregierung kritisiert werden. „Bereits bei der ersten Corona-Welle im Frühjahr wurde von den Wissenschaftlern auf die hohe Wahrscheinlichkeit hingewiesen, dass es ab dem Herbst zu einer zweiten, vermutlich noch stärkeren Infektionswelle kommen wird. Trotzdem hat sich das Kultusministerium ein halbes Jahr in Tatenlosigkeit ergeben. Ein Plan B lässt noch bis heute auf sich warten“, kritisiert Friedemann Sonntag. Stattdessen sei auf vielen Ebenen die Verantwortung in die Kommunen geschoben worden.

„Tatenlosigkeit des Landes“

Aus Sicht der GEW hätte ein Unterricht im Wechselmodell von Präsenz- und Fernbeschulung längst aufgenommen werden müssen. „Wenn berücksichtigt wird, dass das Robert-Koch-Institut bereits ab einer Inzidenz von 50 nicht nur das Tragen von Masken im Unterricht empfiehlt, sondern auch die Verkleinerung der Lerngruppen durch Teilen oder Wechselunterricht, um auf diese Weise einen Mindestabstand von anderthalb Metern in den Klassenräumen gewährleisten zu können, dann muss festgehalten werden, dass das Land Hessen über Wochen hinweg seiner Verantwortung nicht nachgekommen ist und gegen die Empfehlung der Experten gehandelt hat“, stellt Holger Giebel fest.

Das Resultat daraus sei bei steigenden Infektionszahlen und immer mehr Coronafällen in den Schulen eine Gesamtsituation, die von vielen Lehrkräften und Schülern nur noch als belastend empfunden werde.

Hybridunterricht allein reiche jedoch längst nicht aus. Vielmehr müssten auch die Lehrpläne entschlackt werden. Dies sei nötig, weil ansonsten Schüler mit unzureichender digitaler Anbindung oder erschwerten häuslichen Arbeitsbedingungen benachteiligt würden. Außerdem müsse eine etwaige Mehrarbeit der Lehrkräfte, die sich durch das Modell ergeben könne, entsprechend ausgeglichen und der Distanzunterricht somit angerechnet werden. Dies sei alles im Verantwortungsbereich des Kultusministeriums, doch es tue sich weiterhin nichts.

Zudem sei es noch immer häufig festzustellen, dass Lehrer auf ihre eigenen privaten Geräte zurückgreifen müssten, um digitales Lehren zu ermöglichen, weil die Schulen entweder zu wenige eigene Geräte besitzen oder diese nicht verwendbar sind. „Ich kenne keinen Kfz-Mechaniker, der seinen privaten Werkzeugkasten mitbringen muss, wenn er zum Arbeiten in die Werkstatt geht“, so Giebel. Der Ausbau der digitalen Infrastruktur müsse dringend beschleunigt und digitale Endgeräte für Schüler und Lehrer beschafft und ausgegeben werden.

Die GEW fordert außerdem die Anschaffung von mobilen Luftfilteranlagen für die Klassenräume.

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