Bergstraße

Unabhängigkeitsbestrebungen Monika Eifler, Bergsträßerin mit katalanischen Wurzeln, über den Konflikt in Spanien

Im Fall Puigdemont empfanden viele Deutschland als zu zögerlich

Bergstraße.Die Nachricht, dass der frühere katalanische Regionalpräsident Puigdemont aus dem Gefängnis in Neumünster entlassen wurde, stimmt Monika Eifler wieder etwas optimistischer, was eine Verständigung zwischen der spanischen Regierung und den Menschen in der Region im Nordosten des Landes angeht. „Ich bin froh, weil es jetzt wieder eine Möglichkeit für einen Dialog gibt“, sagt sie.

In den Konflikt um die Unabhängigkeitsbestrebungen hat Eifler Einblicke aus nächster Nähe. Ihr Vater ist halb Deutscher, halb Katalane, ihre Mutter Italienerin. Sie selbst hat einen Großteil ihrer Kindheit und Jugend in Barcelona verbracht. Vor 25 Jahren zog sie an die Bergstraße, heute lebt die ehemalige Dozentin an der Kreisvolkshochschule Bergstraße in Laudenbach. Nach wie vor pflegt sie enge Kontakte zu ihrer Familie sowie zu Freunden in Spanien und liest spanische Zeitungen.

Gewaltenteilung ist wichtig

Die Inhaftierung Puigdemonts in Deutschland habe sie in Gesprächen mit ihren katalanischen Freunden als Thema weitgehend vermieden. Dennoch habe sie den Eindruck gewonnen, dass viele Menschen in der spanischen Region deswegen nicht gut auf die Bundesrepublik zu sprechen waren. „Viele haben sich gefragt, warum Puigdemont nicht einfach freigelassen werden. Sie sind der Meinung, dass die Deutschen zu lange überlegt haben“, lautet ihre Einschätzung.

Sie selbst sieht das aus der Ferne differenzierter als viele Menschen in der alten Heimat – auch den Konflikt an sich. „Es gab einen europäischen Haftbefehl, außerdem ist die Justiz unabhängig. Gewaltenteilung ist wichtig“, sagt Eifler. Sie verstehe auch nicht, warum sich Belgien und Finnland zurückhielten, als Puigdemont durch diese Länder reiste.

Das Referendum im Oktober vergangenen Jahres war auch in den Augen der Deutsch-Katalanin illegal. „30 Jahre Haft, wie sie die spanische Justiz fordert, halte ich trotzdem für überzogen“, betont sie.

Die Stimmung unter den Katalanen beschreibt Eifler ein halbes Jahr nach dem Unabhängigkeitsreferendum als „traurig und trotzig“. Während einige fürchteten, es werde keine Zugeständnisse der spanischen Regierung an die Menschen in der Region geben, wollten andere jetzt erst recht Kontra geben.

„Letztlich hat das Referendum die Katalanen weit zurückgeworfen“, beklagt die gebürtige Mannheimerin mit Blick auf die darauf erfolgte Entmachtung der katalanischen Regionalregierung. Zwischenzeitlich sei in den Schulen sogar erst katalanisch, dann spanisch unterrichtet worden – nun sei die Befürchtung, dass dies alles zerstört sei.

Auf der anderen Seite habe der Konflikt die Anliegen der Katalanen in der Welt bekannter gemacht. Einigen sei die Aufmerksamkeit fast schon zu viel.

Über den Dialog zur Lösung

Ihrer Ansicht nach ist der legale Weg – der eines Dialogs – der richtige, um zu einer Lösung zu kommen, mit der alle Seiten leben können. Dabei sieht sie aber vor allem die Verantwortlichen in Madrid als diejenigen, die den ersten Schritt machen sollten. Letztlich habe es auch mit den Basken eine Einigung gegeben. „Es gibt Stimmen in Katalonien, die immer mehr wollen. Die sollten beruhigt werden, sonst schließen sich ihnen anderen an“, sagt sie. Dass ein Dialog mit den jetzigen Akteuren funktionieren würde, bezweifelt sie. Neuwahlen seien der richtige Weg.

Eifler hofft weiterhin, dass sich beide Seiten annähern. Als sie zu Weihnachten Barcelona besuchte, habe sie an Briefkästen Aufkleber gesehen, die die spanische Fahne vereint mit der katalanischen zeigen. Das stimmt sie etwas zuversichtlicher. Es zeige, dass nicht unbedingt das eine das andere zerstören muss.

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