Bergstraße

Corona-Pandemie Fünf weitere Betroffene im Umfeld der Karl-Kübel-Schule / Tests nach Fall am Alten Kurfürstlichen Gymnasium

Immer mehr Infektionen an Schulen

Archivartikel

Bergstraße.Corona-Infektionen im Umfeld von Schulen halten den Kreis Bergstraße in Atem. Wie Gesundheitsdezernentin Diana Stolz gestern in einer Video-Pressekonferenz informierte, ist derzeit besonders die Karl-Kübel-Schule in Bensheim betroffen: Demnach wurden gestern fünf neue Fälle festgestellt, die im Zusammenhang mit dieser Schule stehen.

Das Berufliche Schulzentrum war vom vergangenen Freitag bis einschließlich Montag geschlossen, nachdem es dort zwei Infektionsfälle gegeben hatte und eine Reihe von Personen im Umfeld der Einrichtung über die Corona-Warn-App alarmiert wurden. Am Dienstag hatte sich dann gezeigt, dass ein Nutzer der App tatsächlich infiziert war.

Schließungen im Einvernehmen

Alle fünf neuen Fälle seien entweder ebenfalls nach einer Alarmierung über die Warn-App oder infolge von Kontaktermittlungen durch das Gesundheitsamt bekannt geworden, teilte das Landratsamt im Nachgang zur Pressekonferenz mit. Eine erneute Schließung der Schule sei jedoch erst einmal nicht nötig, weil für alle fünf neuen Betroffenen bereits vor dem Testergebnis Quarantäne oder Betretungsverbote gegolten hätten, erläuterte Stolz.

Wie das Landratsamt am Donnerstagabend mitteilte, ist nun eine Testung von rund weiteren 75 Schülern aus den betroffenen Jahrgangsstufen sowie von vier Lehrkräften auf SARS-CoV-2 vorgesehen. Neben den fünf Fällen im Zusammenhang mit der Kübel-Schule gab es gestern fünf weitere nachgewiesene Corona-Infektionen im Kreisgebiet. Damit sind aktuell 45 Fälle bekannt, die momentan mit dem Virus infiziert sind.

Am Mittwochabend hatte das Landratsamt außerdem einen Infektionsfall mit einer Verbindung zum Alten Kurfürstlichen Gymnasium in Bensheim gemeldet. Wie Stolz auf Nachfrage in der Pressekonferenz ausführte, ist eine Person aus der Schule selbst infiziert. Unter den 40 engen Kontaktpersonen, für die das Gesundheitsamt daraufhin Quarantäne anordnete, seien auch Schüler und Lehrer. „Es werden nun Testungen durchgeführt“, sagte Stolz. Der Schulbetrieb gehe aber erst einmal weiter.

Insgesamt laufe das Infektionsgeschehen im Kreis eher moderat ab, sagte die Kreisbeigeordnete. Unter den 26 hessischen Landkreisen und kreisfreien Städten nehme der Kreis Bergstraße einen der unteren fünf Plätze ein – „Die jetzigen Fälle an den Schulen haben es aber in sich.“ Aktuell seien an vier Schulen infizierte Personen bekannt, an weiteren zwei seien Kontaktpersonen betroffen.

Stolz war es wichtig, zu betonen, dass keine der bisherigen Schulschließungen – die meist nur einen Tag lang andauerten – vom Gesundheitsamt angeordnet worden sei. „Es hat immer Absprachen mit den Schulleitungen oder auch dem Staatlichen Schulamt gegeben, bei denen wir zum Schluss gekommen sind, das die temporäre Schließung sinnvoll ist“, beschrieb sie das Vorgehen.

Bei allen drei bisher betroffenen Schulen habe es mehr als eine bekannte Infektion gegeben. Die Schillerschule in Viernheim etwa sei geschlossen worden, weil so die Ermittlungsarbeit erleichtert wurde, zuvor habe es Probleme gegeben, alle Kontaktpersonen zu erreichen. Bei der Seeberg-Schule in Mörlenbach habe auch eine Rolle gespielt, dass viele der Förderschüler gesundheitlich vorbelastet sind und der Unterricht unter besonderen Bedingungen abläuft. Die Verantwortlichen hätten die Testungen abgewartet, bevor die Schule wieder öffnete.

Bei der Karl-Kübel-Schule seien am Freitag die Meldungen der Warn-App entscheidend gewesen – was sich nun als der richtige Weg herausgestellt habe. „Wir tun alles, um Schulschließungen zu vermeiden“, unterstrich die Kreisbeigeordnete. In bestimmten Fällen sei es aber sinnvoll, eine Schule kurzzeitig zu schließen, um so eine länger andauernde Unterrichtspause zu verhindern. Positiv fiel ihre 100-Tage-Bilanz über die Corona-Warn-App aus: „Wir sind froh über diese App.“ Sie helfe dem Gesundheitsamt, schneller auf Infektionsfälle aufmerksam zu werden. Deshalb legt Diana Stolz jedem nahe, diese zu nutzen.

Derweil laufen die Vorbereitungen für die vom Kreis beschlossene Anpassung des Schulbusverkehrs, mit der verhindert werden soll, dass sich die Schüler in den Fahrzeugen zu nahe kommen und sich so die Ansteckungsgefahr erhöht. Der Bergsträßer Kreistag hatte am Montag beschlossen, insgesamt 2,5 Millionen Euro einzuplanen, um zwischen den Herbst- und den Osterferien den Einsatz von zusätzlichen Bussen zu ermöglichen.

Es war aber auch beschlossen worden, an das Land Hessen zu appellieren, sich an den Kosten zu beteiligen. Die Gespräche darüber liefen derzeit, wie Landrat Christian Engelhardt mitteilte. Die Richtung sei, dass Wiesbaden die Kommunen dort unterstützt, wo es keine Möglichkeit gibt, die Unterrichtszeiten so anzupassen, dass die Busse weniger voll sind.

Wie Verkehrsdezernent Karsten Krug ausführte, wird derzeit an einem Schulstandort geprüft, ob dort der Beginn und das Ende der Unterrichtszeiten verschoben werden können. Parallel werde kreisweit die Auslastung der Schulbusse überprüft, um die zusätzlichen Busse einzuplanen. Für den Schulbusbetrieb im Kreis ist die Verkehrsgesellschaft Gersprenz zuständig.

Außerdem liefen Gespräche mit Busreise-Anbietern, die weitere Fahrzeuge bereitstellen könnten. „Theoretische Zusagen hatten wir schon vor der Kreistags-Entscheidung“, sagte Krug. Nun gehe es an die konkrete Planung. In der letzten Woche der Herbstferien solle der Plan für die Schülerbeförderung stehen.

556 Verstöße gegen Regeln

Krug teilte zudem mit, dass mittlerweile 556 Verstöße gegen Corona-Regeln gemeldet wurden, seit der Kreis eine zentrale Bußgeldstelle dafür eingerichtet hat. Der Anstieg sei weiterhin moderat.

Seit Beginn der Pandemie wurden nach Angaben der Pressestelle des Landratsamts bisher 2500 Personen im Kreis unter Quarantäne gestellt. Aktuell sind es 340. Alleine im August waren es 720, im September bisher rund 620 Betroffene.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel