Bergstraße

Raus in den Garten Wer seinen Garten von Grund auf neu anlegt, erlebt verschiedene Stufen hautnah / Entscheidungen werden im Lauf der Zeit rückgängig gemacht, Anschaffungen ersetzt

In 15 Jahren zum Paradies: Vom langen Werden eines Gartens

Bergstraße.Im ersten Jahr kann man in jeder neuen Reihenhaussiedlung einmal quer durch die Gärten blicken. Und überall ist es chaotisch und unwirtlich. Die Erde ist aufgeworfen, der Rasen noch nicht angegangen, in den Beeten stecken Setzlinge – und die frischgebackenen Hausbesitzer hoffen, dass alles ganz schnell geht, die Kinder bald auf dem Rasen spielen können und die Hecke zum Nachbarn ein bisschen Privatsphäre spendet.

Bevor es grünt und blüht, muss sich der Gartenbesitzer freilich mit der Erde befassen. Ist sie nicht geeignet, etwa zu kiesig oder lehmig, muss nachgeholfen werden. Vor allem in den Beeten sollte die gute Erde eine bestimmte Tiefe erreichen, damit auch die Wurzeln versorgt sind. Als unsere junge Familie im Jahr 2000 den Garten anlegte, war zuerst die Holzterrasse dran, es folgte ein Schwimmteich. Dann war der Rasen an der Reihe.

Die Auswahl im Baumarkt war schier unüberschaubar, vom Zier- über den Sport- und Spiel- bis zum Schatten- und natürlich auch Rollrasen. Bei den Beeten standen erst einmal schnellwachsende Hecken im Vordergrund. Beim Baumbestand war ein wenig Fantasie gefragt, schließlich muss man sich vorstellen können, wie groß Apfel-, Pflaumen- oder Kirschbäume in 20 Jahren werden. Das wird regelmäßig unterschätzt, und dann heißt es: Bäumchen wieder ausbuddeln und woanders hinstellen.

Noch ist der Apfelbaum recht dürr

Wer etwas auf sich hält, baut im eigenen Garten auch Salat, Kräuter, Tomaten oder Kartoffeln an. Zum Selbstversorger wird es zwar in den meisten Fällen nicht reichen, aber die ein oder andere Mahlzeit lässt sich daraus doch auf den Tisch bringen. Als 2002 die Grunddisposition des Gartens realisiert war, sah alles noch recht kahl aus. Die Sträucher waren niedrig, der Schwimmteich nur an wenigen Stellen von Schilf durchbrochen und das Apfelbäumchen ein dürres Stöckchen.

Auch der Rosenbogen glänzte noch nicht gerade mit üppiger Blütenpracht. Während die Pflanzen in den Folgejahren langsam gediehen, wechselte nach und nach die Möblierung und passte sich den Bedürfnissen der Familie an. Sandkasten, Schaukel, Trampolin und Planschbecken wechselten sich ab und der große Schwimmteich entpuppte sich als selten bis nie genutzt. Dafür nahm er aber viel Platz ein. Die Konsequenz: Leer pumpen, etliche Kubikmeter Erde einfüllen und das Ganze neu modellieren.

Es folgte eine neue Terrasse, parallel wurde der Ruf nach einer Bolzfläche laut. Die Zierpflanzen rundherum hatten kaum Überlebenschancen. Der billige, dünne Rosenbogen hielt auch nicht lange durch, ein neuer aus Massivholz musste her. Inzwischen war der Samstag für die Arbeiten an Haus und Garten reserviert. Merke: Wer ein Haus sein eigen nennt, hat immer etwas zu tun. Und dann darf der Tag idealerweise mit Grillen ausklingen.

In den ersten Jahren reichte ein kleiner mobiler Metallgrill, dann kam die Kugelversion in Mode und schließlich musste eine selbstgebaute Sitzecke mit gemauertem Grill her. Es entstand ein Kamingrill mit kleinem Dach, so dass auch bei Regen gegrillt werden konnte. 15 Jahre hat es gedauert, bis der Garten so aussah, wie es sich die Familie immer gewünscht hat. Weitere drei Jahre später ist er endgültig zum Paradies geworden. Der Apfelbaum trägt regelmäßig Früchte und spendet reichlich Schatten.

Wenn er im Herbst beschnitten werden muss, ist bereits eine große Leiter erforderlich. Die Sauerkirsche nebenan trägt im Frühjahr fast noch schönere Blüten und der eigene Kompost hat sich als wichtiger Düngerspender etabliert. Bäume und Sträucher begrenzen den Garten am Grundstücksrand, in der Mitte geben Gewächse und Steine, Spielfläche, Grillecke, Wege und Nutzbereich Struktur. Und über allem summen die Wildbienen im selbst gefertigten Bienenhotel. Am Ende hat sich die ganze Arbeit gelohnt. Ein bisschen Geduld ist aber schon nötig. red

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