Bergstraße

Wirtschaft IHK Darmstadt Rhein Main Neckar legt Konjunkturbericht vor / Sinkender Optimismus

Industrie startet verschnupft ins Jahr

Darmstadt.Passend zu den sinkenden Erwartungen der Bundesregierung für das Wirtschaftswachstum im neuen Jahr vermeldet auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt Rhein Main Neckar Abschwächungstendenzen der Konjunktur in der Region.

„Wir befinden uns immer noch auf einem hohen Niveau, aber vom Optimismus der Vorumfragen ist nur noch wenig zu sehen. Vor allem in der Industrie haben sich die Erwartungen verschlechtert, die Branche ist regelrecht verschnupft ob des raueren Klimas in der Welt“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Uwe Vetterlein gestern bei der Vorstellung des Konjunkturberichtes zum Jahresbeginn.

Deutliche Ernüchterung

Eine deutliche Ernüchterung gab es bei den auslandsaktiven Unternehmen: US-Protektionismus, Brexit und Co. sorgen für Unsicherheit. So liegt der Saldo der Exporterwartungen zwar noch bei plus drei Prozentpunkten, das bedeutet aber ein Minus von 26 Punkten gegenüber der letzten Umfrage im Herbst vergangenen Jahres.

Bedeutung Europas hervorheben

Auf die Frage, wo sie im Ausland am ehesten investieren wollen, nannten die Unternehmen am häufigsten die Euro-Zone, trotz der Schwierigkeiten in Italien und Frankreich. „Das zeigt, wie enorm wichtig der europäische Binnenmarkt für die Unternehmen ist. Daran hängen in der Region viele Jobs. Wir wollen dies ins Bewusstsein der Menschen in unserer Region rücken und setzen auf eine hohe Wahlbeteiligung bei der Europawahl mit proeuropäischem Ergebnis“, sagte Vetterlein.

Dienstleistungsbranche boomt

Insgesamt geht es der regionalen Wirtschaft immer noch sehr gut. „Aber die eingetrübte Stimmung in der Industrie ist schon auffällig“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer. Indiz sind die Antworten aus der Konjunkturumfrage zu den geplanten Investitionen. „Hier sind die Unternehmen vorsichtiger geworden, deutlich mehr Unternehmen halten sich bei neuen Investitionsprojekten zurück“, fasste Vetterlein zusammen.

Personalbestand soll wachsen

Ihren Personalbestand wollen die Unternehmen aber trotzdem ausweiten. „Es wird immer enger auf dem Markt für qualifizierte Fachkräfte. Das wissen die Unternehmer und daran wird auch eine schwächere Konjunkturentwicklung erst einmal nichts ändern. Zumal die personalintensive Dienstleistungsbranche noch immer bärenstark ist.“

Erwartungen an die Politik

Der IHK-Geschäftsklimaindex bündelt Lage und Erwartungen der Unternehmen. Gegenüber der Vorumfrage im Herbst 2018 verliert er 12,5 Punkte und liegt jetzt bei 110,7 Punkten. Der über dem Index von 100 liegende Wert zeigt, dass die südhessische Wirtschaft generell weiterhin wächst. Viele Unternehmen erwarten aber in der nahen Zukunft eine nur noch schwach zunehmende Geschäftsentwicklung.

„Wenn sich die Konjunktur tatsächlich abschwächt, kommt es umso mehr auf klare Signale aus der Politik an. Hier erwarten wir steuerpolitische Änderungen aus Berlin zugunsten der Unternehmen. Die neue hessische Landesregierung ist gefordert, den Standort weiter attraktiv zu halten“, forderte Vetterlein und nannte einige bedeutende Zukunftsthemen: Infrastruktur, Flächenpolitik, Fachkräfteentwicklung und Digitalisierung. red

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