Bergstraße

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Isabelle Borck

Archivartikel

wird neue Pfarrerin in der evangelischen Kirchengemeinde Reisen

Nach einjähriger Vakanz bekommt die evangelische Gemeinde Reisen eine neue Pfarrerin. Isabelle Borck tritt ihre erste Pfarrstelle an. Die 51-Jährige sagt von sich augenzwinkernd, sie sei eine „Spätberufene“. Sie stamme zwar aus einer Pfarrersfamilie und wuchs im Pfarrhaus auf. „Doch Pfarrerin wollte ich eigentlich nie werden. Ich dachte, da gibt es schon genug in der Familie.“

Nach ihrem Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin zog es die damals junge Absolventin nach Frankreich. Zunächst lebte sie in Paris, dann in Toulouse, wo sie einige Jahre in der Finanzabteilung eines großen Unternehmens arbeitete.

Eine unbekannte Welt entdeckt

In dieser Stadt engagierte sich Isabelle Borck auch ehrenamtlich für einen ‚Sozialen Supermarkt‘, eine Art Tafel, die Bedürftige mit Lebensmitteln unterstützt. „Dabei habe ich eine Welt entdeckt, die ich so nicht kannte. Die Begegnung mit den Menschen dort hat mich tief berührt. Für mich stellte sich die dringende Frage nach dem Sinn meiner beruflichen Tätigkeit“, so die angehende Pfarrerin.

Mit 40 Jahren ließ Isabelle Borck das Finanz- und Rechnungswesen hinter sich und begann mit dem Theologiestudium zunächst in Montpellier und später an der Universität in Straßburg. Nach dem Studium kam sie vor zwei Jahren wieder zurück in ihre deutsche Heimat. Hier absolvierte sie ihr Vikariat – die praktische Ausbildung zur Pfarrerin – in der evangelischen Kirchengemeinde Dillenburg.

Bewusst aufs Land gegangen

„Seit meiner Zeit im ‚Sozialen Supermarkt‘ ist mir Diakonie sehr wichtig. Kirche und Diakonie gehören unbedingt zusammen. Ohne das diakonische Engagement ist Kirche unglaubwürdig“, betont Isabelle Borck. Sie habe sich bewusst für Reisen und den ländlichen Raum entschieden. Im städtischen Bereich sei die Diakonie mit vielen anderen sozialen Initiativen bereits eng vernetzt. Im ländlichen Raum sei dies anders. „Hier gibt es eine versteckte Armut. Sie ist nicht gleich erkennbar, weil für viele Betroffene Armut schambesetzt ist. Und da ist Kirche gefragt und gefordert.“

Die evangelischen Gemeinden Reisen, Mörlenbach und Birkenau wollen in Zukunft enger miteinander zusammenarbeiten. „Ich möchte diese Kooperation stark machen. Wir können uns gemeinsam auf das ausrichten, was wesentlich ist“, erklärt Isabelle Borck. Da passt es gut, dass sie mit einem 75-prozentigen Stellenanteil in Reisen und mit den übrigen 25 Prozent in Birkenau tätig sein wird.

Großvater Pfarrer in Birkenau

In Birkenau war übrigens vor 60 Jahren bereits ihr Großvater, Gerd Borck, Pfarrer. Damals gab es noch keine eigene evangelische Kirche in Reisen. Er hatte sich nach Angaben seiner Enkelin darüber beklagt, dass der Gottesdienstbesuch der Reisener in Birkenau so schwach sei. „Und was haben die Reisener damals gemacht? Sie haben sich eine eigene Kirche gebaut!“, sagt Isabelle Borck schmunzelnd.

Die Starkenburger Pröpstin Karin Held wird Isabelle Borck am 30. Juni ordinieren. Die Ordination ist die Segnung und Sendung für den Pfarrdienst. Der Gottesdienst in der evangelischen Kirche beginnt um 15 Uhr. red

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