Bergstraße

Caritasverband Am 26. September beginnen die Caritastage / Kultur, Fachthemen und Kinderprogramm / Thema Wohnungsnot im Zentrum

„Jeder Mensch braucht ein Zuhause“

Bergstraße.Bundesweit fehlen rund eine Million Wohnungen. Auch an der Bergstraße rangieren die Immobilienpreise auf einem Rekordniveau. Für untere Einkommensschichten, Erwerbslose oder kinderreiche Familien ist es enorm schwer geworden, eine bezahlbare Wohnung zu finden.

„Jeder Mensch braucht ein Zuhause“, sind die diesjährigen Caritastage in Bensheim überschrieben. Die bundesweite Caritas-Kampagne schlägt somit auch an der Bergstraße auf. Der Caritasverband Darmstadt beleuchtet eines der drängendsten Probleme der Zeit aus unterschiedlichen Perspektiven. Zum 13. Mal veranstaltet das Mehrgenerationenhaus eine Reihe, die aktuelle sozialpolitische Themen mit einem kleinen Kulturprogramm ergänzt und so breite gesellschaftliche Ebenen erreichen will. Vom 26. bis 29. September stehen mehrere Veranstaltungen auf dem Programm, das jetzt im Franziskushaus vorgestellt wurde.

Fachvortrag und Diskussion

Im Mittelpunkt steht ein Fachvortrag mit Gesprächsrunde, der am 27. September ab 19.30 Uhr im Café Klostergarten stattfindet. Nach einer Einführung des Marburger Theologen Prof. Franz Segbers diskutiert ein Podium zum Thema Wohnen als Grundrecht. Dabei sind Landrat Christian Engelhardt und der Bensheimer Stadtrat Adil Oyan vonseiten der Bergsträßer Politik sowie Volkmar Hommel (Bischöfliches Ordinariat Mainz) und dem Betriebsseelsorger Michael Ohlemüller aus dem Bistum Mainz. Flankiert wird die Runde von der Caritasdirektorin Stefanie Rhein. Sie sagt: „Wohnen ist eines der größten Probleme bei den Menschen, die zu uns kommen, um Hilfe und Beratung suchen.“

Koordinatorin Cornelia Tigges-Schwering aus dem Mehrgenerationenhaus und Martin Fraune, Caritas-Dienststellenleiter in Heppenheim, bestätigen das. Die Situation auf dem Bergsträßer Wohnungsmarkt sei angespannt wie lange nicht. Vor allem in den dicht strukturierten Teilregionen würden kaum preisgünstige Mietwohnungen angeboten. „An der Bergstraße und im Ried ist die Lage ernster als im ländlichen Raum des vorderen Odenwalds“, so Fraune im Pressegespräch. Das gestiegene Preisniveau durch markante Wertsteigerungen sei zwar gut für Investoren, doch schade dem sozialen Wohnungsbau. Sozialgebundene Wohnungen sind Mangelware.

Die von Kreis und Eigenbetrieb Neue Wege definierten Mietobergrenzen (der Rahmen, in dem sie Leistungsbeziehern die Kosten der Unterkunft übernehmen) seien erheblich zu niedrig angesetzt, so Martin Fraune weiter. Mit der Folge, dass immer mehr sozial schwache Familien die Mehrkosten aus eigener Tasche bezahlen müssten. Geld, das ihnen für den täglichen Bedarf, für den es eigentlich gedacht ist, dann nicht mehr zur Verfügung steht. Wie der Caritasverband das Jobcenter zitiert, waren davon Anfang 2017 mehr als 13 Prozent der Bedarfsgemeinschaften betroffen.

Menschen machen sich Sorgen

Drei von vier Menschen in Deutschland machen sich Sorgen, dass steigende Mieten die Wohnung kosten könnten. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage für den Deutschen Caritasverband hervor. Auch beim Caritasverband Darmstadt werden Mitarbeiter der Allgemeinen Lebensberatung täglich von Klienten mit diesem Thema konfrontiert. Zum Beispiel könnten viele Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen nach einer Stabilisierung in den internen Wohnangeboten an der Bergstraße gut in eine eigene Wohnung ziehen. Doch der Wohnungsmangel in Bensheim und Umgebung verhindere dies, heißt es aus dem Vorstand. Vier von fünf Befragten (79 Prozent) sehen das Risiko, wegen der steigenden Mieten in Armut zu geraten. Für fast zwei Drittel (61 Prozent) der Interviewten sind laut Studie immer höhere Miet- oder Kaufpreise inzwischen eine Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt geworden. Das Problem habe längst die Mitte der Gesellschaft erreicht.

Caritas Deutschland sieht Bund, Länder und Kommunen in der Pflicht. Ab 2020 liegt die gesetzliche Verantwortung für die Förderung des sozialen Wohnungsbaus nicht mehr beim Bund, sondern bei den Ländern. „Wohnen ist auch ein gutes Stück Inklusion“, betont Stefanie Rhein.

„Zimmer auf der Straße“

Um auf das Thema in der Öffentlichkeit wirkungsvoll aufmerksam zu machen, startet am Samstag (29.) eine besondere Aktion in der Bensheimer Fußgängerzone: Von zehn bis 14 Uhr wird am Hospitalbrunnen ein „Zimmer auf der Straße“ aufgebaut. Ein Stuhl, ein Teppich, ein Tisch und eine Badewanne mitten in der Innenstadt. Der Verband erhofft sich dadurch, mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen. „Wir haben keine Politiker explizit eingeladen“, so Cornelia Tigges-Schwering. Doch die Veranstalter hoffen, dass auch der ein oder andere Mandatsträger bei der Aktion vorbeischauen wird. An einem Samstag vor der hessischen Landtagswahl dürfte die Fußgängerzone politisch nicht gerade tot sein.

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