Bergstraße

Konferenz Unwort des Jahres 2018 wird morgen an der TU Darmstadt verkündet

Jederzeit bewusst mit der Sprache umgehen

Bergstraße.Zum 28. Mal wird morgen (Dienstag) in der TU Darmstadt das Unwort des Jahres bekannt gegeben. Bis zum 31. Dezember konnten Bürger Vorschläge einsenden, über die die Jury nach bestimmten Kriterien diskutiert.

Unwörter sind sprachliche Ausdrücke, die von Sprechern öffentlich, gedankenlos oder mit kritikwürdigen Absichten verwendet werden. Die Kritik daran soll auf verantwortungsvolles sprachliches Handeln aufmerksam machen. Seit 1991 gibt es darum das Unwort des Jahres, bestimmt aus Vorschlägen der Bürger.

Doppelt einsenden bringt nichts

„Es ist immer ein Wort, das im betreffenden Jahr an uns geschickt wurde. Diesmal waren es insgesamt 902 Einsendungen mit 508 Vorschlägen“, berichtet Nina Janich, Professorin für Germanistische Linguistik an der TU Darmstadt. „Das sind 414 Einsendungen weniger als im vergangenen Jahr.“

Janich kommt von der Bergstraße und ist eine der vier Sprachwissenschaftler in der Jury. Auch ein Journalist gehört dazu – sowie in diesem Jahr der Autor und Kabarettist Jess Jochimsen.

„Natürlich sind immer wieder Dopplungen bei den Einsendungen dabei. Manchmal bekommen wir auch von Schulklassen oder Vereinen Vorschläge. Das macht es schwer festzustellen, wie viele Menschen hinter einem Vorschlag stehen.“ Es ist gar nicht so leicht, unter all den Vorschlägen das Unwort 2018 zu finden. Der erste Schritt der Auswertung beginne in Trier, bei Martin Wengeler, Professor für Germanistische Linguistik, so Janich. „Dort werden alle Einsendungen in drei Listen geordnet. In der ersten sind alle Kriterien erfüllt und Belege vorhanden, in der zweiten Liste landen die Vorschläge, die nicht ganz klar sind.“

Es gelten strenge Kriterien

Allerdings gebe es auch immer wieder Missverständnisse. „Die kommen in die dritte Liste. Zum Beispiel Schimpfwörter, Floskeln oder Namen. Anschließend wählt jedes Mitglied bis zu fünf Wörter aus, die es in die Auswahlliste schaffen“, erklärt Janich. Drei bis vier Stunden dauert es, bis die endgültige Entscheidung über das neue Unwort fällt. „Wir stimmen nicht einfach ab, sondern besprechen die einzelnen Vorschläge so lange, bis wirklich alle einverstanden sind“, verrät Janich.

Diskutiert wird nach bestimmten Gesichtspunkten: Ein Unwort müsse zum Beispiel gegen die Menschenwürde oder die Prinzipien der Demokratie verstoßen, gesellschaftliche Gruppen diskriminieren, etwas beschönigen, verschleiern oder in die Irre führen. Entscheidend sei auch, dass es öffentlich geäußert wurde und aktuell ist.

Was nach „Alternative Fakten“, „Shuttle-Service“ und „Genderwahn“ – allesamt Unwörter aus dem Jahr 2017 – kommt, steht erst morgen fest. „Noch ist alles offen“, betont Janich.

Auch die BA-Leser haben Ideen

Auf der Facebookseite des Bergsträßer Anzeigers hat die Redaktion Nutzer nach ihren persönlichen Unwörtern des Jahres gefragt. Auch wenn die Vorschläge der Nutzer nicht allen Kriterien entsprechen würden, sind einige Vorschläge zusammengekommen. Facebook-User Reiner Müller ist für den „Einzelfall“ und Paul Brockmann findet: „Diese ganze Nummer mit Ehrenmann und Ehren-dies und Ehren-das einfach nervig und sinnlos.“

Wenn BA-Followerin Jenny Sippel in der Jury sitzen würde, hätte sie für das Wort „Datenschutz“ gestimmt, Steve Medison II für „Dieselfahrverbot“ und für Michael Wagner ist „das Unwort des Jahres ganz klar Nazi!“ Unter dem Umfrage-Beitrag auf der Facebookseite des Bergsträßer Anzeigers besteht natürlich auch weiterhin die Möglichkeit, sein persönliches Unwort des Jahres zu posten. Einfach reinklicken und mitdiskutieren.

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