Bergstraße

Konflikt in Spanien Monika Eifler, Dozentin der Kreisvolkshochschule, ist in Barcelona aufgewachsen und lebt seit 25 Jahren hier

Katalanen gelten als heißblütig - und dann oft als reumütig

Bergstraße.Die Mentalität der Katalanen ist nach Ansicht von Monika Eifler einer der Gründe, warum in der autonomen Gemeinschaft an der spanischen Mittelmeerküste derzeit die Emotionen hochkochen: "Die Katalanen sind leidenschaftlich. Sie müssen erst einmal schreien, sonst bekommen sie Magengeschwüre. Hinterher bereuen sie es oft." Manchmal beobachtet die Dozentin an der Kreisvolkshochschule Bergstraße diese katalanische Leidenschaft auch noch bei sich selbst. "Ich glaube aber, dass ich mich mittlerweile ganz gut angepasst habe", fügt sie hinzu.

Ihre Großmutter ist Katalanin, ihr Vater halber Deutscher, ihre Mutter Italienerin. Sie selbst kam 1961 in Mannheim zur Welt, verbrachte aber ihre Kindheit und Jugend in Barcelona, wo sie eine deutsche Schule besuchte. 1979 kehrte Eifler nach Deutschland zurück, vor 25 Jahren zog sie an die Bergstraße, sie wohnt heute in Laudenbach.

Über Familie und Freunde bekomme sie einen genauen Einblick in den Konflikt um die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens, bewahre sich aber eine gewisse Distanz, sagt Eifler. Das Referendum vom 1. Oktober sieht sie als nicht legitim an. "Es verstößt gegen das spanische Gesetz", betont sie.

Auf der anderen Seite weiß Eifler, wie sehr die Bewohner der Region unter der Unterdrückung zu Zeiten Francos gelitten haben, als es verboten war, die Sprache in der Schule zu lernen und sie nur auf der Straße gesprochen wurde. "Das hat den Menschen sehr weh getan", sagt sie.

Mittlerweile sei es umgekehrt. Bis zur fünften Klasse lernten die Schüler die katalanische Sprache, erst danach komme Spanisch dran. Eiflers Ansicht nach ist das schon wieder zuviel des Guten und unfair denen gegenüber, die aus anderen Teilen Spaniens zugezogen sind und kein katalanisch sprechen. "Wir selbst sprechen zuhause spanisch, auf der Straße aber meistens katalanisch, so wie früher", berichtet sie.

Zugeständnisse zurückgenommen

Mit dem jetzigen Status ihrer zweiten Heimatregion könne sie dennoch gut leben. Ein Problem sei, dass einige der Zugeständnisse, die die spanische Zentralregierung in den 1990er Jahren gemacht hatte, später wieder zurückgenommen worden seien. "Das ärgert die Leute. Sie wollen nach vorne schauen und nicht einen Schritt vor und einen zurück machen", sagt Eifler.

Einen halben Schritt in Richtung Versöhnung habe Regionalpräsident Carles Puigdemont gemacht, als er am Dienstagabend die Ausrufung Unabhängigkeit zumindest aussetzte. Es sei schön, dass sich die Katalanen auf ihre kulturelle Identität besinnen. Dennoch wünscht Eifler sich die Einheit Spaniens.

Hoffen auf Fortsetzung des Dialogs

"Ich habe den Traum, dass es nun wirklich weitergeht mit dem Dialog, dass sich die Menschen nicht noch weiter entfremden und die Politiker sich endlich hinter die Ohren schreiben, dass sie Verantwortung übernehmen müssen", fordert Eifler. Mit den derzeitigen politischen Akteuren sei das aber kaum zu schaffen. Dies gelte für beide Seiten, für die Zentral- ebenso wie die Regionalregierung. "Ich glaube, dass Neuwahlen der beste Weg wären", ist ihre persönliche Meinung.

Derzeit könne von Einheit keine Rede sein, auch nicht innerhalb Kataloniens. "In meinem Bekanntenkreis sind ebenso Menschen, die für die Unabhängigkeit abgestimmt haben, wie welche, die für den Verbleib in Spanien demonstriert haben", beschreibt sie.

Das Wichtigste sei für viele, dass das Geld, das die finanziell stärkste Region Spaniens erwirtschaftet hat, auch dort bleibt. Es spiele aber auch Populismus eine Rolle. "Besonders junge Leute, die keine Perspektiven haben, glauben, dass alles besser wird, wenn die Unabhängigkeit kommt", erklärt die Spanisch-Dozentin. Andererseits gebe es auch viele Separatisten unter den älteren Katalanen, die die Franco-Zeit miterlebt haben. Unter ihnen sei die Hoffnung groß, dass die Europäische Union zugunsten der Unabhängigkeit eingreife. Eifler hält das für unrealistisch.

Diese Hoffnung rühre von demselben Populismus, der einige Separatisten dazu bringe, jeden misstrauisch zu beäugen, der nicht für die Löslösung von Spanien gestimmt hat. "Ein Händler, der an seinem Laden Schilder auf spanisch und nicht auf katalanisch anbringt, muss fürchten, mit Steinen beworfen zu werden", berichtet die Laudenbacherin.

Angst sei ohnehin ein Gefühl, das viele Menschen in der Region derzeit verspürten. "Mein Vater hat Angst, dass es einen Bürgerkrieg geben könnte", erzählt Eifler. Der letzte spanische Bürgerkrieg (1936 bis 1939) war unter anderem wegen der Autonomiebestrebungen Kataloniens und des Baskenlands losgetreten worden. Eiflers Vater hat ihn miterlebt.

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