Bergstraße

Reisen Zwei Insider aus der Region berichten über die Situation in ihren Betrieben / Umbuchungswünsche der Kunden stehen im Moment im Vordergrund

Kaum ein Lichtblick für eine gebeutelte Branche

Archivartikel

Bergstraße.Weltweit ist der Tourismus zusammengebrochen, Kunden stornieren ihre Reisen, Neubuchungen gibt es nur selten. Durch Demonstrationen machen Inhaber von Reisebüros und mittelständische Reiseveranstalter seit geraumer Zeit auf ihre Situation in der Corona-Krise aufmerksam und fordern mehr staatliche Unterstützung.

Über ihren Corona-Alltag und die Lage der Reisebranche hat Büroleiter Thomas Lohrbächer aus dem Holidayland Reisebüro Werner in Bensheim gegenüber dieser Zeitung berichtet, ebenso wie Johannes Fischer, Inhaber des Omnibusbetriebs der Zwingenberger.

„Wir haben momentan eingeschränkte Öffnungszeiten von 10 bis 14 Uhr“, berichtet Lohrbächer. „Gerade sind wir hauptsächlich damit beschäftigt, unsere Kunden zu informieren und für sie und ihre Fragen da zu sein.“ Viele Kunden fragen wegen Umbuchungsmöglichkeiten.

Zweiter Schlag in kurzer Zeit

Neubuchungen seien aktuell nicht an der Tagesordnung – nur einige wenige gebe es, für 2021. „Hier läuft gerade allerdings fast alles über Telefon oder E-Mail“, so Lohrbächer. Leider bleibe es bislang bei den Hilferufen nach Unterstützung aus der Branche, so der Büroleiter.

Gerade wenn über die Sommerferien hinaus – die Hauptreisezeit – nichts gehe, könnte das unter anderem für kleinere Reiseveranstalter den Ruin bedeuten. „Wir erhoffen uns Unterstützung. Erst im vergangenen Jahr waren wir von der Thomas Cook Insolvenz getroffen. Damals konnte natürlich noch keiner ahnen, dass es jetzt noch schlimmer kommen wird“, so Lohrbächer.

„Für viele aus unserer Branche ist die Existenz bedroht, denn momentan gibt es keine Einnahmen und die Ausgaben sind dennoch da.“ Auch bei Johannes Fischer in Zwingenberg stehen die Busse, seit Wochen bleiben die Einnahmen aus. Gerade durch den jungen Fuhrpark sei die Belastung groß, da die Rückfinanzierung ohne Einnahmen schwierig sei. „Teilweise gibt es Anmeldungen für Fahrten auf Weihnachtsmärkte“, berichtet Fischer – und auch generell sei der Zuspruch von Kunden groß.

Unterstützung durch Kunden

„Es haben zwar viele ihre Reisen storniert, aber nur etwa zehn Prozent wollen auch ihr Geld zurück. Die meisten unserer Kunden sagen, dass wir es zurücklegen sollen, da sie ohnehin wieder mit uns fahren werden, wenn es wieder weiter geht“, so Fischer dankbar.

Dennoch, der Zwingenberger Omnibusbetrieb habe sich auf barrierefreie Reisen spezialisiert und den Fuhrpark entsprechend ausgestattet. Das Publikum, das sie mit ihrem Angebot ansprechen, werde jedoch womöglich nicht so schnell wieder reisen, da große Teile der Risikogruppe angehören. „Alleine kann man es nicht schaffen“, so der Zwingenberger. Durch die aktuellen Optionen, die man habe, fallen weitere Kosten durch Zinsen an, die einen zusätzlich belasten.

„Wichtig wäre für uns tatsächlich auch ein Startdatum, auf das man hinarbeiten kann“, so Fischer. Wie lange die Durststrecke allerdings noch anhalte, das könne zurzeit noch niemand klar benennen.

Übergangsjob als Lkw-Fahrer

Um die Zeit ohne Einnahmen durch den eigenen Betrieb zu überbrücken habe Fischer einen Übergangsjob als Lkw-Fahrer angenommen. „Nach dem Lkw-Fahren geht es für mich dann wieder ins Büro, um zum Beispiel Kundenfragen zu beantworten.“ Der Job mache zwar Spaß, sei allerdings natürlich nur eine notwendige Übergangslösung in der Zeit des Hoffens auf Unterstützung.

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