Bergstraße

Bergsträßer Bürgerpreis Im vergangenen Jahr hat die 44-köpfige Gruppe in der Kategorie „U 25“ abgeräumt / Beiträge werden nicht erhoben – dafür kann man neue Freunde gewinnen

Kerb, Fasching, Weihnachtsmarkt: Mit der Kerwejugend Elmshausen ist immer was los

Bergstraße/Elmshausen.„And the winner is: Die Kerwejugend Elmshausen!“ Natürlich wurde bei der Preisverleihung im November in Bensheim nicht der Oscar, sondern der Bergsträßer Bürgerpreis 2018 verliehen, mit dem der Bergsträßer Anzeiger und die Sparkasse Bensheim zum fünften Mal Menschen mit dem besonderen Ehrenamts-Gen auszeichneten. Und eben diese Auszeichnung konnte die coole Truppe um Fabian Kaffenberger und Lukas Volk in der Kategorie „U 25“ einheimsen.

Völlig zurecht, wie sich beim Besuch im gemütlichen Vereinsraum der Kerwejugend im Alten Rathaus von Elmshausen und im Gespräch mit dem Vorsitzenden zeigte. Die Kerwejugend mit ihren 44 Mitgliedern zwischen 14 und 25 Jahren ist nämlich keineswegs nur eine lustig-lose Feiermannschaft. Ihr geht es in erster Linie um ein aktives Ortsleben, um eine Anlaufstelle für junge Menschen, um das Aufrechthalten beziehungsweise die Wiederbelebung von Traditionen und darum, Jugendlichen und jungen Erwachsenen attraktive Freizeitangebote zu machen.

Im Bewerbungsformular für den Bürgerpreis hieß es deshalb auch folgerichtig: „Die Jugendlichen sitzen dadurch in ihrer Freizeit nicht auf der Straße, sondern leisten einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung des Ortslebens und werden gleichzeitig in die Gemeinde integriert. Nicht selten hört man den Satz: Ohne die Kerwejugend ist in Elmshausen nix los.“

Die dreitägige Kerb und vor allem die Organisation des Kerweumzuges sind nur zwei von vielen verschiedenen Aktivitäten und Aktionen der jungen Preisträger. Vor exakt 30 Jahren noch war es mit der Traditionsveranstaltung in Elmshausen nicht eben zum Besten bestellt. Das sollte sich jedoch mit der Gründung der Kerwejugend 1989 schlagartig ändern. Ralph Kindinger und ein paar Jugendliche, darunter etliche Konfirmanden, schlossen sich seinerzeit zusammen, um wieder einen jährlichen Festzug auf die Beine zu stellen – was sie tatsächlich bis zum heutigen Tage schafften.

Wochenlang tüfteln und basteln

Jedes Jahr tüfteln und basteln die jungen Leute schon sechs Wochen vor der Kerb am zweiten Augustwochenende in den Scheunen der Elmshäuser Landwirte eifrig an Motivwagen, laden Vereine und Gruppen aus dem Ort und der Nachbarschaft zum Umzug ein, binden den Kerwekranz, montieren und schmücken den Kerwebaum, stellen Kerweparrer und -königin und nehmen in der Kerweredd die kleinen Fehltritte und Missgeschicke der Bürger aufs Korn. Die Nachkerb im Festzelt mit leckeren Kochkässchnitzeln ist ebenfalls Standard.

Alle zwei Jahre lädt die Kerwejugend gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr zu einer Faschingsveranstaltung ein. Die beiden Gruppierungen bewirten ihre Gäste und unterhalten diese mit Büttenreden, Tanzdarbietungen und dann und wann sogar mit einem kleinen Theaterstück. Auch am Teichfest des Verschönerungsvereins an Christi Himmelfahrt beteiligt sich die Kerwejugend und bewirtet die Besucher am Striethteich an einem Abend mit Getränken und Köstlichkeiten an der Bar.

Seit vier Jahren veranstaltet die Kerwejugend außerdem an einem Samstag im Advent einen kleinen Weihnachtsmarkt fürs ganze Dorf. Hinter dem Alten Rathaus – bei schlechtem Wetter in der angrenzenden Scheune – servieren die Aktiven Glühwein, Apfelpunsch, selbst gebackene Waffeln und Bratwurst. Die Idee dazu hatte der frühere Vorsitzende der Kerwejugend und Ex-Kerwepfarrer Simon Noll. Das Aufstellen und Schmücken eines Weihnachtsbaumes gehört dazu.

„An Nachwuchs mangelt es uns nicht. Immer wieder stoßen neue Mitglieder zu uns. Viele Erwachsene, die früher bei uns waren schicken jetzt ihre Kinder“, freut sich Fabian Kaffenberger, der seit vier Jahren der Kerwejugend vorsteht, über die gute Resonanz und den guten Ruf, den die Gruppe genießt. „Bei uns kann jeder mit jedem. Die Jüngeren mit den Älteren und umgekehrt. Es sind schon viele Freundschaften geknüpft worden.“

Auch wenn gerade kein Fest ansteht, trifft sich die Kerwejugend in regelmäßigen Abständen. Man unternimmt vieles gemeinsam, macht Ausflüge und organisiert einmal im Jahr ein Zeltlager. Im vergangenen Jahr ging die Reise an den Marbachstausee. Beim Winzerfestumzug in Bensheim trumpfen die Elmshäuser in ihren dunkelblauen Poloshirts mit dem Rathauswappen regelmäßig auf. Im Vorjahr landeten sie sogar bei der Prämierung der schönsten Motivwagen auf dem ersten Platz.

„Viele Menschen aus dem Ort haben uns zum Bergsträßer Bürgerpreis gratuliert. Unser Bürgermeister Andreas Heun war sogar bei der Preisverleihung dabei und hat mit uns gefeiert“, sagt Vorsitzender Kaffenberger stolz. Die Urkunde hat im Vereinsraum einen Ehrenplatz bekommen und einen Teil des Preisgeldes von 1000 Euro hat man in eine neue Musikanlage investiert. Die Kosten für die Renovierung des Versammlungsraums und die Verlegung eines neuen Fußbodens hat die Kerwejugend übrigens aus eigenen Einnahmen selbst getragen. Einige Arbeiten wurden zudem in Eigeninitiative übernommen.

Ihr 30-jähriges Jubiläum feiern die Ehrenamtlichen an der diesjährigen Kerb im August und legen sich dazu extra neue T-Shirts zu. Fabian Kaffenberger: „Eigentlich sind wir gar kein Verein, sondern eine Interessengemeinschaft. Bei uns kann jeder mitmachen, der möchte, und Beiträge erheben wir auch keine.“

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