Bergstraße

Stiftung Minister Al-Wazir bei Kübel-Projekt in Äthiopien

Kleinkredite mit großer Wirkung

Bergstraße.Welche durchschlagende Wirkung Kleinkredite haben, davon konnte sich Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir beim Besuch eines Projekts der lokalen Frauenorganisation MIRAF und der in Bensheim ansässigen Karl-Kübel-Stiftung für Kind und Familie in Äthiopien ein Bild machen. Ralf Tepel vom Vorstand der Stiftung stellte dem Minister und seiner Delegation – bestehend aus Landtagsabgeordneten und hessischen Unternehmern – einige Frauen vor, die mithilfe eines Kleinkredits ein erfolgreiches kleines Business aufgebaut haben beziehungsweise aufbauen. Mit ihrem Einkommen können sie heute ihre Familie ernähren und den Kindern eine gute Schulbildung ermöglichen.

In vier Jahren zur gemachten Frau

So wie Beletech Sisay. Die 40-jährige Äthiopierin nahm vor circa vier Jahren einen Kleinkredit auf, um Fladenbrot in Heimarbeit herstellen zu können. Heute betreibt sie eine kleine Bäckerei am Rande der Hauptstadt Addis Abeba und hat sechs Angestellte. Sisay ist heute eine gemachte Frau. Ihre Angestellten erhalten monatlich 3300 Birr (circa 100 Euro) – ein beachtliches Einkommen in Äthiopien. Sisays Kinder, drei Mädchen und ein Junge, gehen zur Schule beziehungsweise studieren. Das kann sie sich heute leisten.

„Das ist wirklich beeindruckend“, so Tarek Al-Wazir. Auch den anderen Delegationsmitglieder imponierte diese Wirtschaftsförderung von unten sehr, die unmittelbar bei einzelnen Menschen ansetzt. Und dabei ist Beletech Sisay nur ein Beispiel für viele andere Menschen, die mit wenig Geld viel erreichen. Die es mit einem Kleinkredit schaffen, eine eigene Existenz aufzubauen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

„Weil diese Wirtschaftsförderung von unten unserer Arbeitsweise entspricht, arbeiten wir seit Frühjahr 2019 mit MIRAF zusammen, damit weitere Frauen sich eine Existenz aufbauen können“, erklärte Ralf Tepel. „Wir fördern mehrere Frauenkooperativen, über die mindestens 400 Frauen durch Kleinkredite wirtschaftlich unterstützt werden. Die Frauen müssen einen Businessplan vorlegen, aus dem hervorgeht, ob die beabsichtigte Investition des Kredits erfolgversprechend ist. Der Plan wird von der Kooperative genau geprüft. Wird der Kredit vergeben, so muss er in der Regel nach sechs Monaten einschließlich Zinsen zurückgezahlt werden.“

Auf den Partner vor Ort kommt’s an

MIRAF, die Partnerorganisation der Karl-Kübel-Stiftung, hat langjährige Erfahrung mit Programmen zur Einkommensförderung von benachteiligten Frauen. Sisay nahm an einem dieser Programme teil. Bei der Finanzierung des aktuellen Projekts wird die Stiftung vom Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit sowie von der Strahlemann-Stiftung und der Arche-Noah-Stiftung unterstützt. Tepel betonte, dass diese Art der Wirtschaftsförderung von unten mit Geld allein nicht möglich sei. „Das gelingt nur, wenn die Partnerorganisation Zugang zu den Menschen in den Slums findet. Die Organisation MIRAF mit ihrer Leiterin Tigist Ayele ist so ein Glücksfall.“

Die Delegationsreise führte neben Äthiopien auch nach Kenia. Ziel war es, die beiden wirtschaftlich interessanten und reformorientierten Märkte Ostafrikas kennenzulernen und unmittelbar wirtschaftliche und politische Kontakte und Kooperationen anzubahnen.

Neben dem Besuch des Projekts der Karl-Kübel-Stiftung in Addis Abeba standen in der Hauptstadt auch ein Besuch bei der deutschen Botschafterin Brita Wagener und Termine bei Ministerien und Niederlassungen deutscher Unternehmen auf dem Programm. red

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