Bergstraße

Soziales DGB, Verdi, Attac und AWO fordern grundlegenden Kurswechsel der Politik und deutlich mehr Personal für eine bessere Pflege

Kritischer Film zum Gesundheitswesen

Bergstraße.Gut besucht war der Filmabend „Der marktgerechte Patient – in der Krankenhausfabrik“ im Café Klostergarten in Bensheim. Eingeladen hatten die Ortsverbände Bensheim und Lautertal-Lindenfels des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Bensheim, Attac Bergstraße und Verdi Bergstraße.

In dem Film kamen Ärzte, Pfleger und Patienten zu Wort. Günther Schmidl (IG Metall), Vorsitzender des DGB Bensheim, betonte in seiner Einführungsrede: „Wir brauchen einen grundlegenden Kurswechsel in der Gesundheitspolitik und deutlich mehr Personal für eine bessere Pflege und ein menschenwürdiges Gesundheitswesen. Krankenhäuser sind keine Fabriken und Patienten keine Werkstücke“.

Im Anschluss an den Film entwickelte sich eine sehr engagierte Diskussion. Horst Raupp, Regionssekretär des DGB Südhessen und dort auch für die Themen Gesundheit und Pflege zuständig, machte deutlich: „Seit der Einführung von Fallpauschalen, die jeder Erkrankung einen fixen Preis zuweisen, stehen auch die öffentlichen Kliniken unter einem extremen Kostendruck, zumal sie in Konkurrenz zu privaten Klinikkonzernen stehen“.

Der massive Kostendruck habe Auswirkungen: „Wer mit möglichst wenig Personal und möglichst geringen Kosten die Patienten abfertigt, macht Gewinn, wer sich auf die Patienten einlässt und Tariflohn zahlt, macht Verlust. Die Menschlichkeit bleibt im kommerzialisierten Gesundheitswesen zunehmend auf der Strecke. Das kann gesundheits- und lebensbedrohliche Folgen haben.“

Dauerstress und Erschöpfung

Raupp betonte, dass allein in den vergangenen 15 Jahren trotz steigender Fallzahlen 50 000 Pflegestellen in den Krankenhäusern abgebaut wurden: „Das hat gravierende Folgen für die Beschäftigten und für die Patienten“. Gepflegt werde mit viel zu wenig und zunehmend abgehetztem Personal.

Der Arbeitsalltag in der Pflege sei geprägt von Dauerstress, Arbeitshetze, Erschöpfung und Zeitdruck. „Die Kollegen arbeiten hart an der Belastungsgrenze und zum Teil weit darüber hinaus. Für viele ist die Schmerzgrenze längst erreicht.“

Raupp forderte die Abschaffung der Fallpauschalen und ein Krankenhausfinanzierungssystem, in dem Pflege nicht länger ein lästiger Kostenfaktor ist: „Wir setzen uns für ein menschenwürdiges, soziales und solidarisches Gesundheitswesen ein. Der Mensch muss im Mittelpunkt unseres Gesundheitswesens stehen, nicht der Profit“.

„Gesundheit ist keine Ware“

Die Verordnung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur Einführung von Personaluntergrenzen ist für den DGB lediglich eine „Mogelpackung“: „Statt einer viel zu niedrig angesetzten Personaluntergrenze, die zudem nur auf wenige Krankenhausbereiche begrenzt ist, brauchen wir gute und verbindliche gesetzliche Standards, die eine menschenwürdige Pflege ermöglichen. Das geht nur mit deutlich mehr Personal. Zur Bekämpfung des Pflegenotstands müssen die Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern durchgreifend verbessert und die Bezahlung deutlich erhöht werden. Wer für die Gesundheit anderer arbeitet, darf davon nicht selbst krank werden“.

Raupp forderte zudem die Abschaffung der bestehenden Zwei-Klassen-Medizin: „Jeder Mensch muss unabhängig von seinem Geldbeutel eine hochwertige medizinische Versorgung erhalten. Deutschland ist ein reiches Land und kann sich eine gute Gesundheitsversorgung und gute Kliniken leisten. Dafür machen wir uns stark.“

Hilde Kille aus Heppenheim, stellvertretende DGB-Kreisvorsitzende und Sprecherin der DGB-Gewerkschaftsfrauen im Kreis Bergstraße, die lange Jahre als Intensivschwester im Kreiskrankenhaus Heppenheim gearbeitet hat, Günther Schmidl, Vorsitzender des DGB Bensheim, Heinz Eichhorn, Vorsitzender des DGB Lautertal-Lindenfels, Kurt Manich, Vorsitzender der AWO Bensheim und Birgit Rinke, Mitglied des Sprecherkreises von Attac Bergstraße betonen: „Wir setzen uns gemeinsam für ein gutes, soziales und menschenwürdiges Gesundheitswesen ein. Gesundheit ist keine Ware“. red

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