Bergstraße

Das geistliche Wort Helfer in einem Flüchtlingscamp

Licht in der Dunkelheit

Archivartikel

Können Waschmaschinen Freude bereiten? In der Werbung sicherlich. Aber im wirklichen Leben? Einer, der mit Waschmaschinen Freude bereitet, ist Simios. Ich habe ihn auf der griechischen Insel Lesbos kennengelernt. Simios arbeitet als Freiwilliger in einem Flüchtlingscamp. Dieses Camp hatten engagierte Inselbewohner auf dem Gelände eines nicht mehr genutzten Kinderferienlagers errichtet und die Holzhütten so instandgesetzt, dass dort Flüchtlinge untergebracht werden konnten. Dieses Camp beherbergt besonders schutzbedürftige Menschen: Kranke, Mütter mit Kindern, Menschen mit Behinderung, Alte und Schwache. Das Camp wird ausschließlich von Ehrenamtlichen wie Simios betrieben. Die Behörden lassen sie gewähren, weil sie insgeheim froh sind, dass sich Menschen um die Schutzbedürftigsten unter den Flüchtlingen kümmern und weil die offiziellen Lager wie Moria heillos überfüllt sind. In diesen Lagern hat sich – Gott sei Dank – bislang niemand mit dem Corona-Virus infiziert. Das hätte eine Katastrophe zur Folge.

Simios ist in dem Camp für den Raum mit den Waschmaschinen zuständig. Das ist eine wichtige Aufgabe! Denn ein saubereres Kleidungsstück ist für Menschen, deren Habe in einen kleinen Rucksack passt, ein Segen. Das gibt Würde in einer erbärmlichen Umgebung. Wer zum ersten Mal den Waschraum betritt, dem sagt Simios dann immer: Komm, ich zeig dir was, ich zeig dir was, was du noch nie gesehen hast. Mach die Tür auf! Wenn der- oder diejenige dann den kleinen Raum betritt, ist es erstmal nur dunkel. Doch dann plötzlich erklingt Musik, eine kleine Lichtorgel springt an und wirft flackerndes Licht auf die Waschmaschinen. Es wirkt so, als ob sie zur Musik tanzen würden. Und – das ist der Clou – an der Decke dreht sich eine funkelnde Discokugel.

Ist das nicht verrückt? Ja, es ist schon ein bisschen verrückt. Aber entscheidend ist etwas anderes: Niemand kommt aus diesem Raum ohne ein Lachen oder zumindest ein Lächeln. Simios ist richtig stolz auf seine Idee. Ich denke zurecht. Denn in eine Umgebung, die gar nicht glitzert, bringt er etwas zum Funkeln. Für Menschen, denen Herzen und Seelen stumpf sind vor Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit, bringt die Musik einen Moment Freude.

„Ihr seid das Licht der Welt“, sagt Jesus in der Bergpredigt. Das gilt auch für Menschen wie Simios. Sie bringen Licht in ein Leben, das stockfinster ist.

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