Bergstraße

ÖPNV Aktion mit den Landtagswahl-Direktkandidaten Sascha Bahl und Yannick Mildner an den Bahnhöfen in Bensheim und Heppenheim

Linke fordern Nahverkehr zum Nulltarif

Archivartikel

Bergstraße.Nicht „katastrophal, aber deutlich ausbaufähig“ sei der öffentliche Personennahverkehr im Kreis Bergstraße, zieht die Partei „Die Linke“ das Fazit nach ihrer Aktion kürzlich in Bensheim und Heppenheim. Die beiden Direktkandidaten für die Landtagswahl im Kreis Bergstraße, Sascha Bahl (Wahlkreis Bergstraße-Ost) und Yannick Mildner (Bergstraße-West), führten an den Bahnhöfen mit vielen Pendlern und Reisenden Gespräche über den Status des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im Kreis. Unterstützt wurden die beiden von dem Groß-Genauer Bundestagsabgeordneten Jörg Cézanne, der als Verkehrsexperte die Vorstellungen der Partei zu einem zukunftsfähigen und für jeden bezahlbaren öffentlichen Personennahverkehr den interessierten Reisenden vermittelte.

Die Meinungen und Erfahrungen der Fahrgäste deckten sich mit dem, was der Fahrgastverband Pro Bahn wenige Tage zuvor Kommunalpolitikern in einem Vortrag vermittelte, bei dem Sascha Bahl dabei war: „Der Kreis ist Bestandteil der Metropolregionen Rhein-Main und Rhein-Neckar und verfügt als wichtiger Verkehrsknotenpunkt sowohl über Autobahnen, Bundes- und Kreisstraße als auch über Bahn- und Buslinien. Dennoch kommt man ohne Auto in den ländlichen Gebieten des Kreises oft nicht aus.“

Es gebe „deutliche Lücken“ in der Netzanbindung – und die Taktung sei vielerorts wenig bis gar nicht attraktiv. Als Beispiele dazu dienen die Strecken zwischen Mörlenbach und Heppenheim, Lampertheim und Heppenheim oder zwischen Bensheim und Groß-Rohrheim oder Gernsheim. „Deutlich zu teuer sind zudem die Fahrpreise“, so Bahl.

Keine ernsthafte Alternative

Yannick Mildner, Stadtverordneter der Stadt Heppenheim, fügt hinzu: „Besonders schwierig wird es, wenn man über die Tarifsystemgrenzen zwischen RMV und VRN fahren muss und die teure Verbundnetzkarte dort keine Gültigkeit mehr hat. Zudem sind die schwer zu durchschaubaren Tarifregelungen in der Odenwaldregion für den Tourismus eher schädlich. Daher muss es auf kurzfristige Sicht einheitliche Tarifsysteme geben und es müssen Netzlücken geschlossen werden.“

Solle der ÖPNV tatsächlich eine ernsthafte Alternative zum Individualverkehr werden, der die Umwelt schont und den Straßenverkehr entlastet, müssten langfristig deutlich mehr Investitionen in den Ausbau fließen.

Der Bundestagsabgeordnete Jörg Cézanne zeigt auf: „Um eine ökologische und sozial gerechte Alternative anzubieten, wollen wir in naher Zukunft den kostenfreien ÖPNV einführen. Dazu braucht es einen erheblichen Ausbau. Die Kommunen und ÖPNV-Verbünde, die mit einem solchen Nulltarif starten, müssen erhebliche Unterstützung vom Bund bekommen und es braucht eine bessere Bezahlung der Fahrer und des Personals.“

Yannick Mildner dazu: „Nur 37 Prozent der Kosten des Nahverkehrs werden über die Ticketpreise finanziert. Bei einem Nulltarif würden die Kosten für Kontrollen und Ticketverkauf entfallen. Es müssen auch endlich die Subventionen des Bundes für Diesel-Technologie gestrichen und die Autoindustrie in die Verantwortung genommen werden. Dazu schlagen wir eine fünfjährige Sonderabgabe vor, die zweckgebunden als ‚Abgabe zur Verbesserung der Luftqualität‘ in den ÖPNV einfließen soll.“

Sascha Bahl aus Mörlenbach führt noch einen weiteren Aspekt an: „Die Verkehrssituation in manchen Orten ist katastrophal. Das erfährt jeder, der im Berufsverkehr zum Beispiel durch Mörlenbach fahren muss. Lange Jahre warten die Bürger nun schon auf eine Umgehungsstraße und müssen sich von Wahl zu Wahl länger vertrösten lassen. Zudem wäre eine Tunnellösung deutlich ökologischer gewesen. Hier muss außerdem dringend an einem Konzept gearbeitet werden, um nach dem Ablauf des Draisinen-Projektes die Überwaldbahn zu reaktivieren.“ red

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