Bergstraße

Soziales Professor Matthias Pfeifer steht für ein Jahr als Präsident an der Spitze des Charity-Clubs

Lions hilft helfen – und zwar nachhaltig

Bergstraße.Der Stabwechsel erfolgte wie immer bei Lions: fliegend. Kontinuität wird großgeschrieben beim Bensheimer Charity-Club. Tradition hat aber auch, dass die jeweiligen Präsidenten, die immer nur ein Jahr lang amtieren, eigene Akzente setzen. Bei Matthias Pfeifer sind sie maßgeblich vom Beruf geprägt.

Der Diplom-Ingenieur ist Professor für Tragwerksplanung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Einen Namen in der Branche gemacht hat er sich zudem als Gründer eines eigenen Statik-Büros mit Sitz in Darmstadt und mehreren Niederlassungen im In- und Ausland. Zusammen mit seiner Frau trägt er in der Geschäftsführung Verantwortung für fast hundert Mitarbeiter.

Die Bandbreite der Referenzobjekte erstreckt sich von Wolkenkratzern in Istanbul, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Frankfurt am Main bis zu intelligenten Lösungen für kleinere Projekte vor der Haustür, wie die Alte Faktorei oder die historische Mittelbrücke in Bensheim.

Dass ihm kein Objekt zu groß, aber auch keins zu klein ist, unterstreicht Pfeifers Selbstverständnis. Bei aller Gigantomanie bei manchen Auftraggebern: An Pfeifers ingenieurtechnischem Credo ändert dies nichts. Den schonenden Umgang mit Ressourcen betrachtet der 63-Jährige seit eh und je als besondere Herausforderung. Sparsamen Materialeinsatz – gerade so viel Stahl und Beton wie nötig, aber so wenig wie möglich –, hält Pfeifer bei der Konzeption von Bauwerken für eine Selbstverständlichkeit.

Bauen mit neuen Werkstoffen

Nachhaltiges Bauen bedeutet für ihn freilich mehr: etwa die Einbeziehung von neuen Werkstoffen, wenn er sich am KIT zum Beispiel an Forschungen mit Pilzen oder Bambus beteiligt. Zu diesem Selbstverständnis passt auch, dass der Statik-Professor an seinem Karlsruher Institut einen postgradualen Masterstudiengang zum Schwerpunkt Altbausanierung leitet und sich im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) oder dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) um die Erhaltung historischer Bauwerke kümmert. Zum vollständigen Bild gehört zudem die langjährige Mitgliedschaft in der Ethikkommission des KIT.

Von allem etwas schlägt sich im Jahresprogramm des seit Juli als Nachfolger von Helmut Sachwitz amtierenden Präsidenten des Lions-Club Bergstraße-Bensheim nieder. Die Vorträge und Exkursionen befassen sich in ihrer Mehrzahl mit ingenieurtechnischen, kulturellen oder geschichtlichen Themen – von der Elbphilharmonie als neues Wahrzeichen von Hamburg bis zum Geo- und Naturpark Bergstraße als regionales Beispiel dafür, dass der „Mensch nur eine Momentaufnahme der Erdgeschichte“ ist.

Informationen aus erster Hand

Dazu passen die Informationen aus erster Hand, die der aus Schwanheim stammende Produktionsvorstand der Münchner BMW AG, Oliver Zipse, zur „Zukunft der individuellen Mobilität im Spannungsfeld von Technik, Regulator und Kunde“ beim heutigen Clubabend gibt.

Mächtig Eindruck hinterließen unlängst fünf Studierende von Pfeifers Karlsruher Institut, die sich als „Engineers without Borders“ in Dritte-Welt- und Schwellenländern um nachhaltige technische Lösungen wie beispielsweise den Bau und Betrieb eines Wasserkraftwerks im Kongo oder die Nutzung von Bioenergie für die Stromversorgung eines Gemeindezentrums in Indien kümmern. Gut möglich, dass sich die Bensheimer Lions bei einem von ihnen noch auszudeutenden Projekt der jungen „Ingenieure ohne Grenzen“ einbringen – getreu dem Club-Motto: „We serve, wir leisten einen Dienst“. Und der geht oft über die bloße Finanzspritze hinaus – etwa, wenn Ausflüge für benachteiligte Schülerinnen und Schüler organisiert, die Kinder der Tafel mit Weihnachtspaketen beglückt oder die Besten eines jeden Abiturjahrgangs zum Stipendium „Globalisierte Arbeitswelt“ eingeladen werden.

Insgesamt summieren sich die Ausgaben für die unterschiedlichsten Aktivitäten auf rund 30 000 Euro im Jahr. Das Geld stammt aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden sowie dem Erlös von Einnahmen-Aktivitäten wie dem Getränkeverkauf beim Bergsträßer Jazz-Festival, der Durchführung eines Benefiz-Golfturniers, der Organisation eines vorweihnachtlichen Konzerts mit preisgekrönten Nachwuchsmusikern und einem viertägigen Einsatz beim Bensheimer Weihnachtsmarkt. Zum Sortiment gehören dort neben Glühwein und einer deftigen Suppe traditionell Selbstgebackenes, selbst eingeweckte Marmeladen und Gelees sowie künstlerisch gestaltete Bastelarbeiten unter Anleitung von Clubmitglied Siegfried Speckhardt.

Neben den altbewährten Aktivitäten, die weitergeführt werden, sollen neue Projekte in Angriff genommen werden. Welche. Das entscheiden die Mitglieder nach definierten Kriterien. Der Anspruch lautet: Nicht in erster Linie einen Scheck überreichen, sondern – wo immer sich dies anbietet – eigene Arbeit investieren und geförderte Aktivitäten mit Know-how und persönlichem Engagement begleiten. sl

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