Bergstraße

Ausblick Die Kreishandwerkerschaft Bergstraße hat ihre Erwartungen und Forderungen für das Jahr 2020 formuliert

Mehr Anerkennung für das Handwerk

Bergstraße.Klimaschutz, Fachkräftemangel und Bildung: Zu diesen und weiteren Themen hat die Kreishandwerkerschaft Bergstraße ihre Erwartungen an das laufende Jahr 2020 formuliert. „Weite Bereiche unserer Gesellschaft befinden sich in einem tiefgreifenden und beschleunigenden Wandel. Das Handwerk leistet in diesem komplexen Umfeld einen wichtigen Beitrag: Familiengeführte Betriebe wirtschaften nachhaltig, nehmen Verantwortung für ihre Region wahr, schaffen Arbeitsplätze und qualifizieren junge Menschen auf hohem Niveau“, schreibt der Verband.

Für 2020 erwarte das Handwerk ein überdurchschnittliches Umsatzwachstum von gut drei Prozent. „Damit zeigt das Handwerk wieder einmal seine wichtige Funktion als Stabilitätsanker“, heißt es in der Mitteilung weiter. Doch auch internationale Unsicherheiten machen sich laut Kreishandwerkerschaft bemerkbar, etwa im industrienahen oder im Kfz-Handwerk. Vier Punkte wurden besonders betont.

Klimapaket: „Es war richtig von der Bundesregierung, das Klimapaket anzugehen. Enttäuschend ist, dass kein schlüssiges Gesamtkonzept vorgelegt wurde“, so die Kreishandwerkerschaft. Bei E-Mobilität, Smart Home oder energetischer Sanierung sehe man allerdings auch Chancen für das Handwerk.

„Mit den steuerrechtlichen Maßnahmen wird endlich ein wichtiges Förderinstrument im Gebäudesektor wirksam und dürfte zu signifikanter Nachfrage bei energetischen Sanierungsmaßnahmen führen“, heißt es weiter. Für die Handwerksbetriebe bedeute die CO2-Bepreisung steigende Betriebskosten. Die Entlastung bei der EEG-Umlage werde das nicht kompensieren. „Die Hintertürchen, die sich der Gesetzgeber offengelassen hat, verhindern die verlässliche Planung von Investitionen in den Klimaschutz“, so der Verband.

Fachkräftemangel: Gut neun Wochen dauert es laut Kreishandwerkerschaft durchschnittlich im Gesamthandwerk, bis ein Auftrag erfüllt werden kann. „Die Betriebe arbeiten an ihren Kapazitätsgrenzen und müssen immer öfter Aufträge absagen, weil Auszubildende, Gesellen und Meister fehlen. Nachwuchsgewinnung ist der Schlüssel zur Zukunft“, heißt es weiter.

Der jahrelange Werbefeldzug für Abitur und Studium treibe inzwischen fast 60 Prozent der Schulabgänger in die akademische Ausbildung – „dabei liegen die Einkommen von Handwerksmeistern im Verlauf des Berufslebens gleichauf mit denen von Bachelor-Absolventen. Und dass man mit einem Meister in der Tasche arbeitslos wird, ist weniger wahrscheinlich als mit einem akademischen Abschluss“, schreibt die Kreishandwerkerschaft Bergstraße.

Berufliche Bildung: Für die berufliche Ausbildung und die Tätigkeit als qualifizierte handwerkliche Fachkraft fordern die Aktiven wieder mehr gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung. „Dazu müssen in den Schulen neben den kognitiven Fähigkeiten auch die praktisch-handwerklichen in den Schulalltag integriert werden, etwa durch die Einführung von Werkunterricht oder des Querschnittfachs Polytechnik zum Erwerb von grundlegenden handwerklichen und technischen Fertigkeiten“, fordern die Bergsträßer. Zudem müsse die ganzheitliche Berufsberatung intensiviert werden.

Wiedereinführung der Meisterpflicht: Einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung leistet nach Ansicht der Kreishandwerkerschaft die Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Gewerken. „Wir sind überzeugt, dass sich die Kunden wieder auf Qualitätshandwerk, hochwertige Produkte und Dienstleistungen verlassen können. Der für das Handwerk so typische Wissenstransfer von einer Generation an die nächste wird dort wieder in Gang gebracht. Mit mehr Betrieben und mehr Meistern erwarten wir hier wieder mehr Ausbildung und damit eine Verbesserung der Fachkräftesituation“, heißt es abschließend. zg

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