Bergstraße

CDU-Mittelstandsvereinigung Kritik an verkehrspolitischer Untätigkeit

„Mehr Güter mit der Bahn transportieren“

Bergstraße.Mit Erfolg hat die Mittelstandsvereinigung (MIT) Bergstraße das Thema einer zuverlässigen Verkehrsinfrastruktur für die mittelständische Wirtschaft auf Bundesebene platziert. Ein Antrag zu einer wirksamen Steigerung des Güterverkehrs auf der Schiene fand bei der Bundesversammlung der Mittelstandsvereinigung in der vergangenen Woche in Kassel eine große Mehrheit.

„Erschreckend unambitioniert“

Funktionierender staufreier Verkehr ist für viele Mittelständler überlebenswichtig. Sie sind in einer getakteten Industrie oftmals darauf angewiesen, dass ihre produzierten Güter rechtzeitig beim Kunden sind, andernfalls drohen Umsatzeinbußen oder Strafzahlungen. In der Realität kämpfen viele Lieferungen vor allem in Ballungsgebieten mit Staus und Verzögerungen auf der Straße.

Seit Jahrzehnten wird die Verlagerung von Güterverkehr von der Straße auf die Schiene in der Politik gefordert, passiert ist bislang allerdings wenig. Vor allem in Zeiten, in den über notwendige CO2-Reduzierung diskutiert werde, seien die Maßnahmen seitens der politisch Verantwortlichen „erschreckend unambitioniert“, Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern.

„Forderungen reichen nicht“

„Nur von Forderungen, dass die Quoten gesteigert werden müssten, wird keine Tonne Transportgut auf die Schiene verlagert, so lange die Kapazitäten dort nicht vorhanden sind“, so Matthias Wilkes, Kreisvorsitzender der MIT Bergstraße. Der Lkw-Verkehr nehme weiter stark zu, während Güterverkehr über die Schiene seit Jahren stagniere.

„Das größte Problem für den Güterverkehr auf der Schiene ist die Unzuverlässigkeit, der im deutschen Bahnsystem begründet liegt“, erläutert Alexander Bode, stellvertretender Kreisvorsitzender, der beruflich unter anderem Logistikdienstleister berät.

In Deutschland teilen sich Güter- und Personenverkehr ein Gleis, wobei der Personenverkehr immer Vorrang habe. Dies führe vor allem in Ballungszentren dazu, dass Güterzüge teilweise stundenlang warten müssten, bevor sie die Freigabe zur Weiterfahrt erhalten. „Dadurch ist der Güterverkehr für den Kunden zeitlich völlig unkalkulierbar“, so Bode abschließend.

Eigenständige Güter-Gleise

Die MIT Bergstraße möchte diesem Problem mit eigenständigen Güterverkehrsgleisen begegnen und hat dazu den Antrag formuliert, bei künftigen Planungen neuer Fernverkehrsgleise immer sofort ein separates Güterverkehrsgleis mit zu planen. In dem Antrag, der jetzt auf Bundesebene beschlossen wurde, heißt es dazu: „Großbaustellen mit Planfeststellungsverfahren und Bauzeiten, die insgesamt über 20 Jahre dauern, erfordern eine Bündelung und Nutzung aller schon zur Verfügung gestellten Planungs- und Baukapazitäten. Wenn Schienenwege neu geplant und gebaut werden, muss gleichzeitig immer auch der zukünftige Bedarf für den Güterverkehr mit gedacht werden.“

Nur durch eine Entzerrung von Personen- und Güterverkehr könne für beide Bereiche die Zuverlässigkeit nachhaltig erhöht werden, zeigt sich der MIT Kreisverband überzeugt. „Die Zusatzkosten und der Planungsaufwand sind im Vergleich zum Nutzen für die gesamte Volkswirtschaft und auch unser Klima vernachlässigbar“, erläutert Matthias Wilkes. red

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