Bergstraße

Religion Eckdaten des kirchlichen Lebens bei Katholiken und Protestanten / Statistik für das vergangene Jahr liegt vor

Mehr Kirchenaustritte, aber auch mehr Taufen

Bergstraße.Wer in Hessen aus der Kirche austreten will, für den ist dieser Schritt heute leichter zu vollziehen als früher. Das im vergangenen Jahr vereinfachte Verwaltungsverfahren, das den Austritt in Bürgerämtern möglich macht, ist aus Sicht der Statistikexperten bei der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) der Hauptgrund dafür, dass die Zahl der Kirchenaustritte im Jahr 2017 wieder auf 15 595 Menschen angestiegen ist, nachdem sie zwischen 2013 und 2016 von rund 20 000 auf nur noch 13 882 zurückgegangen waren.

Nicht nur viele protestantische Gläubige kehren ihrer Kirche den Rücken, sondern auch zahlreiche Katholiken: Im Bistum Mainz traten im ergangenen Jahr 6338 Menschen aus der Kirche aus. Die Zahlen gehen aus den Statistiken hervor, die kürzlich das Bistum und die EKHN veröffentlicht haben.

Im Südzipfel von Bistum und EKHN

Der Kreis Bergstraße liegt sowohl bei der evangelischen wie bei der katholischen Kirche im Südzipfel der jeweiligen Gliederung – wobei das Bistum Mainz von einem Streifen durchtrennt wird, der zum Bistum Limburg gehört.

Die Gesamtstatistik der hessen-nassauischen Kirche weist für 2017 aus, dass die Zahl der Trauungen mit 3570 auf dem Niveau des Vorjahrs (3582) blieb. Die Zahl der Kindertaufen stieg auf 11 989 gegenüber 11 771 im Vorjahr leicht an. 3016 Erwachsene traten in die evangelische Kirche ein. Insgesamt hatte die EKHN mit Stichtag 31. Dezember 2017 rund 1,55 Millionen Mitglieder. Ein Jahr zuvor waren es noch 1,58 Millionen.

Im Bistum Mainz ist die Zahl der Mitglieder der katholischen Kirche im Jahr 2017 gegenüber dem Jahr 2016 um fast 11 000 gesunken. Dies ist in erster Linie der Zahl der Kirchenaustritte sowie der Sterbefälle geschuldet, die die Zahlen der Taufen und (Wieder-)Eintritte übersteigt. Wie im vorangegangenen Jahr sind auch 2017 über 6000 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten.

Weniger langfristige Bindungen

Die Bereitschaft, sich langfristig an große Institutionen wie etwa Gewerkschaften oder Parteien zu binden, nimmt bei vielen Menschen ab. Dies hat auch Auswirkungen auf die Kirchen, wie in soziologischen Untersuchungen festgestellt wurde – so auch in der jüngsten Studie zur Kirchenmitgliedschaft der evangelischen Kirche in Deutschland.

Der katholische Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sagte bei der Vorstellung der statistischen Zahlen für 2017: „Der Austritt aus der Kirche ist sicherlich der letzte Schritt, dem eine längere Zeit der Entfremdung vom Leben und vom Glauben der Kirche vorausgeht.“ Daneben könnten auch Verärgerung und schlechte persönliche Erfahrungen mit der Kirche eine Rolle für diese Entscheidung spielen. Kohlgraf weiter: „Für uns verbindet sich damit die pastorale Frage, wie wir diejenigen besser ansprechen können, die zwar (noch) Kirchenmitglieder sind, aber nicht mehr regelmäßig am kirchlichen Leben teilnehmen: Wie können wir ihnen signalisieren, dass sie dazugehören und willkommen sind? Und es bleibt eine pastorale Aufgabe, allen Ausgetretenen deutlich zu machen, dass wir immer zum Gespräch bereit sind.“

Andere Zahlen – wie etwa zu Taufe, Erstkommunion und kirchlicher Eheschließung – zeigten, dass die Kirche auch heute Menschen in vielen Lebenszusammenhängen begleite und viele Menschen auch diese Begleitung suchten und annähmen. Kohlgraf abschließend: „Als Bischof bin ich dafür sehr dankbar. Allen, die unserer Kirche die Treue halten, und allen, die unser Wirken tragen.“

Zahlen zu evangelischen Kitas

Zusammen mit der turnusmäßigen Abfrage der statistischen Daten in der hessen-nassauischen Kirche für das zurückliegende Jahr wurde von der EKHN auch eine Befragung zu den evangelischen Kindertagesstätten durchgeführt. Danach bietet die Kirche in ihren 595 Kindertagesstätten für insgesamt 44 169 Mädchen und Jungen Plätze an. Fast 40 000 davon waren im vergangenen Jahr auch belegt. Das ist das Ergebnis einer umfassenden Befragung in allen 1135 Kirchengemeinden in der EKHN. Die Kinder werden dabei von über 5800 Fachkräften betreut – die damit die größte Berufsgruppe in der EKHN sind.

Ein buntes Bild ergibt die Religionszugehörigkeit der Kinder in evangelischen Einrichtungen. Demnach gehören 40 Prozent der evangelischen Kirche an. 16 Prozent sind katholisch, 13 Prozent muslimisch und 22 Prozent ohne Konfession. Neun Prozent gehören anderen Glaubensgemeinschaften an oder haben zur Religionszugehörigkeit keine Angaben gemacht.

Weit mehr als ein Drittel des in evangelischen Kitas angemeldeten Nachwuchses hat einen Migrationshintergrund. In den Blick genommen wurden auch die Deutschkenntnisse, die bei über 12 000 Kindern als deutlich verbesserungswürdig eingestuft wurden. Rund 45 Millionen Euro an Eigenmitteln bringt die EKHN für die Kitas auf, deren Haushalte zusammen insgesamt 655 Millionen Euro umfassen.

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