Bergstraße

Mobilität Igor Smeljanski machte mit seinem Elektro-Tretroller Halt in Bensheim / Auf der Reise möchte er Aufklärungsarbeit leisten

Mit dem E-Scooter 1200 Kilometer quer durch ganz Deutschland

Bergstraße.Am 1. August ging es für die „Scooter-Experten“ in Weil am Rhein an der Schweizer Grenze los. Das Ziel: Das 1200 Kilometer entfernte Kiel. Das Transportmittel: Ein E-Scooter, geladen mit Ökostrom.

Seit dem 15. Juni 2019 sind sie auf Deutschen Straßen zugelassen – und in größeren Städten wie Frankfurt, Heidelberg und Mannheim sieht man die elektrobetriebenen Roller inzwischen immer häufiger. Das Team der „Scooter-Experten powered by eprimo“ möchte auf seiner Reise durch Deutschland über die Gefährte aufklären und an verschiedenen Stationen mit Fachleuten und interessierten Bürgern über E-Mikromobilität und Nachhaltigkeit diskutieren. Mikromobilität steht für kleine, leichte, hauptsächlich elektrische Fahrzeuge wie E-Scooter, Hoverboards oder Segways, die sowohl im städtischen Bereich als auch für den Weg zum Bahnhof oder für kurze Strecken im ländlichen Raum ihre Anwendung finden.

Der E-Scooter „Metz Moover“, mit dem das Team unterwegs ist, verspricht auf den ersten Blick Umweltfreundlichkeit und viele Vorteile, um kurze Strecken zurückzulegen: Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h fährt er mit einer Akkuladung bis zu 25 Kilometer. Aufgeladen werden kann er an einigen städtischen Ladestationen oder Zuhause an der ganz normalen Steckdose. Er darf ab einem Mindestalter von 14 Jahren gefahren werden, ein Führerschein ist nicht erforderlich.

Nur knapp vier Euro Stromkosten

Auf der ganzen Strecke von der Schweiz bis nach Kiel verbraucht der Scooter lediglich 13 Kilowattstunden (kWh) zu Stromkosten von 3,88 Euro. Zum Vergleich: Ein Elektroauto „frisst“ etwa 20 kWh Strom auf 100 Kilometer; für die gesamte Strecke wären das 240 kWh zu Stromkosten von etwa 71,60 Euro. Ein benzinbetriebenes Auto hätte für die Strecke Spritkosten von ungefähr 113 Euro. Natürlich dauert die Fahrt mit dem Auto lange keinen ganzen Monat wie mit dem E-Scooter, mit dem Igor Smeljanski unterwegs ist. Bis zum 30. August möchte er am Ziel sein. Doch für ihn steht auch weniger die Strecke an sich als vielmehr die Aufklärungsarbeit im Vordergrund.

Umweltbelastende Herstellung

In Bensheim machte der 23-Jährige Halt und sprach während des 90-minütigen Ladevorgangs des Gerätes mit Guido Carl, dem Vorsitzenden des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Bergstraße.

Ganz unumstritten sind die Fahrzeuge nicht. Auch der BUND sieht die Entwicklung kritisch und Carl fragt gleich zu Beginn des Gesprächs nach der umweltbelastenden Herstellung der Tretroller, die Carl noch eher als „Funsportgerät“ sieht und weniger als umweltschonende Fortbewegungsmöglichkeit für den alltäglichen Gebrauch. „Unser E-Scooter wurde in Deutschland hergestellt. Bis auf den Akku“, sagt Smeljanski, der im Innovationsteam des Stromanbieters eprimo arbeitet. Er gibt zu, dass die Herstellung der Akkus nicht optimal ist, denn dazu werden Rohstoffe wie Nickel, Kobalt und Lithium verwendet, die nur unter großen Umweltbelastungen zutage gefördert werden können. „Da frage ich mich: Wie hält sich das die Waage?“, entgegnet Guido Carl. „Für mich ist das nicht die Lösung“, sagt er weiter. Da sind sich die beiden Männer einig.

Das Hauptziel sei eher, dass E-Scooter zu einer Ergänzung zum Nahverkehr werden, erklärt der „Scooter-Experte“. Der BUND-Vorsitzende Guido Carl spricht sich zwar nicht gänzlich gegen die Fahrzeuge aus, sagt aber: „E-Scooter können ein kleiner Teil der Energiewende sein, aber kein großer.“

Gemischte Gefühle beim BUND

Aber noch etwas anderes ließ der Natur- und Umweltschützer nicht unerwähnt: Nämlich die Tatsache, dass der Stromanbieter eprimo, in dessen Namen die Tour nach Kiel stattfindet, ein Tochterunternehmen von RWE, dem zweitgrößten Energiekonzerns Deutschlands, ist. Im Jahr 2018 produzierte der deutsche Energieversorger RWE 38 Prozent (67 Terawattstunden) seines Stroms aus Braunkohle. Das stößt dem Klimaschützer, der den Kohleausstieg fordert, sauer auf. Er zeigt nur wenig Verständnis dafür, dass Vertreter des Ökostromanbieters eprimo in „grünen Jacken“ unterwegs sind, obwohl der Anbieter eigentlich zu einem Unternehmen gehört, dass seinen Strom hauptsächlich aus dem Kohleabbau produziert. Trotzdem, und das betont Guido Carl ausdrücklich, ist es natürlich wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten und mit vielen Menschen über die Energiewende zu sprechen.

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