Bergstraße

Bergsträßer Bürgerpreis 2019 Der Bensheimer Elias Chalwatzis wurde in der Kategorie U 25 ausgezeichnet / Sein Thema sind Naturwissenschaften, aber auch der Glaube

Mit knalligen Experimenten den Forschergeist wecken

Bergstraße.Elias Chalwatzis ist ein durch und durch friedlicher, zurückhaltender junger Mann. Trotzdem bekommt er leuchtende Augen, wenn es zischt, kracht, knallt und qualmt – und ab und zu zieht er vor Publikum eine spektakuläre Show ab. Nicht aus Eigennutz, versteht sich. Und schon gar nicht, um Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen.

Der 23 Jahre junge Mann aus Bensheim studiert Chemie an der TU Darmstadt und ist Überzeugungstäter, der seine Begeisterung für Naturwissenschaften mit den Menschen teilen und sie in ihnen wecken möchte. Seine Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche: „Es ist sinnvoll und macht jede Menge Spaß.“ Dazu gehöre auch, dass man demonstriere, wie man mit gefährlichen Situationen umzugehen habe, damit niemand zu Schaden kommt.

Kaviar aus Saft und Popcorn

Mit knalligen Experimenten, die so gar nicht in das übliche Schema eines Chemie- oder Physikunterrichts passen, will er junge Menschen begeistern, neugierig machen und deren Forschergeist wecken. Dass ihm das bestens gelingt, hat er im Vorjahr bei zwei Vorführungen im Naturschutzzentrum Bergstraße und am Goethe-Gymnasium Bensheim unter dem Titel „Coole Küchen-Experimente“ bewiesen.

Elias Chalwatzis lädt Schüler und Jugendliche zum Mitmachen ein. Er lässt sie Backpulverraketen bauen, künstlichen Kaviar aus Säften, Popcorn und Speiseeis herstellen und verrät, wie eigentlich eine Mehlstaubexplosion funktioniert und warum Rotkohl – der auch Blaukraut genannt wird – neben blau und lila auch grün sein kann. Konzipiert hat er das Spektakel – das nach einer Fortsetzung geradezu schreit – gemeinsam mit seinem Mentor Markus Bissinger. Mit den Einnahmen aus den Veranstaltungen fördert Elias Chalwatzis unter anderem „Jugend forscht“-Projekte.

Auf die Frage nach seinem Hobby muss er keine Sekunde lang überlegen und antwortet wie aus der Pistole geschossen: „Es gibt nur das Ehrenamt.“ Für sein ehrenamtliches Engagement wurde der Masterstudent Ende des vergangenen Jahres in der Nachwuchskategorie U 25 mit dem Bergsträßer Bürgerpreis 2019 ausgezeichnet.

„Co-Prediger“ in Zwingenberg

Dass er in seiner Kategorie der einzige Bewerber war, schmälert die Verdienste von Elias Chalwatzis kein bisschen – vor allem auch deshalb, weil er sich nicht nur auf seine naturwissenschaftlichen Motivationsschübe konzentriert, sondern auch auf einem ganz anderen Gebiet tätig ist, das eine entgegengesetzte Seite von ihm zeigt. Der 23-Jährige, der von sich selbst sagt, ein gläubiger Mensch zu sein und den Glauben als „Grundlage alles Seins, auch der Naturwissenschaften“ bezeichnet, ist aktiv in der katholischen Kirche Zwingenberg – und das nicht nur als Messdiener.

Seit etwa vier Jahren ist er so etwas wie ein „Co-Prediger“, ein ehrenamtlicher Freiberufler, der gemeinsam mit Pfarrer Äneas Opitek im Dialog in sonntäglichen Gottesdiensten und an Feiertagen zur Gemeinde spricht.

Fragen nach dem Sinn des Lebens

Die Bedeutung von Religion in unserem naturwissenschaftlichen Zeitalter zu hinterfragen und zu verdeutlichen, sich mit Fragen nach dem Sinn des Lebens zu beschäftigen, reizen den Studenten an seiner kirchlichen Arbeit, die ihm „extrem viel bedeutet“ und mit der er Impulse setzen will. In Absprache mit dem Geistlichen gestaltet der Student ab und zu Predigten und spricht zu den Kirchenbesuchern: „Jeder bringt seine eigenen Gedanken ein.“

Des Weiteren bereitet er Jugendgottesdienste mit vor und beteiligt sich aktuell an der Organisation eines TV-Gottesdienstes, den das ZDF am 27. Dezember live aus der Zwingenberger Kirche übertragen will. Ganz nebenbei verrät Elias Chalwatzis im Gespräch, dass er seit vielen Jahren den Lesern des Bergsträßer Anzeigers im Bezirk 6 und 7 in Zwingenberg ihre Tageszeitung in die Briefkästen steckt. Mit dem Fahrrad samt Anhänger radelt er jeden Werktag um halb drei Uhr in der Früh los. „Ich brauche die Bewegung. Es tut mir gut“, verrät er lachend.

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