Bergstraße

Abfallwirtschaft Tonnenweise Fremdstoffe wie Plastik im Bioabfall erfordern großen Aufwand beim ZAKB

Müll im Müll treibt die Gebühren hoch und schadet der Umwelt

Bergstraße.Der Zweckverband Abfallwirtschaft Kreis Bergstraße (ZAKB) betreibt einen enorm hohen Aufwand, um Fremdstoffe aus dem Bioabfall zu entfernen. Wie Pressesprecher Marc Röllich auf Nachfrage dieser Redaktion erklärt, koste das sehr viel Zeit, Personal und Geld. Vor allem der Anteil an Kunststoffen sei bedenklich. Die Verunreinigung des Biomülls mit Plastik sei seit Jahren auf einem bleibend hohen Niveau. Nicht zuletzt treffe der Aufwand des Aussortierens den Gebührenzahler, so Röllich.

Die Mitarbeiter des Zweckverbands haben im vergangenen Jahr mit ihren 51 Fahrzeugen 1,2 Millionen Kilometer im Kreisgebiet zurückgelegt – und dabei unter anderem 28 400 Tonnen Bioabfall eingesammelt. Dabei lasse sich das Gewicht des Plastiks darin nicht exakt erfassen, erklärt Marc Röllich.

2800 Tonnen Fehlwürfe

Denn außer den Kunststoffen seien weitere Fremdkörper in den Fuhren – Holz in zu großen Abmessungen etwa. Und weil der Biomüll für seine Weiterverwertung in der Biogasanlage auf dem Heppenheimer Wertstoffhof gesiebt werde, bleibe am Ende eine einzige Masse an Reststoffen übrig. Dieser Rest heißt im Jargon Siebüberlauf. Er mache jedes Jahr zehn bis zwölf Prozent der Gesamtmenge des Bioabfalls aus, so Röllich. Bei 28 000 Tonnen 2019 immerhin 2800 Tonnen an Fehlwürfen, der Großteil Plastik.

Diese enorm verschmutzten Kunststoffe seien zudem nicht fürs Recycling geeignet, sagt ZAKB-Sprecher Röllich. Dieser Müll müsse in den Müllheizkraftwerken Darmstadt oder Mannheim verbrannt werden. Dass sich die Wertstoffe nicht mehr zur Wiederverwertung eigneten, sei auch in ökologischer Hinsicht zu beanstanden, erklärt der Verband.

Die Mehrkosten aufgrund des hohen Fremdstoffanteils wie Plastik im Biomüll waren laut Röllich „einer der wesentlichen Gründe für die letztjährige Gebührenanpassung“, so Marc Röllich. Problematisch seien hierbei die Verbrennungspreise, die sich seit Inbetriebnahme der Biogasanlage nahezu verdreifacht hätten. Hinzu kämen höhere Anforderungen an die Materialaufbereitung aufgrund der Düngemittelverordnung. Diese erschwere die Ausbringung auf die Felder, was ebenfalls zu Mehrkosten führe, erklärt der Verbandssprecher. Der ZAKB appelliert an dieser Stelle erneut an die Verbraucher, den Abfall konsequent zu trennen.

Eine allgemeingültige Erklärung für die Ursachen der Verunreinigung des Bioabfalls hat der Verband nicht. Es handle sich vermutlich um Unachtsamkeiten und ein gewisses Unbehagen, sich die Finger schmutzig zu machen. Deshalb lande beispielsweise verschimmeltes Toastbrot mit Verpackung in der Biotonne, sagt Röllich. Oder eben die Oliven, die im Kühlschrank vergessen wurden, samt Glas.

Wer seinen Biomüll in laut Beschreibung kompostierbaren Plastiktüten in die Tonne gebe, handle in guter Absicht und habe natürlich weniger Reinigungsaufwand. Allerdings zersetzten sich diese Tüten in der Biogasanlage viel zu langsam und müssten mit dem Siebüberlauf verbrannt werden.

Der ZAKB sammelt im Kreis Bergstraße mit rund 130 Containern Altkleider und Schuhe. Das Material wird an Recycling-Unternehmen weitergegeben. Hier macht Röllich auf eine ganz besondere Problematik aufmerksam – das Fast-Fashion-Phänomen. Seine Erklärung: Viel Ketten brächten in immer kürzeren Abständen neue Mode auf den Markt, dies noch dazu in immer schlechterer Qualität. Diese Mengen müssten eben auch immer schneller entsorgt werden. Röllich: „Der Gedanke vieler Verbraucher, Kleiderspenden unterstützten Bedürftige auf der ganzen Welt, trifft für die meisten Kleidungsstücke seit langer Zeit nicht mehr zu.“

Wer wolle, dass gute Kleidung Menschen erreiche, solle seine Stücke der Kleiderkammer oder den Second-Hand-Läden übergeben. Preiswerte Synthetik-Fasern und Mischstoffe eigneten sich hingegen kaum noch für die Herstellung von Putzlappen oder für die Faserrückgewinnung.

Windeln und Teppiche

Und – wie beim Biomüll – die Altkleider-Container seien voller Fehlwürfe, erklärt Pressesprecher Röllich. Es fänden sich darin Kuscheltiere, Teppiche, aber auch Bücher und Elektrogeräte. Häufig seien die Sachen auch nicht wie gewünscht in Säcke verpackt, was ebenfalls Sortierarbeit bedeute.

Der Altkleidermarkt befände sich seit Monaten in einem Abwärtsstrudel, sagt der Pressesprecher des ZAKB. Und die Corona-Krise habe ihn nun nahezu kollabieren lassen. Marc Röllich auf die Frage, ob der Zweckverband Abfallwirtschaft Bergstraße erwägt, die Altkleider-Sammlung einzustellen: „Der Vorstand hat entschieden, die Situation weiterhin zu beobachten und zu einem gegebenen Zeitpunkt weitere Entscheidungen zu treffen. /sm

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