Bergstraße

Tongruben Bedrohtes Biotop im Norden Heppenheims / Umweltschützer setzen auf Kommunikation

Naturschützer verärgert über Hundehalter

Archivartikel

Bergstraße.Schon von weitem fallen sie ins Auge, die gelben Plastiktüten mit Hundekot, die zwischen den Ästen der Bäume hängen oder achtlos hingeworfen am Wegesrand liegen. Bei der Begehung des Naturschutzgebiets Tongruben im Nordwesten Heppenheims wurde schnell klar, was den Umweltschützern vom Förderverein des Biotops derzeit die meisten Sorgenfalten auf die Stirn treibt: Wie Besucher dazu gebracht werden können, ihre vierbeinigen Freunde nicht zur Belastung für die Fauna und Flora in der Grünen Oase werden zu lassen. „Seltene Gäste wie der Brachvogel fliehen sofort beim Anblick eines Hundes“, klagt Günther Hagemeister, Vogelkundler und Vorsitzender des Fördervereins.

Bessere Vernetzung angestrebt

Zur Begehung hatte neben Hagemeister auch der Kreisbeigeordnete Karsten Krug eingeladen, der sich mit den Bergsträßer Umweltinitiativen besser vernetzten will. Mit dabei waren auch Henriette Wache vom Regierungspräsidium Darmstadt, Werner Kluge vom Forstamt Lampertheim, das mit der Gebietsbetreuung beauftragt ist, sowie Jagdpächter Hans-Jürgen Goss. Sie alle treibt die Frage um, wie die Besucherströme besser gelenkt werden können – vor allem angesichts der in unmittelbarer Nachbarschaft entstehenden Baugebiete mit mehreren Hundert Wohneinheiten – und vielen neuen Spaziergängern und Hunden.

„Wir haben einen Werksvertrag mit einem Hersteller von Infotafeln geschlossen“, teilte Wache mit. Die neuen Schilder würden aber wohl erst 2020 aufgestellt. Solange müssen die bisherigen weiß-grün-schwarzen Hinweisschilder mit den Vogelsymbol ausreichen, die das Areal als Schutzgebiet ausweisen. Passanten müssen nahe an sie herantreten, um den Appell zu entziffern, Hunde anzuleinen und auf den Wegen zu bleiben – wie es in derartigen Arealen mit der Bezeichnung Natura 2000 eigentlich Pflicht ist.

Ein gewisses Verständnis

Hagemeister glaubt ohnehin, dass Schilder alleine nur einen begrenzten Effekt haben. Oft würden sie ignoriert. Spreche er Hundehalter an, die ihre Tiere etwa auf der Schlüsselblumenwiese neben dem Teich herumtollen oder auch im Erdreich herumwühlen lassen, müsse er sich manchmal noch Frechheiten oder gar Drohungen anhören. Am liebsten würde er am Jägerteich, an dem seit dem vergangenen Jahr eine Aussichtshütte steht, einen Schafszaun errichten lassen, sagt Hagemeister. Das müsste allerdings mit Förstern und den Eigentümern der angrenzenden Wiesen abgesprochen werden. Auf der anderen Seite hat er auch ein gewisses Verständnis für die Hundehalter. Es gebe nur noch wenige Wiesen, die sie mit ihren Haustieren aufsuchen könnten.

Wache will zunächst einmal auf Kommunikation setzen. Eine Kampagne mit Broschüren habe etwa in einem anderen Schutzgebiet bei Viernheim sehr positive Ergebnisse gebracht. Sie wolle künftig auch verstärkt den Kontakt zu den lokalen Vereinen von Hundefreunden suchen, um dort für das Problem zu sensibilisieren und mit ihnen Lösungen zu suchen. „Es wird sicher mühsam sein und Zeit erfordern, sich abzustimmen“, betont sie. Aber es sei wichtig, die Hundebesitzer einzubinden.

Um die Sicherheit der Besucher, aber auch der Tierwelt zu gewährleisten, hat das Forstamt bereits den sogenannten „Mittelweg“ östlich des Jägerteichs gesperrt, wie Kluge mitteilt. Dort stehen mehrere alte Bäume, die Passanten gefährden könnten, aber nicht einfach gefällt werden dürfen, da sie vielen Tieren als Lebensraum oder Brutplatz dienen. „Auch sonst führt der Weg durch sensible Gebiete“, erklärte Kluge. Auf der anderen Seite hätten Spaziergänger mit der Beobachtungshütte am Jägerteich seit einiger Zeit ein zusätzliches Angebot, gab Wache zu bedenken.

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