Bergstraße

Gesundheitsamt Mit zunehmender Dauer der Pandemie ergeben sich neue Herausforderungen

Nicht immer ist die Quelle der Corona-Infektion bekannt

Archivartikel

Bergstraße.Für die Aufgabe, Kontaktpersonen von Corona-Infizierten zu ermitteln, sieht Kreisbeigeordnete Diana Stolz das Bergsträßer Gesundheitsamt gut aufgestellt – obwohl eine Vorgabe dazu von Bund und Ländern nur „annähernd“ erreicht worden sei, wie sie auf Nachfrage in der Video-Pressekonferenz der Kreisspitze mitteilte.

Nach besagter Vorgabe sollen in jedem Gesundheitsamt fünf Mitarbeiter pro 20 000 Einwohner bereitstehen, um Personen zu ermitteln, die mit Infizierten einen mindestens 15-minütigen Kontakt hatten. Die Betroffenen sollen dann isoliert werden. Schon frühzeitig seien im Bergsträßer Amt Teams gebildet worden, deren Stärke je nach Lage aufgestockt oder reduziert werde, führte Stolz aus. Die Personalstärke sei nahe an der vorgegebenen Zahl gewesen. Viele Gesundheitsämter hätten Probleme, dieses Soll zu erfüllen, ergänzte Landrat Christian Engelhardt. Entscheidend sei aber, ob die Ämter es schaffen, die Kontakte nachzuverfolgen. „Das hat hier durchgehend funktioniert“, betonte der Chef der Kreisverwaltung.

Gleichwohl seien die Herausforderungen teilweise gestiegen, erläuterte Stolz. Zu Beginn der Krise habe die Behörde bei vielen Infizierten schnell Reiseziele in Risikogebieten als Ursprung der Infektion ausgemacht – gerade wenn diese Reisenden direkt nach der Heimkehr nur wenige Kontakte im Kreis hatten. In der jetzigen Phase – in der kaum Reisen stattfinden und sich Neu-Infektionen eher im Umfeld des Wohnorts ereignen – sei die Quelle nicht immer nachvollziehbar. Die neueren Patienten hätten sich aber meist bei Personen angesteckt, die in der Zwischenzeit ebenfalls positiv getestet wurden, laute eine Erkenntnis.

Drei Fälle in Pflegeheimen

In drei verschiedenen Pflegeheimen seien unlängst drei Erkrankungsfälle festgestellt worden. Testaktionen in diesen Einrichtungen hätten ergeben, dass sich das Virus dort nicht ausgebreitet hat. Nach wie vor könne das Gesundheitsamt nur bei konkreten Anlässen großangelegte Aktionen veranlassen. Sie spreche sich deshalb dafür aus, dass die übergeordneten Stellen mehr Großeinsätze in Heimen oder Flüchtlingsunterkünften ermöglichen. Mittlerweile gebe es dazu positive Signale aus dem Kanzleramt, sagte Stolz.

Es gibt auch Bereiche, in denen sich die Lage verbessert hat, wie Engelhardt betonte. Anders als noch vor einigen Wochen gebe es kaum noch Einsätze der Rettungsdienste, die einen Bezug zu Covid-19 haben. Auch bei der Ausstattung der Einsatzkräfte mit Schutzausrüstung sei nachgebessert worden.

Mit Blick auf den Öffentlichen Nahverkehr teilte Kreisbeigeordneter Karsten Krug mit, dass ab Montag wieder die Ruftaxis zu den üblichen Zeiten abrufbereit sind – in den vergangenen Wochen standen sie nur montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr zur Verfügung. Eine Ausnahme bestehe in Viernheim. Ab Montag werde auch wieder der reguläre Schulfahrplan greifen. Ab diesem Tag werden die Busse wieder wesentlich mehr Schüler befördern müssen als bisher, da Kinder und Jugendliche aus den vierten Klassen und der Sekundarstufe I wieder schulpflichtig sind. Eine Schwierigkeit sei, dass die Schulen zum Teil andere Unterrichtszeiten festgelegt haben als sonst, damit die Aufteilung von Klassen ermöglicht werden kann – teilweise passen diese Zeiten nicht zum Fahrplan. Es könne deshalb zu Wartezeiten kommen. Wenn eine hohe Nachfrage besteht, sei es auch möglich, im Fahrplan nachzusteuern. Krug erinnerte daran, dass die Abstandsregel im Bus zwar nicht besteht, wohl aber die Maskenpflicht.

Derweil steige die Anzahl der Verstöße gegen die Verordnungen geringer an als bisher. Krug wertet das als Indiz dafür, dass das Vorgehen der Ordnungsbehörden Wirkung zeigt. Bisher sind der zentralen Bußgeldstelle im Kreis 355 Zuwiderhandlungen gemeldet worden.

Landrat Engelhardt nutzte die Pressekonferenz, um ausdrücklich vor Verschwörungstheorien zu warnen. Wenn sie jemand in die Welt setze, tue er dies meist bewusst, um das Vertrauen in die Politik zu schmälern. Es sei legitim, kritische Fragen zu stellen. Letztlich leite die Politik aber ihre Entscheidungen zur Pandemie von der Mehrheitsmeinung der Wissenschaft ab – die sich auch weiterentwickele.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel