Bergstraße

Unternehmerverbände Frühjahrskonferenz in Heppenheim wählt Claus Lau zum neuen Stellvertreter / Rentenalter als zweites großes Thema

Ohne Digitalisierung geht heute nichts mehr

Bergstraße.Claus Lau ist neuer stellvertretender Vorsitzender des VhU-Beirats Südhessen. Bei ihrer Frühjahrskonferenz in Heppenheim votierte die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände einstimmig für den Standortleiter der Bosch Rexroth AG in Erbach. Damit folgt der Elektroingenieur auf Ulrich Schumacher. Erst vor vier Wochen wurde Lau zum Vorsitzenden der Bezirksgruppe Darmstadt und Südhessen im Arbeitgeberverband Hessenmetall gewählt.

Ganz oben auf der Agenda im Neubau des Elektrospezialisten Jäger Direkt im Heppenheimer Süden standen die Themen Digitalisierung und langes Erwerbsleben. „Von einem starken und flexiblen Arbeitsmarkt profitieren Unternehmen und Arbeitnehmer gleichermaßen“, sagte der Beiratsvorsitzende Jürgen Streit aus Bensheim.

Ein gutes Bildungsniveau öffne berufliche Perspektiven und sei der beste Schutz gegen Arbeitslosigkeit. Angesichts der älter werdenden Gesellschaft komme es aber auch darauf an, die Sozialversicherungsbeiträge unter 40 Prozent zu halten, um die jüngere Generation nicht zu überlasten.

Streit begrüßte das vom VhU erstellte Konzept für ein langes und durchgehendes Erwerbsleben. Das Positionspapier soll Anfang Mai der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Dr. Stefan Hoehl vom Vorstand der Deutschen Rentenversicherung Hessen erläuterte in Heppenheim die Eckpunkte des Konzepts. So sei die schrittweise Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre ein unverzichtbarer Baustein für eine auskömmliche Altersvorsorge, ohne die im Arbeitsleben aktive Generation zu überfordern.

Gegen steigende Beiträge

„Ein längeres Erwerbsleben ist nicht nur nötig, sondern auch möglich“, so der Geschäftsführer Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik im VhU. Steigende Beiträge zur Sozialversicherung bedeuten weniger Netto für den Arbeitnehmer und höhere Lohnzusatzkosten für den Arbeitgeber. „Damit schaden sie der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, vernichten Arbeitsplätze oder verhindern neue.“

Durch Verbesserungen in den Bereichen Gesundheitsvorsorge und Regeneration, Arbeitsschutz und lebenslange Bildung seien die Voraussetzungen für eine längere Berufsbiografie gegeben. Seit dem Jahr 2000 sei das Renteneintrittsalter bereits um eineinhalb auf über 64 Jahre gestiegen. „Ein längeres Erwerbsleben stützt unser Versicherungssystem im Zeichen des demografischen Wandels“, so der Jurist.

Früher standen einem Rentner noch sechs Beitragszahler gegenüber, heute sind es nur noch zwei. Dieses Verhältnis werde sich weiter verschlechtern, so Stefan Hoehl. Die gesetzliche Rente müsse durch ein längeres Erwerbsleben stabilisiert werden. Ausnahmen wie abschlagsfreie Rentenzugänge mit 63 oder 65 Jahren sollten seiner Meinung nach so schnell wie möglich abgeschafft werden.

Politik denkt zu kurz

Ein Problem sieht Hoehl in der politischen Umsetzung dieser Strategie: „Die Politik denkt leider meist im Zeitrahmen einer Legislaturperiode.“ Immer wieder zeige sich, dass die Forderung nach einem höheren Renteneintrittsalter auf Skepsis und Widerstand stoße. Damit gewinne man nun mal keine Wählerstimmen, so ein Beiratsmitglied am Rande des Treffens, bei dem Hausherr Jens Fischer über die Expansion des Unternehmens Jäger Direkt informierte.

Fischer ist Mitglied der Geschäftsleitung und Gesellschafter des Elektrospezialisten, der vor zwei Jahren von Reichelsheim nach Heppenheim umgezogen und sich am neuen Standort massiv erweitert hat (wie berichtet). „Die Synergien sind täglich spürbar“, so Fischer. Für das Jahr 2020 peilt das Unternehmen einen Umsatz von 100 Millionen Euro an. Ohne Digitalisierung seien die internen Logistik- und Lagerprozesse kaum noch zu bewältigen.

Die VhU plädiert für eine Forcierung der Digitalisierungsstrategie in Südhessen. Ohne Investitionen in Strukturmaßnahmen und ein abgestimmtes Bildungskonzept, das sich den neuen Berufsfeldern anpasst, sei die digitale Transformation kaum zu schaffen. „Politik und Verwaltung sind gefordert, ein ausreichendes Angebot an Gewerbeflächen zu schaffen und den weiteren Ausbau intelligenter Verkehrssysteme für Industrie und Dienstleistung zu stärken“, so VhU-Geschäftsführer Dirk Widuch. Nur so könne die Technologieregion weiter wachsen und sich im Wettbewerb behaupten.

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