Bergstraße

Botschafter der Bergstraße Jürgen Gromer, Beiratsvorsitzender der Wirtschaftsförderung Bergstraße und ehemaliger Chef von TE Connectivity, feiert heute Geburtstag

„Populismus bestimmt die Klimadebatte“

Bergstraße.„Leider“ – das ist die spontane, natürlich nicht ganz ernst gemeinte Antwort, die Jürgen Gromer denjenigen gibt, die ihn auf seinen heutigen 75. Geburtstag ansprechen. Als er jünger gewesen sei, habe er die Regeln in verschiedenen Unternehmen mit aufgestellt, die besagen, dass Aufsichtsratsmitglieder ihre Posten ab einem gewissen Alter räumen sollen, um für den Nachwuchs Platz zu machen. So war es etwa bei TE Connectivity (früher Tyco Electronics). Vor zwei Jahren schied er aus dem Aufsichtsrat der Innovationsschmiede für die Autoindustrie aus, deren Präsident er bis 2007 war. Zuvor hatte er den Bensheimer Standort groß gemacht.

Ein Weltunternehmen aufgebaut

„Letztlich kommt es nicht darauf an, wie alt man ist, sondern wie man sich fühlt“, betonte der Unternehmer-Veteran im Gespräch mit dieser Zeitung vor seinem Ehrentag. Aufs Altenteil will er sich nicht zurückziehen. Aktuell sitzt er noch im Aufsichtsrat des Unternehmens WABCO Holding in New York und bei MIC in München. Nach wie vor berät er verschiedene Unternehmen und ist Beiratsvorsitzender bei der Wirtschaftsförderung Bergstraße (WFB). In seiner Freizeit hält er sich mit Tennis, Golf, Ski und Mountainbiken körperlich und geistig fit. Er habe mit TE ein Weltunternehmen aufgebaut, etwas, worauf er stolz sei und das ihm niemand mehr nehmen könne, blickt Gromer zurück.

Den Kreis betrachtet er weiterhin als attraktiven Standort mit einer geringen Arbeitslosenquote, guter Anbindung an die Großstädte und „genau dem richtigen Mix aus Industrie einer tollen Landschaft.“ Dies liege auch an der guten Arbeit der Wirtschaftsförderung. „Eine gute Basis ist da“, ist der langjährige Unternehmer überzeugt.

Gegen die „Klimahysterie“

Es gebe aber auch einige Entwicklungen im bundesweiten Zusammenhang, die auch die Wirtschaft an der Bergstraße beeinflussen könnten, fügt Gromer hinzu. „Wirtschaft braucht Motivation. Gute Geschäfte lassen sich nur mit einer positiven Stimmung machen“, sagt er. Im Moment sehe er die Gefahr, dass im Zuge der Klimadebatte – oder der „Klimahysterie“, wie er sie nennt – die Schlüsselindustrien Deutschlands zerredet werden. Umweltschutz sei wichtig. Den Trend zum Klimawandel gebe es aber seit Millionen von Jahren. Die Bundesrepublik könne alleine nichts bewegen. Es sei deshalb falsch, Millionen von Euro auszugeben und damit den Wohlstand zu reduzieren. Dennoch liege die Zukunft in den regenerativen Energien – um mehr Unabhängigkeit von den fossilen Brennstoffen zu erlangen.

Um seine Position als Wirtschaftsnation zu behalten, brauche Deutschland einen „Weckruf“. Unter anderem macht Gromer dies an der Mobilfunk-Abdeckung und der Digitalisierung fest. Auf einer Fahrt von Bensheim nach Weinheim müsse ein Gespräch per Mobiltelefon mehrfach unterbrochen werden. „So etwas können wir uns als viertgrößte Wirtschaftsnation der Welt nicht leisten“, warnt der Jubilar. Es sei ein Problem, wenn der Ausbau von Straßen mit Verlegungen von Leitungen mehrere Jahre in Anspruch nehme. Wenn Deutschland in eine Rezession schlittere, dann aufgrund hausgemachter Probleme.

Allgemeinbildung forcieren

Die Neidkultur tue ihr Übriges. Das richtige Rezept sei, eine traditionelle, aber nicht altmodische Allgemeinbildung zu forcieren. Dies bringe nicht nur qualifiziertere Arbeitskräfte, sondern sorge auch für mehr Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge, somit auch für mehr Respekt gegenüber den Leistungsträgern und ausgeglichenere Debatten, etwa über das Klima: „Die derzeitige Debatte wird von Populismus bestimmt.“ Die Bewegung „Fridays for Future“ schließt Gromer dabei ausdrücklich mit ein. Auch ein Ausbau der inneren Sicherheit sei für diesen Respekt wichtig.

Ausführliche Kritik an den USA unter Präsident Donald Trump ist dem bekennenden Amerika-Fan ebenfalls ein Dorn im Auge. Nach wie vor reise er unter anderem für die WABCO viel über den großen Teich. „Bisher hatte Deutschland dort einen guten Ruf“, beschreibt er seine Erfahrungen. Nun seien viele Amerikaner verärgert über die Kritik aus Deutschland an der jetzigen Regierung. Er sei kein Trump-Unterstützer. „Wir müssen aber akzeptieren, dass er der gewählte Präsident ist“, fordert Gromer. Die USA seien Deutschlands größter Kunde, auch sicherheitspolitisch sei die Bundesrepublik von ihnen abhängig.

„Bürgerdialog ist wichtig“

Neben Breitband und Mobilfunk sehen Gromer und der Beirat der Wirtschaftsförderung die Verkehrsinfrastruktur und die Schaffung von Gewerbeflächen als wichtige Aufgabe im Kreis an. Erweiterungen müssten für Unternehmen einfacher gestaltet werden. Damit die Bevölkerung sie aber akzeptiert, sei ein Bürgerdialog wichtig. „Schließlich will jeder mitreden“, sagt Gromer. Die WFB könne den Kommunen dabei unter die Arme greifen. Besonders für den Odenwald sei zudem der Tourismus ein entscheidender Faktor.

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