Bergstraße

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Preußische Tafelrunde

Bergstraße.Die Landsmannschaft der Ostseedeutschen lädt für Freitag, 20. Oktober, zu ihrer traditionellen "Preußischen Tafelrunde" ein. Auch beim 61. Treffen im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe wird den Gästen wieder neben einem guten Essen und guter Unterhaltung ein Stück deutscher Zeitgeschichte präsentiert: "Ein deutsches Schicksal zwischen Ost und West (1950 bis heute)" lautet der Titel des Referats von Dipl.-Ing. Wolfgang Lehmann, den die Besucher der Tafelrunden bereits kennen und sich an seinen sehr bewegenden Erlebnisbericht bei einer früheren Tafelrunde erinnern werden. Damals berichtete er über die Zeit 1945 bis 1950; die Zeit, die er als Jugendlicher in Haft und Deportation nach Sibirien erleben musste. Jetzt folgt quasi die Fortsetzung seiner Lebenserinnerungen.

Ein zweiter Lebensanfang

Am 3. Mai 1950 kehrte Wolfgang Lehmann nach fast fünf Jahren aus einem Zwangsarbeiterlager in Sibirien in seinen Geburtstort Großräschen in der Niederlausitz zurück. Er war 21 Jahre als, hatte keinen Schulabschluss, keine Lehre und keinen Vater - der war seit Februar 1945 als Soldat vermisst und blieb es bis heute. Es war für ihn wie ein zweiter Lebensanfang.

Gerade deshalb nahm er sich vor, die verlorenen fünf Jahre aufholen zu wollen. Dabei stand ihm immer wieder das Glück zur Seite. Seine erste Beschäftigung in einem Bauunternehmen verdankte er seinem ehemaligen Jugendfreund, der damit zu seinem wichtigsten Lebenswegbereiter wurde.

Nach vier (!) Monaten bestand er die Zimmerer-Gesellenprüfung. Ein wohlwollender Vorgesetzter ebnete ihm den Weg zum Fachschulstudium, woran sich ein Hochschulstudium anschloss. Inzwischen hatte er eine Familie mit drei Kindern. 1959 endlich fertig geworden, wollte er ein gewöhnliches Leben in der DDR führen. Da versuchte die Stasi, ihn zu erpressen, um ihn als IM zu gewinnen.

Flucht nach West-Berlin

Dem entzog sich die Familie im Jahr 1960 durch die Flucht nach West-Berlin. Mehrere Hürden waren zu überwinden, bis sie den ersten festen Wohnsitz in Butzbach nehmen konnten, wo Lehmann beruflich tätig und unter anderem für den Bau einer Kernreaktoranlage verantwortlich war. 1962 veränderte er sich beruflich zu einem Unternehmen in Mannheim, bei dem er 23 Jahre bis zu dessen Auflösung arbeitete. Dabei war er beim Bau der Sportstätten für die Olympischen Spiele 1972 in München für die Dacheindeckung verantwortlich. red

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