Bergstraße

Internationale Woche Pro Bahn will ÖPNV attraktiver machen

Pro Bahn: Lücken im Netz schließen

Bergstraße.Fahrgastunfreundliche Linienführungen, weite Wege zu den Haltestellen, fehlender Wochenendbetrieb. Viel Umsteigezwang, wenige Alternativen. Die Fahrgastvereinigung Pro Bahn kritisiert massive Staus in der Weiterentwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs. Ohne eine Beseitigung von Netzlücken und kundenfreundliche Tarife sei eine Verkehrswende kaum zu bewältigen, so Peter Castellanos aus dem Vorstand des Regionalverbands Starkenburg.

Der Takt stimmt noch immer nicht

„Nachhaltige Mobilität durch attraktiven ÖPNV“ titelte die Veranstaltung in Bensheim im Haus am Markt, die im Rahmen der Internationalen Woche das Augenmerk auf verkehrspolitische Herausforderungen im Kontext von Umweltschutz und Klimawandel legte.

Fazit: Für einen ökologisch spürbaren Umstieg vom Auto in Busse und Bahnen stimmt der Takt noch immer nicht. Trotz einiger Erfolge und vereinzelten Maßnahmen vor Ort bleibe der ÖPNV für viele Menschen in der Region wegen fehlender Verbindungen und mangelhafter Tarifangebote unzugänglich. „Wir wollen mehr Gelegenheitskunden“, betonte Castellanos in Bensheim, wo er nicht nur den Finger in die Wunden legte.

Angebot ist besser geworden

Das Angebot von Bus und Bahn an der Bergstraße sei nach Erkenntnissen des Fahrgastverbands im Laufe der Jahre besser geworden. Bushaltestellen wurden modernisiert, auf einigen Linien sei das Angebot ausgeweitet worden. Doch beim genaueren Blick auf das Detail würden die Schattenseiten erkennbar: Für eine prosperierende Region in zentraler Lage zwischen zwei Metropolregionen sei die Bergstraße insgesamt zu schwach ausgebaut. Es gebe zu wenige Korridore, die zusammen ein solides Grundnetz darstellen und die Menschen dazu motivieren, den motorisierten Individualverkehr zugunsten des ÖPNV wenigstens gelegentlich ruhen zu lassen. Und dafür, so Castellanos, müsse man nicht unbedingt in den dünner besiedelten ländlichen Raum blicken.

Doppelte bis dreifache Reisezeiten durch klaffende Netzlücken seien genauso wenig eine Alternative für Neukunden wie mobilitätseinschränkende Tarifgrenzen oder lästige Streckenbeschränkungen in ein und demselben Verkehrsverbund. Nötig seien eine Systematisierung von Fahrplänen und die Schaffung eines intelligenten, durchgängigen Takts, der den ÖPNV flexibler und übersichtlicher machen würde.

Starke Verbindungen gefordert

Pro Bahn hatte immer wieder „starke Verbindungen für eine starke Region“ gefordert. Dem Verband geht es um gute Standards zwischen den Zentren für mehr unabhängige Mobilität auch über Kreisgrenzen hinaus. Das aktuelle Nahverkehrsnetz spiegele dies aber nicht wider. Der Kunde interessiere sich nicht für organisatorische Befindlichkeiten von Landkreisen oder Verkehrsverbünden, sondern wolle sein Ziel im jeweiligen Umkreis möglichst einfach erreichen können. Auch in ländlicheren Regionen müsse man gut ausgebaute Buslinien ins nächste Zentrum verlängern, anstatt sie auf der grünen Wiese enden zu lassen.

Schlechte Erfahrung hat Folgen

„Schlechte Erfahrungen mit dem ÖPNV führen zu einer generellen Abneigung“, so Peter Castellanos in Bensheim. Auch hier sei das Angebot in der Vergangenheit eher auf Zwangskunden (auf den ÖPNV angewiesene Menschen) ausgerichtet, statt sich an den Mobilitätsbedürfnissen einer – wie sich Bensheim vermarktet – „lebendigen Stadt“ zu orientieren.

In Stadt und Kreis sei das Zusammenspiel mehrerer Verkehrsmittel von elementarer Bedeutung (Multimodalität). In einem solchen Verkehrssystem diene der ÖPNV als wichtige Rückfallebene und sollte daher einen möglichst breiten Kundenkreis durch ein offensives Angebot erreichen.

Im Kreis hapert es erheblich

Gut vertaktete Verbindungen zwischen Zentren, die an Verknüpfungspunkten Anschlüsse im Integralen Taktfahrplan herstellen, sind laut Castellanos ein Kernmerkmal dafür. „Dazu müssen aber überhaupt erst Verbindungen auf bestimmten Relationen angeboten werden. Im Kreis Bergstraße hapert es daran noch erheblich.“

Zielgruppenorientierte Angebote würden aber gebraucht, um für Bewohner im Kreis Bergstraße bezahlbare öffentliche Mobilität anzubieten. „Die bestehenden Strukturen bilden den Mobilitätsradius der hier lebenden Menschen nicht ab“, so der Referent weiter.

Im Anschluss an den Vortrag war Raum für Diskussionen unter den Teilnehmern.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel